Glosse

Schöne Region kommt zu kurz

Diese Fachwerkhäuser in Andelfingen haben es auf ein Deckeli geschafft.

Diese Fachwerkhäuser in Andelfingen haben es auf ein Deckeli geschafft. Bild: Roland Gerth

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Ein Brunnen, ein Berg, ein Bauernhaus. Oder in der neusten Serie eine Ka­pelle: Das alles findet sich als Motiv auf den Kafirahmdeckeli. Wer hierzulande liebt ihn nicht, den Kafi creme mit Gipfeli? Und das Deckelibild mit stets blauem Himmel gehört einfach zum Aufsteller am Morgen.

Die Kaffeerahmportionen mit Sujets sind ein Produkt der Emmi AG in Luzern. «Wir stellen dieses Sujet nur noch für die Sammler her. Die bedruckten Deckel bringen uns einen Mehraufwand», sagt Sybille Umiker, Mediensprecherin beim Luzerner Milchverarbeiter. Aber nicht alle Sammler sind dankbar für Emmis Gabe. In Winterthur und der Region Winterthur gibt es Frust: Stadt und Land kommen bei den Motiven zu kurz.

Zum zentralen Verbreitungsgebiet des «Landboten» gehören die Bezirke Winterthur, Andelfingen und der Winterthur zugewandte Teil des Bezirks Pfäffikon. Diese Region hat 228 000 Einwohner. Bei einer Schweizer Bevölkerung von über acht Millionen müssten also gerechterweise 2,5 Prozent aller Sujets aus der Region Winterthur stammen.

Umiker stellte dem «Landboten» 14 Serien aus den letzten Jahren mit Sujets vor. Beispiele sind «Brunnen», «Winter», «Blumenwiesen». Zusammen sind es 341 Deckelibilder. Davon hätten Winterthur und Region rechnerisch Anspruch auf 8,5 Sujets.

Doch in Wirklichkeit zeigen nur vier Deckeli ein Bild aus der Region. Eines dieser Motive ist der Rheinfall, um den man ohnehin nicht herumkommt, und den die Region erst noch mit Schaffhausen teilen muss. So gesehen sind es sogar nur 3,5 Sujets. Die schöne Region Winterthur ist also mehr als um den Faktor zwei untervertreten. Das schreit zum Himmel. Aber es kommt noch dicker: In der Serie «Kunst Schweizer Städte» gibt es 40 Bilder. Und Winterthur kommt nicht vor. Die Nummer sechs des Landes wird als Aschenbrödel der Schweizer Städte behandelt. Das geht gar nicht.

Doch es gibt Gründe für diese Diskriminierung: Die Region ist einfach vom Pech verfolgt. Einige Sujets sind haarscharf am Weinland vorbeigeschrammt. In der Serie «Schilder» kommt die Region Winterthur nicht vor, dafür Stein am Rhein und Diessenhofen gleich je zweimal. Am besten zählt man diese kleinen Städtchen grosszügig zum Einzugsgebiet der Eulachstadt, und schon ist die Gerechtigkeit wieder hergestellt.

Manche Serien verlangen Bilder aus den Alpen, zum Beispiel «Naturdenkmäler», «Wild Places» und «unterwegs» (Wanderwege). Aber warum ist denn das schöne Tösstal nicht dabei? Und warum lässt man es zu, dass in der Serie «Schlösser» der benachbarte Thurgau vier Plätze einheimst und die Region Winterthur leer ausgeht? Umiker gibt bereitwillig Auskunft. Die Emmi legt jedes Jahr im September die Sujets für ein Jahr fest. Dabei gibt es vier Kriterien: Swissness; sammelwürdig; passt zu Emmi; ist nicht werberisch. Der Milchverarbeiter bebildert jährlich vier Serien von je 40 Millionen Portionen. Umiker sagt: «Die Ideen für Themen gehen bei Emmi von verschiedensten Seiten ein, von Sammlern, Fotografen, Künstlern, Vereinen und natürlich von Mitarbeitenden.»

Anders gesagt, es liegt auch an der Region selbst, welche Motive auf den Kafirahmdeckeli abgebildet werden.

Karin Landolt, Mediensprecherin der Standortförderung Winterthur und Umgebung, äussert sich diplomatisch zur Sache: «Ich freue mich immer, wenn unsere schöne Region sichtbar wird.»

Erstellt: 01.05.2018, 17:02 Uhr

Sujets aus der Region

Serie Brunnen: Marthalen
Städte: Winterthur
Naturdenkmäler: Rheinfall
Schweizer Häuser: Klein­andelfingen

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