Schulpflegen

Sechs Kandidierende für vier Präsidien

In rund einem Monat werden in Winterthur die Schulpflegen neu gewählt. Sechs Kandidierende möchten eines der vier Präsidien übernehmen. Der «Landbote» stellt alle Anwärterinnen und Anwärter für das Amt vor.

«Es wird am falschen Ort gespart»

Oberwinterthur: Christoph Baumann evaluierte bisher Schulen. Nun möchte er als Schulpflegepräsident stärker operativ tätig werden.

Schule begeistere ihn, sagt Christoph Baumann (SP, 55): «Sie ist der Anfang der Gesellschaft. Man befähigt Kinder für ein zukünftiges Leben. Das finde ich spannend.» Die Aufgabe des Kreisschulpflegepräsidenten sieht er für sich als eine natürliche Weiterenwicklung. «Ich war schon in verscheidenen Bereichen der Schule tätig; als Lehrer, Schulpfleger und in der Qualitätsentwicklung. Jetzt würde ich gerne in der Umsetzung arbeiten.» Baumann ist Vater von vier Kindern und schon lange politisch aktiv. Seit 2007 sitzt er für die SP im Gemeinderat, bis vor kurzem war er Co-Präsident der Partei.

Befragt nach seiner Vision für das Amt als Schulpflegepräsident, sagt Baumann, er wünsche sich eine Behörde, in der jeder seine Stärken einbringen könne. Zudem brauche es gestärke Schulleitungen und eine gute Zusammenarbeit von Schulteam, Behörden, Schulleitungen und Eltern.

Reorganisation nötig

Als drängendste Probleme im Schulbereich sieht er die hohe Arbeitsbelastung der Schulleitenden sowie die Schulbehörden-Organisation. «Wir brauchen gute Prozesse auf gesamtstädtischer Ebene, es macht keinen Sinn, dass jeder Kreis selber etwas entwickelt.» Deshalb sei eine Reorganisation nötig, möglichst in den nächsten vier Jahren.

«Wir brauchen gute Prozesse auf gesamtstädtischer Ebene, es macht keinen Sinn, dass jeder Kreis selber etwas entwickelt.»

Eine zielgerichtete Arbeit sei erschwert, weil die Kompetenzen zwischen Zentral- und Kreisschulpflege sowie der Politik unklar sind. Damit, dass eine Reorganisation seinen künftigen Job gefährden könnte, kann er gut leben. «Ich habe genügend Erfahrung und würde wohl wieder eine Aufgabe finden.»

Baumann sagt, Winterthur habe als Arbeitsort für Lehrpersonen und Schulleitende einen schlechten Ruf: «Es heisst oft , die Arbeitesbedinungen seien in andern Gemeinden besser.» Berichtet wird etwa, Lehrpersonen würden anderswo problemloser mit den nötigen Ressourcen, Material oder Krediten für Klassenlager und Ausflüge unterstützt. Baumann glaubt, dass das Geld in Winterthur teilweise falsch eingesetzt wird. «Wir haben eine sehr hohe Sonderschulquote.

Es kann einfach nicht sein, das so viele Kinder ausserhalb der Normalität sind.» Hier müsse man ansetzen und sorgfältig neue Wege für das gescheiterte Projekt Sirma erarbeiten.

Für den Kreis Oberwinterthur hat Baumann sich entschieden, weil er einst hier unterrichtet hat. «Die Bevölkerung ist gut durchmischt und wächst stark. Entsprechend sorgfältig muss die Schulraumplanung erfolgen.»

«Ich wäre auch als Präsident ein Teamplayer»

Seen-Mattenbach: Beat Meier ist ein erfahrener Schulpfleger. Nun möchte er Präsident werden. Allerdings nicht in seinem bisherigen Kreis Töss-Altstadt.

Seit rund elf Jahren sitzt FDP-Mitglied Beat Meier (51) in der Schulpflege, acht Jahre davon als Vizepräsident. Im Beruf ist er als Personabereichsleiter tätig. Er sieht sich deshalb für das Amt des Kreisschulpflegepräsidenten gut gerüstet: «Ich habe sowohl breite Erfahrung im Schulbereich als auch in der Personalführung.»

In den letzten vier Jahren arbeitete Meier unter dem umstrittenen Präsidenten Felix Müller im Kreis Töss-Altstadt. Weil er mit vielem nicht einverstanden war, lancierte er sich früh als Gegenkandidat zu Müller. «Ich wollte verhindern, dass er das Amt weiter inne hat.»

