Endlager

Schulweg und Endlager sollen sicher sein

Die Nagra plant bei Marthalen eine Bohrung neben einem Schulweg. Zurzeit werden Massnahmen diskutiert, um den Weg sicher zu machen – vielleicht mit einer Ausweichroute.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In gut einem Jahr entscheidet der Bundesrat, ob das Weinland weiterhin für den Bau des Endlagers infrage kommt. Wenn ja – und damit ist zu rechnen – beginnt die Nagra ab 2019, die Gesteinsschichten mit Bohrungen noch genauer zu untersuchen. Dabei bohrt sie an acht Orten bis zu 2000 Meter in die Tiefe.

Die Atomaufsichtsbehörde Ensi hat diese Bohrungen als geeignet beurteilt («Landbote» vom Mittwoch). So lieferten die Bohrungen wichtige Daten zur Beurteilung der Sicherheit des Endlagers in rund 600 Metern Tiefe, «ohne die Umwelt zu beeinträchtigen».

«Nicht akzeptabel»

Gegen die acht Gesuche für die Bohrplätze der Nagra wurden beim Bund 97 Einsprachen eingereicht. Über den Stand der Bearbeitung dieser Einsprachen will das Bundesamt für Energie (BFE) keine Auskunft geben, «da es sich um ein laufendes Verfahren handelt», wie BFE-Sprecherin Marianne Zünd schreibt.

Von den knapp 100 Einsprachen entfallen allein 24 auf den geplanten Bohrplatz bei Marthalen. Der Hauptgrund: Der Platz läge direkt neben dem Schulweg, den die Rheinauer Oberstufenschüler nach Marthalen und zurück benützen. Und die Lastwagen (LKW) für den Bau und Betrieb des Platzes würden auch auf dieser Strasse fahren. Der Rheinauer Gemeinderat findet eine solche Verkehrsführung «nicht akzeptabel», wie er in seiner Einsprache vom April 2017 schrieb. Der Schulweg auf der Radhofstrasse/Radstrass sei in den 1970er-Jahren als verbindlich erklärt worden, «nachdem ein Sekundarschüler auf einer anderen Route tödlich verunglückt ist». Die Radhofstrasse/Radstrass, die eng und unübersichtlich sei, werde auch von anderen Velofahrern häufig genutzt – als verkehrsarme Alternativroute zur Hauptstrasse Marthalen-Rheinau. Der Gemeinderat habe sich gegen die Zufahrt zum Bohrplatz Marthalen via Rheinau gewehrt, sagte Gemeindepräsident Andreas Jenni gestern auf Anfrage. «Es ist ein unnötiger Umweg und die Verkehrssicherheit ist gefährdet.» In ihrem Gesuch hat die Nagra diese Route gewählt, damit die LKW ab dem Autobahnanschluss Benken das Dorf Marthalen nördlich umfahren. Die Nagra verschweigt in ihrem Gesuch nicht, dass die Radhofstrasse/Radstrass auch als Schulweg dient. Zudem schreibt sie, dass die Regelungen für die definitive Verkehrserschliessung mit den Gemeinden abgesprochen und die Bedürfnisse der Sek-Schulpflege berücksichtigt würden.

«Es ist ein unnötiger Umweg und die Verkehrssicherheit ist gefährdet.»Andreas Jenni, Gemeindepräsident Rheinau

Die Nagra ist derzeit tatsächlich im Gespräch mit den Behörden, wie Marthalens Gemeindeschreiber Beat Metzger mitteilt. So werde zum Beispiel auf der besagten Strasse Tempo 30 diskutiert. Oder die Einführung von Sperrzeiten, in denen keine LKW zum Bohrplatz fahren dürfen, wobei die Schulblockzeiten und Ferien beachtet werden. Auch ein Bustransport der Schüler, eventuell mit Zusatzkursen, steht laut Metzger zur Debatte, ebenso der Bau eines Radwegstreifens auf einem Abschnitt des Weges. Doch der wichtigste diskutierte Punkt ist eine andere LKW-Route. Heute ist geplant, dass nur Kleintransporter und Personenwagen über die Chinzenstrass zum Bohrplatz fahren dürften. Die nun diskutierte Idee sähe vor, dass auch LKW diese Route nehmen dürften. In dem Fall würden die Lastwagen den Autobahnanschluss Trüllikon benützen und Marthalen südlich umfahren – dabei aber mitten durch das Dorf Oerlingen fahren.

50 LKW-Fahrten pro Woche

Die Nagra rechnet mit durchschnittlich 50 LKW-Fahrten pro Woche, wobei der Bohrplatz bis zu fünf Jahren bestehen bleibt. Rund 5 Prozent dieser Fahrten fänden sonntags oder in der Nacht statt, da der Bohrbetrieb rund um die Uhr laufen würde. Der Bohrplatz wäre knapp 5600 Quadratmeter gross, der Bohrturm würde bis 30 Meter in die Höhe ragen. Nach den Bohrungen wird der Platz rekultiviert, wobei ein sogenannter Bohrkeller für 45 Jahre bestehen bleibt, auf Gesuch bis 100 Jahre. In dieser Zeit werden im Keller weitere Messungen in den offen gehaltenen Bohrlöchern vorgenommen. Im Nagra-Bohrloch von 1999 erheben noch heute Sensoren Messdaten wie zum Beispiel über die Wasserdurchlässigkeit in den Gesteinsschichten. Je geringer diese Durchlässigkeit ist, desto besser ist das für die Dichtigkeit des künftigen Endlagers.

(Der Landbote)

Erstellt: 09.11.2017, 18:03 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare