Wenn die Blase aufs Geld drückt

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Wohl dem, der eine saubere und funktionierende Toilette hat. Eine, die die feine Landluft nicht verpestet! Ossingen gehört seit kurzem zum erlesenen Kreis der öffentlichen Edelstahl-Klo-Besitzer. Das «intelligente» WC ist ein neues Mitglied im Internet der Dinge: Es kommuniziert mit seinem Herrchen, wenn es geputzt werden will oder Nachschub an Toilettenpapier braucht.

Schön wären noch eine Musikauswahl während der Benutzung (mit Lautstärkenregler), ein ­Maniküreroboter und eine ­Minibar. «Und WLAN!», mögen Smartphone-Junkies ohne Flatrate ausrufen. Aber Achtung, nach 15 Minuten entriegelt sich die Tür, um den Weg für den nächsten Bedürftigen freizugeben. Behinderte, die sich mit dem Eurokey identifizieren, haben übrigens 30 Minuten Zeit fürs Geschäft.

Gerade am Bahnhof Ossingen ist es vernünftig, die Amtszeit auf dem Thron zu begrenzen, nicht nur, damit man den Zug nicht verpasst. Ab Sommer werden vermehrt Anwärter erwartet, denn wenn die beiden neuen Weinwanderwege eröffnet sind, gibt es auch mehr Kundschaft, die das Weinländer Produkt am Ort seiner Entstehung (AOC) wieder abzuführen wünscht.

Nicht selten profitiert die Herstellerfirma von Vandalen, die herkömmliche Toilettenhäuschen beschmiert und zerstört haben. Wenn dann Ersatz hermuss, suchen die Gemeinden eine möglichst bombensichere Lösung. Besonderen Luxus in der Ausstattung hat man sich aber verkniffen.

Dennoch beschleicht einen das Gefühl, es wird immer teurer, auf der Schüssel zu sitzen. Als Rickenbach seinen Anteil von 60 000 Franken für die geplante Bahnhoftoilette zurückhielt, schien das einigen schon recht viel. Inzwischen sind in Ossingen 120 000 Franken nicht gerade den Lokus runtergegangen, aber doch verbaut worden. Als Luzern einen WC-Masterplan aufstellte, erhielt die gleiche ­Firma den Zuschlag – 170 000 Franken für drei Toiletten. Da ist der eine Franken, den der User zahlt, nur ein Tropfen auf den heissen Stein. (Landbote)

Erstellt: 13.05.2016, 08:18 Uhr

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