«Es bringt nichts, wenn die guten Leute abspringen und man teuer neue einarbeiten muss.»

Als feststand, dass SP-Nationalrätin Chantal Galladé ebenfalls in diesem Kreis antreten will, schwenkte Meier auf den Schulkreis Seen-Mattenbach um. «Hier bin ich aufgewachsen, deshalb liegt mir dieser Kreis nah. Zudem wollte ich in Stadt-Töss Raum geben für etwas Neues», begründet er den Schritt.

Als Präsident möchte Meier sich für eine offene Kommunikation einsetzen und die Kreisschulpflegemitglieder so gut wie möglich einbinden. «Ich habe erlebt, dass der Präsident praktisch alle wichtigen Geschäfte alleine abgewickelt hat. Ich würde mir wünschen, dass die Aufgaben im Gremium breiter verteilt werden.» Seinen Führungsstil bezeichnet er als partizipativ.

Nicht sparen bei Schulleitern

Zudem will er Lehrpersonen und Schulleitungen stärken. Für ihn ist klar, dass bei den Schulleitenden nicht weiter gespart werden darf. «Sie brauchen Unterstützung und Entlastung. Eine Möglichkeit wäre ein Sekretariat, ebenso wie mehr Stellenprozente. Es bringt nichts, wenn die guten Leute abspringen und man teuer neue einarbeiten muss.»

Trotzdem glaubt Meier, dass es bei der Schule noch Sparpotenzial gibt: «Der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Lehrerschaft, Schulleitung, Kreisschulpflege und Zentralschulpflege könnte optmimiert werden.» Diskutiert wird derzeit eine Schulbehörden-Reorganisation. Die Präsidenten der Kreisschulpflegen hätten zu viel Macht, wird kritisiert.

Diese Ansicht teilt Meier nicht: «Man darf nicht wegen Felix Müller die ganze Organisation in Frage stellen. Das heutige Modell ist grundsätzlich eine ausgewogene Lösung. Allerdings könnten Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung noch situationsgerechter definiert werden.»

Die Rolle der Eltern in der Schule erachtet Meier, selber Vater zweier Kinder, als wichtig. «Ich vertrete den Standpunkt, dass Eltern bei Schwierigkeiten von Beginn weg einbezogen werden sollten. Das ist im Brühlberg nicht geschehen, und aus diesem Grund kam es zur Eskalation.»

Meiers wichtigstes Anliegen ist es jedoch, für alle Schülerinnen und Schüler eine optimale Anschlusslösung nach der Sekundarschule zu finden: «Das sind wir den Kindern schuldig.»

«Ich sehe das Schulfeld als Netz»

Seen-Mattenbach: Martha Jakob ist Schulleiterin. Nun möchte sie ins Schulpflege-Präsidium wechseln, um mehr bewegen zu können.

Mit einer anderen Perspektive auf die Schule zu schauen, das reizt Martha Jakob (GLP, 54) am Amt der Schulpflegepräsidentin. In der Schule arbeitet sie schon lange. Rund 20 Jahre war sie in Winterthur als Primarlehrerin tätig. Seit 2013 ist sie Schulleiterin, aktuell in Andelfingen.

Zudem absolviert sie einen Masterlehrgang in Bildungsmanagement. «Ich kenne die Schule von innen und weiss deshalb genau, wo es Bedarf gibt. Und als Präsidentin hätte ich einen direkten Draht zu den kantonalen Entscheidungsträgern. Diesen würde ich gezielt nutzen.»

«Ich kenne die Schule von innen und weiss deshalb genau, wo es Bedarf gibt.»

Was sie nicht anstrebe, sei Macht. «Ich sehe das Schulfeld als Netz und nicht als Pyramide. Einer allein kann gar nicht alles stemmen.» Bei ihrer jetzigen Stelle in Andelfingen erlebe sie das. «Die Zusammenarbeit von Behörden und Schulleitung funktioniert super, wir haben dieselben Ziele, begegnen uns wertschätzend und auf Augenhöhe.»

In dieses Netz einbeziehen möchte die zweifache Mutter auch die Eltern: «Da habe ich überhaupt keine Berührungsängste, sehe auch keine Grenzen. Im Gegenteil. Eltern sind der wichtigste Partner der Schule.»

