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Tricks auf dem Menüplan

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Was gits hüt?» Die Tochter stellt die Frage gleich unter der Tür, kaum ist die Wohnungstür aufgestossen, noch vor einem «Hallo» und bevor sie den Schulthek in den Gang geschmissen oder die Schneestiefel ab­geschüttelt hätte. Ernährung, Essen, Menüplanung, Gemüse, Süssigkeiten. Das Thema ist auch bei den halbwüchsigen Kindern noch ganz oben auf der Liste. Ein Dauerbrenner der Erziehung, von der Wiege bis mindestens zur Mündigkeit.

«Was gits hüt?» Die Frage ist vor allem dann heikel zu beantworten, wenn ich genau weiss, dass die Antwort keine Jubelstürme auslösen wird. Wenn in der Pfanne das Sauerkraut von vorgestern vor sich hin dampft, begleitet von einem nur noch sehr kleinen Stück Schinken und von Salzkartoffeln mit schon etwas gelben Rändern.

Die Aussage zu verweigern, bringt allerdings auch nicht viel: Die Kinder wissen genau, wo am Küchenschrank der ungefähr halbwöchentliche Menüplan hängt. «Was?! Scho wider ­Reschtä!» Kein guter Einstieg in die Mittagspause.

An der Restenverwertung führt zwar kein Weg vorbei. Aber an der Vermarktung des Speiseplans – so sagte ich mir – kann man arbeiten. Statt «Resten und Salat» schrieb ich darum «Teigwarenplausch mit Nüsslisalat» auf die Menüliste. Mit Erfolg. Das Alter der Spiralnüdeli war am Küchentisch dann nur ein Nebenthema.

«Kulinarischer Wochenrückblick» statt
«Resten und Salat»: Das ging
nach hinten los...

Auch mit «Bunter Wintersalat mit Käseplatte» statt des standardmässigen «Käse und Brot» konnte ich einen Erfolg verbuchen. Die Kinder waren da sogar ein bisschen gespannt auf den Salat, dann allerdings auch leicht enttäuscht, dass die Blätter auf dem Teller nicht viel farbiger waren als in der Vorwoche.

Überspannt habe ich den Bogen dann mit der tatsächlich eher hochtrabenden Formulierung «Kulinarischer Wochenrückblick». Die Achtjährige hatte ­zunächst Verständnisprobleme. Aufgrund meiner Erklärungen kam sie schnell zur Schlussfolgerung: «Also eifach Reschtä!» Um dann gleich noch grundsätzlich zu werden: «Schriib doch besser eifach ane, was es würkli git.»

Der Vorfall hatte dummerweise auch noch langfristige Kon­sequenzen: Seither lesen die Kinder meine Menünotizen mit einer gesunden Skepsis. Tricksereien werden postwendend entlarvt. Darum wende ich die geschönte Sprache nur noch in die andere Richtung an: Ich täusche mich selbst bei Menüs, bei denen ich – aus welchen Gründen auch immer – ein schlechtes Ge­wissen habe. So verwandelte ich kürzlich «Fertiglasagne und -cannelloni» in ein «Festival der Tiefkühlkost» und fand, ich sei kein Rabenvater, sondern – ­zumindest schriftlich – ein recht kreativer Koch. (Der Landbote)

Erstellt: 15.01.2019, 10:28 Uhr

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