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Licht in dunkler Nacht

Auch starke Männer wie ich haben ihre sensible Seite. Bei mir zeigt sich das vor allem nachts im Bett. Nein, es geht nicht um das, was Sie jetzt denken. Die Sensibilität, die ich meine, ist eine buchstäbliche Empfindlichkeit, und zwar was Licht angeht. Für mich gibts nichts Schlimmeres, als wenn es nachts im Schlafzimmer noch irgendwo ein Lämpchen hat, das flimmert. Wie heisst es im Volksgedicht: Wenn du glaubst, du schläfst jetzt sehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Sei es die kleine, rote Standby-Leuchte an der Stereoanlage oder die gedimmte Zeitanzeige an der Funkuhr – wenn es irgendwo noch schimmert, finde ich keinen Schlaf. Immer muss ich dann dorthin starren, wos noch glimmt, und werde immer ärgerlicher dabei. Wer soll sich da entspannen können.Eigentlich schon sehr ironisch, dass ausgerechnet ich, der ich als Kind so Angst vor der Dunkelheit hatte und immer von meinen Eltern verlangt hab, dass die Tür ins Kinderzimmer noch einen Spalt offen und das Licht im Gang an sein müsse, unterdessen nichts lieber hab, als richtige Finsternis. Das führte in der Vergangenheit denn auch dazu, dass ich auch schon an ­allen elektronischen Geräten die Leuchtdioden oder andere Lichtsignalquellen zugeklebt ­habe. Weil aber leuchtende Anzeigen zur Tageszeit durchaus Vorteile haben können, habe ich mich dann allmählich damit ­begnügt, nur noch temporären Lichtschutz einzurichten.

Um etwa das grüne Lämpchen bei der Laptop-Batterie zu verdecken, genügt auch eine gezielt platzierte Socke. Meine Frau freilich meinte lang, es sei meine sagenhafte Unordentlichkeit der Grund dafür, dass bei mir auch auf dem Pult Unterwäsche rumliegt. Dass es damit indes eine andere Bewandtnis hat, wurde ihr dann klar, als sie sich eines Tages darüber wunderte, warum der Krimi, den sie am Abend noch gelesen hatte, am Morgen nicht mehr dort lag, wo sie ihn abgelegt hatte, sondern nun verdächtig angelehnt an den Radiowecker stand.

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