Zuerst wieder durchatmen

Martha Jakob ist erst seit kurzem Mitglied der GLP, vorher war sie nicht politisch aktiv. «Ich kenne Annetta Steiner und sie hat mich angesprochen.» Die GLP gilt als Sparpartei, kann sie dahinterstehen? Sie scheue sich nicht, über Finanzen zu reden, «aber gerade in den Schulen in Winterthur darf man erst sparen, wenn man wieder durchatmen kann».

Grundsätzlich sehe sie schon Sparpotenzial, jedoch nicht beim Kind. «Das Controlling in der Schule nimmt teils absurde Formen an. Ein Beispiel: Die Schulen müssen alle Stundenpläne jeder einzelnen Lehrperson dem Kanton zur Überprüfung einschicken. Diese Kontrolle braucht viel Zeit, die man besser bei den Kindern einsetzen könnte.»

Dagegen sei es für sie ein No-go, dass offenbar die Altersentlastung, neu als altersbedingte Pensenreduktion bezeichnet, in den Schulen nicht ausgeglichen werde und man den Schulleitungen kaum Möglichkeiten gebe, zusätzliche Stunden für schulhausinternen Bedarf zu beantragen.

Einer Behördenreorganisation steht Jakob offen gegenüber. Allerdings dürfe man nicht einfach die Hierarchiepyramide verschieben. «Man sollte so umstrukturieren, dass alle Betei­ligten besser vernetzt sind und miteinander Lösungen finden müssen. Niemand sollte im Alleingang entscheiden.»

Für den Kreis Seen-Mattenbach kandidiert sie, weil ihr die ganz unterschiedlichen Quartiere gefallen. «Im Gutschick stellen sich andere Fragen als in den Aussenwachten.» Zudem wohnt sie selber seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Seen, wo auch ihre Söhne in die Schule gingen.

«Integration hat auch Grenzen»

Veltheim-Wülflingen René Schürmann hat keinen Gegenkandidaten und muss daher nicht um seine Wiederwahl fürchten. Er möchte das Angefangene weiterführen.

Man hörte wenig aus dem Schulkreis Veltheim-Wülflingen in den letzten vier Jahren. Und so bilanziert Präsident René Schürmann (59) seber: «Wir haben einen guten Job gemacht.» Es sei nicht so, dass man keine Probleme gehabt habe. Aber man verfüge über ein gutes Team und der Fokus sei oft auf anderen Kreisen gelegen.

Zumindest in einem Bereich konnte sich Veltheim-Wülflingen als Musterschüler zeigen: Es gelang, die Sonderschulquote tief zu halten, bei vier Prozent. Zu viele Lorbeeren will Schürmann dafür nicht einheimsen: «Da ist auch Glück dabei. Es braucht nur einen aufwendigen Fall und es kann kippen.»

«Wir haben bisher einen guten Job gemacht.»

Die Sonderschulkosten im Griff zu behalten, ist ihm ein wichtiges Anliegen. Im Kreis hat er bereits eine Steuergruppe eingesetzt, damit Massnahmen, die im Rahmen des neuen Sonderschul-Projekts Wega angedacht werden, möglichst bald umgesetzt werden können. Grundsätzlich begrüsst er es, dass die Schulleiter stärker einbezogen werden, sie seien näher am Kind.

Schwieriger Einstieg

Als Schürmann sein Amt vor vier Jahren antrat, musste er sich ohne Einarbeitung zurecht finden. Das sei happig gewesen. «Ich hörte zu Beginn vor allem viel zu.» Er habe zudem stark von den erfahrenen Präsidenten in den anderen Kreisen profitiert. «Wenn sie nicht mehr da sind, geht viel Wissen verloren. Für die Zentralschulpflege bedauere ich das», sagt Schürmann. Er werde den Neuen aber so weit möglich für Fragen zur Verfügung stehen.

Schürmann ist die Zusammenarbeit mit Eltern wichtig. Wenn er spüre, dass es Schwierigkeiten gebe, suche er jeweils frühzeitig das Gespräch. Doch es gebe Grenzen: «Bei Klasseneinteilungen etwa können Eltern nicht mitreden.»

