Andelfingen

Schüler erklären Eltern «ihr» iPad

Bereits den dritten Jahrgang rüstet die Sekundarschule Andelfingen mit iPads aus. Die Jugendlichen erklärten den Eltern am Montag das Gerät.

<b>Vertauschte Rollen:</b> Sekundarschülerin Bettina Frauenfelder zeigt Marlies Buchs, wie man am iPad eine Präsentation erstellen kann.

Vertauschte Rollen: Sekundarschülerin Bettina Frauenfelder zeigt Marlies Buchs, wie man am iPad eine Präsentation erstellen kann. Bild: Donato Caspari

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Der 13-jährige Loris Müller aus Henggart umfasst mit der linken Hand sein rechtes Handgelenk. Seine Arme kleben am Rücken, nicht auf dem Touchscreen des iPads. Geduldig erklärt der frischgebackene Sekundarschüler, wie man mit dem App «Pages» Texte überarbeitet. Seit zwei Wochen ist er im Besitz eines Schul-iPads (siehe Infobox). Er darf nur mit Worten eingreifen. Manchmal zucken seine Finger leicht. Dann hält er sie aber wieder zurück.

Ist es anstrengend, beim Erklären die Finger still zu halten? «Das geht schon», sagt Loris und ergänzt in pädagogischer Manier: «Sonst lernen sie ja nichts.»

«Wo bringt das iPad was?»

Sie, das sind in diesem Fall Urs Tobler und Barbara Schaub. Sie verfassen gerade einen Steckbrief über sich selber. Als Tobler ein Selfie schiessen will, dreht er das Tablet um und will die Rückenkamera auf sich richten. iPhone-Besitzer Loris sagt: «Das iPad besitzt eine Frontkamera, Sie müssen es nicht umdrehen.»

Bereits vor einem Jahr sassen Schaub und Tobler in der Schülerposition am Pult. Eine ihrer Töchter ist bereits in der zweiten Sekundarschule. «Wir haben positive Erfahrungen mit dem iPad gemacht», sagt Schaub. Aufträge oder Informationen zu später Stunde habe es kaum gegeben.

Das Ziel dieser Infoveranstaltung, an der rund 40 Eltern teilnehmen, scheint klar. Hemmungen gegenüber dem Gerät sollen durch den Kontakt abgebaut und der Nutzen des Tablets im Unterricht aufgezeigt werden. Thomas Staub, ICT-Verantwortlicher, sagt denn auch: «Es geht nicht darum, den Jugendlichen irgendwelche Spielzeuge, sondern Werkzeuge zu verteilen.» Dabei müsse man sich auch immer fragen, wo das digitale Gerät etwas bringe und wo es lediglich ablenke.

Sinnvoll sei etwa das App Quizlet, wo man ähnlich wie in einem Karteikartensystem Wörter auswendig lernen könne. «Der Vorteil zu den klassischen Kärtchen: Die korrekte Aussprache ertönt und es erscheinen Bilder zu den Wörtern», sagt Staub. Ausserdem würden die Schülerinnen und Schüler durch das «Game-ähnliche Setting» zusätzlich motiviert.

Lern-Metamorphose

Mutter Sonja Baumgartner testet diese Anwendung wenige Augenblicke später. «Der Ehemann» steht geschrieben. Ohne lange zu zögern, tippt sie «le mari» ein. «Und jetzt?», fragt sie. Schülerin Jasmin Tobler zeigt auf die «Fertig»-Taste und sagt: «Jetzt müssen Sie da drauf drücken.» Ein «Richtig» in grüner Farbe leuchtet auf. Baumgartner strahlt.

An der Tischinsel nebenan versucht die 46-jährige Marlies Buchs eine Präsentation mit dem App «Keynote» zu erstellen. «Ich habe so etwas noch nie gemacht», sagt sie. Doch die 34 Jahre jüngere Bettina Frauenfelder ist zur Stelle. Die Schülerin instruiert Buchs. Am Ende gelingt ihre Präsentation mit dem fast schon symbolischen Titel: «Metamorphose, von der Raupe zum Schmetterling».

Im Raum nebenan erläutert Zana Ali aus Syrien, wie man mit dem Tablet Geräusche aufnimmt. Sein Klassenlehrer Dominique Druey sagt nicht ohne Erstaunen: «Er kam erst vor einem Jahr zu uns und nun erklärt er bereits Apps.» Wo die Sprache zur Erläuterung fehlt, helfen zur Not Finger auf dem Touchscreen.

Als der einstündige Workshop vorbei ist, wollen nicht alle Eltern sofort zurück. Die Jugendlichen mimen den «Besenwagen». Bei der abschliessenden Fragerunde betont Staub, dass man jederzeit mit den Verantwortlichen Kontakt aufnehmen könne. «Schule ist nie perfekt, Lernen ist nie perfekt», sagt Staub. Wichtig sei es deshalb, das Projekt gemeinsam voranzutreiben. Dafür brauche es von der Schule und den Eltern Transparenz und Offenheit.

Erstellt: 08.11.2016, 17:16 Uhr

iPads an der Sekundarschule Andelfingen

2012 startete die Sekundarschule Andelfingen ein Pilotprojekt mit iPads. Damals wurde ein Klassensatz Tablets quartalsweise von Klasse zu Klasse weitergereicht. Ein Jahr später wurde der gesamte neue Jahrgang mit den portablen Geräten ausgerüstet. Dies geschieht seither jedes Jahr.
Die Schülerinnen und Schüler erhalten das iPad jeweils nach den Herbstferien, zuerst sollen sich die Erstklässler an der neuen Schule eingewöhnen.
Die Tablets bleiben in den ersten beiden Wochen nach den Herbstferien im Schulhaus. In dieser Zeit werden die Geräte eingerichtet und die neuen Lern-Apps erläutert. Erstmals werden die iPads dann von den Eltern nach dem Informationsabend anfangs November mit nach Hause genommen. Die Schule lanciert nach den ersten Monaten eine anonyme Umfrage, die nach dem Befinden der Eltern und Jugendlichen fragt.
Neben Projektleiter Thomas Staub ist auch Sekundarlehrer Andreas Brugger stark in den Unterricht mit den iPads eingebunden. So hat er etwa zusätzlich einen sogenannten Greenscreen angeschafft. Dadurch können bei Filmaufnahmen beliebige Hintergründe nachträglich eingefügt werden. Auf dem schuleigenen iPad-Blog gewähren die Schülerinnen und Schüler regelmässig Einblicke in ihr weiteres Schaffen.

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