Winterthur

Regional, saisonal und tiergerecht– aber aus der Wärmebox

Derzeit liefert die SV Group das Essen für die Mittagstische der Schulen in Winterthur. Bald wird der Auftrag neu vergeben. Das hat eine Diskussion aufgelöst: Essen aus der Grossküche oder lieber frisch zubereitet?

Am Mittagstisch essen die Kinder in Winterthur zurzeit Essen aus der Grossküche, dass in Wärmeboxen geliefert wird. Damit passt nicht allen.

Am Mittagstisch essen die Kinder in Winterthur zurzeit Essen aus der Grossküche, dass in Wärmeboxen geliefert wird. Damit passt nicht allen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Meine Kinder waren nie begeistert vom Essen an den städtischen Mittagstischen», sagt Nicole Thoma, Mutter von zwei Kindern, die mindestens einmal pro Woche in der schulergänzenden Betreuung essen. Dasselbe höre sie von den Eltern in ihrem Umfeld.

In Winterthur können Kindergarten- und Primarschulkinder in schulergänzenden Betreuungen zu Mittag essen. In den letzten vier Jahren wurde das Essen von der Gastronomie- und Hotelmanagement-Gruppe SV Group geliefert, die auch verschiedene Mensen in der Stadt führt. Im nächsten Sommer läuft der Vertrag aus, der bereits zweimal um ein Jahr verlängert wurde. In einem Submissionsverfahren sucht die Stadt daher bald nach einem neuen Anbieter.

«Der Bezug zum Essen fehlt»

Den Betreuungsleitungen stehen 6.40 Franken pro Kind und Mittagessen zur Verfügung. Darin sind auch die Transportkosten und die Verpflegung des Personals enthalten. Hinzu kommen 1.20 Franken pro Kind für das Morgenessen und 90 Rappen für den Zvieri, die selber hergerichtet werden. Das Essen wird am Morgen in der SV-Grossküche in der Grüze zubereitetet und verpackt an die 34 Betreuungseinrichtungen geliefert. In Wärmeboxen wird es dort bis zum Mittag warm gehalten.

Hier setzt Nicole Thomas Kritik an. «In Grossküchen zubereitetes Essen, dass stundenlang in Wärmeboxen stehe, kann nicht gleich gut sein, wie frisch zubereitetes.» Da komme es dann auch nicht mehr darauf an, ob Bio-Tomaten drin seien. Thoma glaubt, dass viele Eltern bereit wären, mehr zu bezahlen, wenn es frisches Essen gäbe. «Den Kindern fehlt der Bezug zum Essen, wenn es einfach aus den Boxen kommt.»

Spezielle Lösungen

Dass es auch anders geht, zeigen zwei Ausnahmen. In der Primarschule Eulachpark wird das Mittagessen seit 2007 von einer Köchin frisch zubereitet. Die Ausnahme aus dem Vertrag sei historisch bedingt, sagt Betreuungsleiterin Susie Soltermann. «Wir sind sehr zufrieden mit dieser Lösung», sagt sie. Die Küche, die sich mitten im Schulhaus befindet, sei das Herz der Schule. Es dufte um die Mittagszeit, die Kinder kennen die Köchin und können mit ihr reden. «Ich sehe, dass die Kinder, Neues ausprobieren, weil das Gekochte frisch ist und nicht anonym geliefert wird», sagt Soltermann.

Frisch gekocht wird auch in einem von vier Mittagstischen auf der Sekundarstufe. Dort stehen Lernende des 10. Schuljahrs «Profil» mit ihren Hauswirtschaftslehrerinnen in der Küche. «Solche speziellen Lösungen lassen wir, wenn möglich zu», sagt Regula Forster, Bereichsleiterin Familie und Betreuung der Stadt.

«Ich sehe, dass  die Kinder Neues  ausprobieren, weil das Essen nicht anonym geliefert wird.»

Susie Soltermann,  Betreuungsleiterin Eulachpark

Dass bald in jeder Betreuungseinrichtung einzeln gekocht wird, hält sie aber für ausgeschlossen. Die Stadt habe sich vor Jahren für eine zentrale Anlieferung entschieden, da die Personalkosten ansonsten sehr hoch ausfallen. Eine andere Lösung könnte die Anlieferung schockgekühlten Menus sein. «Die Rückmeldungen aus der Stadt Zürich, die sich für diese Alternative entschieden hat, sind positiv.» Das Essen sehe schöner aus und beinhalte wohl auch mehr Vitamine. Anschaffen müsste man dafür aber sogenannte Regeneriergeräte zum Aufwärmen der Speisen. Die Ausschreibung werde warme und kalte Angebote berücksichtigen, sagt Forster.

Zwei Gemüsesorten pro Tag

Das Thema beschäftigt auch die Politik. Eine Interpellation aus dem Gemeinderat stellt dem Stadtrat unter anderem die Frage, ob dieser Ernährungs- und Qualitätsrichtlinien für die Mahlzeiten erlassen werde. Dies sei ihrer Ansicht nach nicht nötig, sagt Forster. Denn in der Ausschreibung wird detailliert ausgeführt, welche Anforderungen die gelieferten Lebensmittel erfüllen müssen. Anhand dieser Kriterien werden die Kandidaten bewertet.

So verlangt der Menuplan mindestens drei Komponenten und zwei Gemüsesorten pro Tag. Konservierungsstoffe sind dabei tabu. Alle Zutaten sollten möglichst regional, saisonal, tiergerecht und ökologisch vertretbar sein. Ebenfalls zu den Kriterien gehören das Bestellwesen, der Service und der Preis. Wer schlussendlich den Zuschlag erhält, entscheidet der Stadtrat. (Der Landbote)

Erstellt: 11.09.2018, 10:32 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare