Winterthur

Romano und Zuffi sollen es wieder richten

Wenn die Fussballer des FCW heute Morgen zum Training antreten, werden sie nicht mehr von Sven Christ, sondern von Umberto Romano und Dario Zuffi empfangen.

Sie springen wie schon im November 2015 in die Bresche: Die Nachwuchstrainer Umberto Romano (rechts) und Dario Zuffi.

Sie springen wie schon im November 2015 in die Bresche: Die Nachwuchstrainer Umberto Romano (rechts) und Dario Zuffi. Bild: Heinz Diener

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Sven Christ hat die Spieler, die ihn zuletzt mit enttäuschenden Leistungen (auch) im Stich liessen, gestern noch zweimal angeleitet. Er habe, sagt er, «schon gehofft, mit dem Match gegen Wohlen nochmals eine Chance zu be-kommen». Zunehmend gehofft hat er dies, weil der Verein ja nicht reagiert hatte aufs 1:4 gegen Servette, aufs zweite bedenkliche Debakel nach dem 1:4 in Chiasso. Wollte man gegen ihn entscheiden, dachte sich Christ also, hätte man das doch bis Sonntag tun können, wenn nicht müssen.Aber als er das sagte, war Christ, nach dem Nachmittagstraining, eben doch nicht mehr FCW-Trainer. Gezogen war, wie sich Vizepräsident Mike Keller ausdrückte, «die Reissleine». Ein «Grund für die Verzögerungen waren auch Abwesenheiten», sagt Keller – und «und einen Hüftschuss am Samstagabend sollte es nicht geben». Dass er, Keller, länger an Christ festhielt als andere, dass auch dies zur reichlich mühsamen, ja unwürdigen Hängepartie beitrug, ist festzustellen. So entstand der Eindruck eines allzu zögerlichen, intern schlecht kommunizierenden Vereins.

«Kein Spiel mehr gebraucht»

Gestern Abend sagte der Vizepräsident nun, wohl in erster Linie über sich selbst, «dass in diesen Tagen die Entscheidung gereift ist. Das Spiel gegen Servette hat nochmals gezeigt, in welchem Zustand die Mannschaft ist.» Also habe es «kein weiteres Spiel mehr gebraucht», um zum Schluss zu kommen, eben zu ziehen, was er «Reissleine» nannte. Christ hat sich, kaum war er informiert, noch von der Mannschaft verabschiedet. Er konnte nach 13 Monaten im Amt nicht mehr ankommen gegen die enttäuschenden Resultate, gegen den insgesamt ungenügenden Leistungsausweis. Das weiss er selbst.

Die wichtigsten Fakten seien nochmals aufgeführt: mässige 21 Punkte aus 17 Spielen im Frühjahr, nur noch bedenkliche 18 Punkte aus 20 Spielen im Herbst 2016 und im Februar 2017; diebedenkliche Entwicklung hin zu nur noch vier Pünktchen aus elf sieglosen Spielen seit Ende September – mit den kapitalen Böcken zum Schluss. Mit zwei 1:4-Debakeln statt des Aufbruchs Richtung Mittelfeld. Noch vor dem Spiel in Chiasso hatte Christ gesagt: «Der Trainer hat die Mannschaft im Griff.» Aber eben diese Mannschaft hat ihm dann nicht geholfen, nicht in Chiasso, schon gar nicht gegen Servette. Sie liess ihn im Stich.

Der FCW sieht sich also gezwungen, nur gut ein Jahr nach der letzten die nächste Trainerentlassung vorzunehmen. Das ist keine Referenz, auch die Wahl Christs als Nachfolger Jürgen Seebergers war offensichtlich nicht gut. Seeberger hatte Ende November 2015 mit 19 Punkten aus 16 Spielen gehen müssen, auf Platz 9, wie ihn Christ jetzt wieder belegt. Für Seeberger kamen die Nachwuchstrainer Umberto Romano und Dario Zuffi, um den Knoten zu lösen, ehe die Zukunft dem Neuen überlassen werden sollte. Mit einem 3:1 in Chiasso und einem 1:0 gegen Biel lösten die beiden ihre Aufgabe, Christ übernahm einen Tabellendritten.

Keine Sekunde des Zweifels

Jetzt stehen Romano und, als erster Partner, Zuffi wieder bereit. Er habe, sagt Romano, «zugesagt, ohne eine Sekunde zu zweifeln». Es sei von ihnen mit dem Verein «auch noch kein Wort über Vertrag oder Geld» gesprochen worden. «So ist es», bestätigt Keller. Die Ausgangslage ist in zweierlei Beziehung allerdings ganz anders als im Spätherbst 2015: Damals galt der klare Auftrag für zwei Spiele und es war, wie Romano heute sagt, «die Lage noch nicht ernst, aber sie hätte ernst werden können». Diesmal aber ist sie «ernst – und dessen muss sich auch jeder Spieler bewusst sein».

Ganz anders ist, zum Zweiten, aber die persönliche Situation des Duos Romano/Zuffi. Diesmal sollen sie nicht eine kurzfristige Übergangslösung in sich abzeichnender Not sein, sondern dauerhafte Lösung in ziemlich akuter Not. Romano (44), bis 2009 langjähriger FCW-Spieler und Captain, ist seit anderthalb Jahren U18-Trainer auf der Schützi – aber mit dem erklärten Ziel, Trainer in der Challenge oder Super League zu werden. Dazu befindet er sich auch in der Ausbildung. So ist er aufgenommen in den neuesten Lehrgang zur Uefa-Pro-Lizenz.

Der FCW muss nun beim Verband noch abklären, ob er in dieser Position schon sofort oder erst ab kommendem Sommer auf Dauer einen Challenge-League-Klub übernehmen darf, allenfalls mit einer Spezialbewilligung bis dahin. Romano sagt zu seiner persönlichen Zielsetzung: «Ich will möglichst viele Spiele machen.» Er will also die erste Chance nutzen – mit einem älteren Partner, dem 52-jährigen Zuffi. Der ist das Winterthurer Fussball-Denkmal, der viele Jahre als U21-Trainer des FCW und zwischendurch als Assistent Boro Kuzmanovics mitbringt. Der aber seine Ausbildung absichtlich nie so weit trieb, dass er in Versuchung hätte kommen können, ein Team der Football League als Nummer 1 zu führen ...

Winterthurer allenthalben ...

Romano und Zuffi sind also «eigene Lösungen», was Keller mit Stolz erfüllt. «Wir sind dankbar, uns in dieser Krisensituation auf eine Winterthurer Crew abstützen zu können.» Das gehe ja übers «Eins» hinaus mit den aus dem Nachwuchs aufgerückten Romano und Zuffi. Denn die U21 wird nun, «mit Unterstützung Zuffis», wie es heisst, von Savvas Exouzidis geführt. Der Deutsch-Grieche, im glorreichen Jahr 2012 als Abwehrchef noch eine Führungsfigur, wie sie der FCW zumal nach dem Rücktritt Stefan Itens nicht mehr annähernd hat, war im Winter verpflichtet worden – vor allem als Spieler, der im Abstiegskampf der 1. Liga helfen soll. Die U18 übernimmt fürRomano Vittorio Caruso, bisher Christs Assistent, in seiner Vergangenheit nicht nur beim FCW, sondern auch bei mehreren Grossklubs in der Nachwuchsarbeit tätig. Goalietrainer bleibt, natürlich, Paolo Cesari. Eine «Winterthurer Crew» – das ist schön. Aber Winterthurer allein zu sein, reicht natürlich nicht.

Sie gingen, sagt Romano noch, «völlig vorbehaltlos gegenüber jedem Spieler» an ihre Aufgabe heran. Dass die Mannschaft besser ist, als sie zuletzt beispielsweise gegen Servette spielte – davon geht auch Romano aus. Seine Aufgabe beginnt das neue Duo heute Morgen, nachmittags ist frei, das eigentlich vorgesehene Testspiel gegen die U21 der Grasshoppers findet nicht statt. Und ab Montag, sagt Romano, «zählt auch für uns der Totomat». Will heissen: Auch die Neuen müssen punkten, um auf Dauer zu reüssieren.

Noch ist ihre Weste unbefleckt, noch stehen – vor dem nächsten Abstiegskampf gegen Wohlen am Montag auf der Schützi – nur die Siege in Chiasso und gegen Biel in ihrem (Challenge-League-)Palmarès. Doch diesmal wird die Aufgabe der beiden nicht nur dauerhafter, sondern auch schwieriger. (Der Landbote)

Erstellt: 14.02.2017, 23:05 Uhr

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