Rheinau

Rheinau rechnet mit schwankendem Rhein

Dass sich der Gemeinderat von Rheinau auf einen schwankenden Rheinpegel einstellt, zeigte das Geschäft über einen neuen Bootssteg an der Gemeindeversammlung.

Im Frühjahr 2006 wurde in Rheinau getestet, wie die Flussschleife aussähe, wenn sie weniger stark gestaut wird – Kiesbänke und Felsen kamen beim Test zum Vorschein.

Im Frühjahr 2006 wurde in Rheinau getestet, wie die Flussschleife aussähe, wenn sie weniger stark gestaut wird – Kiesbänke und Felsen kamen beim Test zum Vorschein. Bild: Archiv / Andreas Wolfensberger

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Auf den ersten Blick war es eine private Angelegenheit, über die an der Rheinauer Gemeindeversammlung diskutiert wurde: Damit die rund 20 Bootsbesitzer ihren Steg an der Rheingasse weiterhin benutzen können, hat die Versammlung knapp 300 000 Franken bewilligt. Mit dem Geld soll der morsche Holzsteg durch einen neuen Steg aus Metall ersetzt werden. Die Gemeinde Rheinau schiesst den Betrag nur vor – «dem Steuerzahler entstehen keine Kosten», betonte der zuständige Gemeinderat Roland Hofstetter. Wozu also die ganze Diskussion?

Kiesbänke und Felsen

Der neue Bootssteg wird nicht mehr fix an Pfählen befestigt sein. Er wird stattdessen mit Schwimmelementen über Wasser gehalten, festgemacht an weniger Pfählen als heute. So hebt oder senkt sich der Steg, je nach Wasserstand des Rheins. Die künftige Schwimmfähigkeit der Bootsanlegestelle war es denn auch, die auf eine öffentliche Angelegenheit hinwies: die umstrittene Zukunft des Flusskraftwerks Rheinau.

Heute steht das Rheinwasser innerhalb der gut vier Kilometer langen Flussschleife praktisch still, da es seit 1957 durch zwei Hilfswehre aufgestaut wird. Doch was da gestaut wird, ist nur das Restwasser (minimal 5 Kubikmeter pro Sekunde), welches das Hauptwehr überhaupt noch durchlässt. Der grösste Teil des Rheinwassers (rund 400 Kubikmeter pro Sekunde) wird vor diesem Wehr für die Stromerzeugung abgezweigt, indem es durch unterirdische Stollen auf Turbinen geleitet wird. Dabei wird ein Gefälle von etwa zehn Metern Höhe genutzt.

Würden die zwei Hilfswehre innerhalb der Rheinschleife das bisschen Restwasser nicht oder weniger stauen, sähe der Rhein bei der Klosterinsel oder der Zollbrücke (Bild) so aus: Der Wasserspiegel läge viel tiefer, die Wasserfläche wäre viel schmäler und Kiesbänke und Felsen würden aus dem Wasser lugen.

Gesetzlicher Zwang

Eine Folge: Ein fixer Bootssteg am Ufer stünde dann am Trockenen und könnte nur aufwendig versetzt werden. Dafür würde das restliche Wasser schneller durch die Rheinschleife fliessen – die heute wie ein lang gezogener See aussieht. Das Gewässerschutzgesetz des Bundes verlangt, dass mehr Wasser durch diese Schleife fliesst. Und eigentlich müsste dies seit 2012 auch verwirklicht sein. Doch damit mehr Wasser durchfliesst, müssten die Hilfswehre eben abgesenkt oder entfernt werden.

Konkurrenzierende Interessen

Doch im Falle von Rheinau ist die Situation seit Längerem blockiert. Während Umweltschutzverbände lieber mehr fliessendes Wasser in der Rheinschleife sähen, stehen einem solchen Wunsch die Interessen des Kraftwerks sowie der Erhalt des gewohnten Landschaftsbildes gegenüber. Denn die historische Klosterinsel samt barocker Kirche etwa spiegelt sich nur deshalb so schön im Rhein, weil dieser aufgestaut ist. Felsen und Kiesbänke in der Flussschleife würden von vielen als hässlich empfunden. Doch damit diese ohne Hilfswehre verschwinden, müsste das Kraftwerk weniger Wasser abzweigen und viel mehr Restwasser durch das Hauptwehr lassen. Dies ginge aber nur auf Kosten der Stromproduktion.

Angst vor unschönem Rinnsal

Der Widerstand gegen den Bau des Flusskraftwerks war einst sehr gross – damals entstand die Gewässerschutzorganisation Rheinaubund (heute Aqua Viva). Und heute ist der Widerstand gross gegen das Ende der Flussstauung – vorwiegend aus ästhetischen Gründen. Denn die Angst vor einem unschönen Rinnsal in der Rheinschleife ist gross. Die Konzession des Kraftwerks für die Stromproduktion läuft 2036 aus. In Rheinau rechnet man damit, dass es bei der Erneuerung dieser Konzession zu Änderungen kommen wird. Konkret: Der Wasserpegel innerhalb der Rheinschleife wird tiefer sein als heute und schwanken – und dafür ist der nun bewilligte Bootssteg ausgelegt. (Der Landbote)

Erstellt: 06.12.2017, 16:57 Uhr

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