Kolumne

Schwitzen und Nähen

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Gewiss, das nasskalte Wetter würde schon dazu passen, dass man lieber in den Schwitzraum statt auf die Strasse geht, trotzdem ist es eigentlich nicht meine Angewohnheit, bei einer Städtereise gleich als Erstes die Sauna zu besuchen. Trotzdem war es genau so, als ich am Wochenende nach Berlin gereist bin.

Der Besuch der Saunalandschaft im Hotel, wo man mich einquartiert hatte, war denn auch nur bedingt freiwillig. Ich hatte mir im Flugzeug offenbar an der Hose einen Knopf abgerissen, was ja nicht unbedingt schlimm gewesen wäre, hätten nicht meine Hosenträger genau an diesem Knopf gehangen. Sind indes die Hosen ohne Träger, gerät auch die eigene Anständigkeit ins Rutschen.

Ob sie mich für den neuen Masseur halten würden, der statt mit geheizten Tüchern seine Kunden mit Winterjacken abreibt? 

Wollte ich also in der deutschen Hauptstadt nicht als unfreiwilliger Exhibitionist für öffentliches Ärgernis sorgen, musste dringend Knopfersatz her. Der Portier im Hotel, wo man mich einquartiert hatte, war denn auch so freundlich, mir ein kleines Reisenähset zu offerieren.

Doch da mein Zimmer noch nicht bezugsfertig war und ich ja schlecht in der Hotellobby meine Hose ausziehen und zu reparieren anfangen konnte, wurde ich kurzerhand in die hauseigene Wellnessoase komplementiert, wo ich ans Werk gehen sollte.

Mir wurde dabei wieder einmal klar, warum man sich gemeinhin in einem Bademantel und nicht in der vollen, für die windigen Berliner Strassen tauglichen Wintermontur in einer Saunaabteilung bewegt: Es ist dort nämlich, auch wenn man nicht in der Saunakammer selbst, sondern im Massageraum nebenan sitzt, ziemlich warm beziehungsweise sehr warm beziehungsweise verdammt warm.

Jetzt aber schnell. Ich hab mich auf den Stuhl gesetzt neben der Massageliege und an meiner Hose zu nesteln begonnen und mich dabei gefragt, wie allfällige Hotelgäste wohl reagieren würde, wenn sie jetzt reinkämen und mich so vorfänden, unten ohne, oben aber dick eingepackt.

Ob sie mich für den neuen Masseur halten würden, der statt mit geheizten Tüchern seine Kunden mit Winterjacken abreibt und Nähnadeln für die Akupunktur verwendet?

Natürlich rutschte mir dann auch noch der Knopf aus den schweissnassen Fingern und die Sicherheitsnadel, die ebenfalls im Nähset drin war, fiel mir unter die Liege, wo ich sie nun mühsam suchen musste.

Nicht auszudenken, wenn die nächsten Sauna­besucher sich beim Zur-Massage-Schlurfen meine Sicherheitsnadel in den Zeh rammen würden. Als ich dann endlich fertig war, war ich wirklich fertig. Schweisstriefend und mit von der Sicherheitsnadelsuche verrenktem Rücken schritt ich aus dem Hotel. Eigentlich reif für eine Massage, aber mit gesicherten Hosen.

(Der Landbote)

Erstellt: 12.12.2017, 17:52 Uhr

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