Zell

«Reich werden wir damit nicht»

35 Waldeigentümer haben vor rund drei Jahren die Holzenergie Rikon AG gegründet. Bald versorgt sie zahlreiche Gebäude in der nahen Umgebung mit Wärme.

Emil Ott, Präsident der Holzrikon AG, präsentiert den neuen Wärmeverbund im Zeller Ortsteil Rikon.

Emil Ott, Präsident der Holzrikon AG, präsentiert den neuen Wärmeverbund im Zeller Ortsteil Rikon. Bild: Madeleine Schoder

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«Die haben einen gesucht, der die Arbeit macht», sagt Emil Ott und lacht. Eigentlich initiierten drei andere die Idee eines Wärmeverbundes in Rikon. Doch waren sie dankbar, dass der Langenharder sich vor rund drei Jahren bereit erklärte, sich als Präsident zur Verfügung zu stellen und damit die Fäden in die Hand zu nehmen. Idyllisch zwischen Töss und Waldrand am Rande Rikons eingebettet liegt die Anlage des neuen Wärmeverbundes. Viel Arbeit, zahlreiche Gespräche, Verhandlungen und 3,6 Millionen Franken waren notwendig, um das Projekt zu realisieren. Der Zeitpunkt war günstig. Die Gemeinde suchte für das Altersheim Spiegelacker, die Gemeindeverwaltung und die Schulanlage einen neuen Wärmelieferanten. Der Kessel der alten Schnitzelheizung hätte sowieso ausgewechselt werden müssen.

Da liegt eine Schnitzelheizung, versorgt mit lokalem Holz, auf der Hand. Denn rund 500 Hektaren Wald bedecken die Gemeindefläche. Davon gehören 40 Hektaren der Gemeinde und der Rest Privatwaldeigentümern. So gründeten 35 Waldeigentümer die Holzenergie Rikon AG. Später kamen vier weitere hinzu.

Anlage noch nicht ausgelastet

Drei Leitungen führen vom Gebäude weg. Sie versorgen insgesamt 32 Mehrfamilienhäuser, 24 Einfamilienhäuser, zwei Kindergärten, drei Schulhäuser, eine alte Spinnerei, die Gemeindeverwaltung, das Altersheim und die Firma KuhnRikon mit Wärme.

Aufgrund des geringen Gefälles ist auch die zum Teil längere Distanz zu den Endverbrauchern kein Problem. «Bei der alten Anlage mussten die Traktoren quer durch das Dorf karren, hier stört sich niemand daran», sagt Ott. Die beiden Heizkessel leisten zusammen 3200 Kilowatt. Davon werden derzeit lediglich 2600 gebraucht. 600 Kilowatt stünden noch für Abnehmer bereit. Damit könnte man laut Ott eine Fabrik oder rund 60 Einfamilienhäuser mit Warmwasser versorgen.

In der Gemeinde verwurzelt

Selbstverständlich wolle man Gewinn machen, doch werde dieses Geld zum Abbau der Schulden und zur Reinvestition gebraucht, sagt Ott weiter. Die Motivation hinter dem Projekt sei gewesen, die Wertschöpfung möglichst in der Region zu behalten. «Wir wollten das Potenzial der umliegenden Wälder nutzen und damit auf vorhandene Ressourcen in der Region setzen.» Wohl deshalb ist ein grosser Teil der Arbeit ehrenamtlich. Die offizielle Adresse der Firma ist denn auch gleichzeitig das private Zuhause von Ott. «Reich werden wir damit nicht.»

Widerstand aus der Bevölkerung gab es kaum. Einzig eine Klage sei ihm zu Ohren gekommen. Jemand hatte sich beschwert, dass die Anlage an heissen Sommertagen in Betrieb sei. «Warmes Wasser wollen die Leute aber auch im Hochsommer», meint Emil Ott augenzwinkernd.

Tag der offenen Tür

Am 7. Oktober (von 10 bis 16 Uhr) öffnet die Anlage ihre Tore für Interessierte. Bei Wurst, Brot und Trank kann man sich selber ein Bild machen. Zufällig gleichzeitig finden dann auch Feierlichkeiten eines Energieabnehmers des Wärmeverbundes statt: das Altersheim Spiegelacker präsentiert sich nach der Renovation in neuem Glanz. Claudio Gloor (Der Landbote)

Erstellt: 13.09.2017, 17:51 Uhr

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