Die Integration von Kindern mit besonderen Ansprüchen in der Schule begrüsst Schürmann, aber nicht um jeden Preis. «Sie ist schlicht nicht immer möglich. Es kam schon vor, dass Kinder in einer Klasse mit Kopfhörern arbeiten mussten, weil sie sonst zu stark abgelenkt worden wären von einem auffälligen Schüler. Das geht einfach nicht.»

Eine Schulbehörden-Reorganisation sieht Schürmann kritisch. Es gebe wohl Reorganisationbedarf in einzelnen Bereichen. «Aber die Arbeit bleibt — ebenso wie der gesetzliche Auftrag einer Schulpflege.» Zudem sei man in den Kreisen näher bei den Schulen als die Verwaltung.

«Es braucht im Amt jemanden mit Erfahrung»

Stadt-Töss Felix Müller war im vergangenen Jahr wegen der Brühlberg-Schule oft in den Schlagzeilen. Trotzdem will er im Amt bleiben — auch wegen seines Netzwerks.

Er sei noch immer motiviert und wolle deshalb weitere vier Jahre Schulpflegepräsident bleiben, sagt Felix Müller (parteilos, 61). «Ich bin gut vernetzt, und das wird in nächster Zeit wichtig sein.»

Denn wenn drei von vier Präsidenten in der Zentralschulpflege ausgetauscht würden, gehe viel Wissen verloren. Das könne fast nicht mehr kompensiert werden. Mit Blick auf seine Konkurrentin Chantal Galladé fragt er: «Was ist wichtiger, Erfahrung oder nationale Bekanntheit?»

«Ich bin gut vernetzt, und das wird in nächster Zeit wichtig sein.» 

Müller führt weiter an, es sei ihm gelungen, die Sonderschulquote stabil zu halten. Im Sirma-Bericht wird er gelobt für sein selbst entwickeltes Tool. «Das erforderte grosses Engagement. Ich habe eine Tabelle erstellt mit allen Schülern mit Sonderschul-Bedarf und jenen, bei denen Bedarf hätte entstehen können. So konnte ich schnell reagieren.»

Müller bezweifelt, dass das neue Sonderschulprojekt Wega, das die Schulleitenden stärker einbeziehen will, wirklich fruchtet. «Es besteht die Gefahr, sich zu verzetteln. Zudem zeigen nicht alle Schulleiter das gleiche Engagement.»

Hinter Entscheiden stehen

Müller wurde vorgeworfen, er sei ein Technokrat, der zudem alles selber machen wolle und kaum Verantwortung abgebe. Damit ist er nicht einverstanden. Er habe immer auch andere Personen in Entscheidungen einbezogen, etwa, wenn es um Anstelleungen ging. Aber er räumt ein, dass es aufgrund der Struktur der Schulpflege nur bedingt möglich sei, Verantwortung abzugeben. «Ich bin der einzige Vollzeiter, und als Präsident muss alles unterschreiben und dahinter stehen können.»

Anders als der ehemalige FDP-Schulstadtrat Stefan Fritschi ist Müller auch nicht der Ansicht, die Präsidenten hätten zu viel Macht und es brauche eine Reorganisation. «Wir sind die gewählte Exekutive.» Zudem werde es auch künftig eine Funktion brauchen, die zwischen Schulstadtrat und Schulleitern stehe.

Felix Müller musste im Zusammenhang mit den Vorkommnissen rund um die Brühlbergschule viel Kritik einstecken. Das sei nicht immer leicht gewesen, «aber ich habe das Jahr emotional verarbeitet.» Zum Konflikt mit den Eltern der Brühlbergschule kam es vor allem, weil diese sich von Müller nicht ernst genommen fühlten.

Doch für ihn ist klar: «Eltern haben in pädagogischen und organisatorischen Fragen kein Mitentscheidungsrecht, sie werden höchstens angehört. Die Eltern der Brühlbergschule haben eine Schwelle überschritten.»^

Und was sagt Müller zum Vorwurf, nur aus finanziellen Überlegungen nochmals anzutreten, um im Fall einer Nichtwahl von einer Abfindung zu profitieren? «Ich möchte gerne eine letzte Amtsperiode anhängen. In meinem Alter wäre eine Neuausrichtung eine grosse Herausforderungen. Insofern spielt die finanzielle Situation bei der Entscheidung schon auch eine Rolle.»

«Ich möchte eine Vertrauenskultur aufbauen»

Stadt-Töss Chantal Galladé hat sich als Nationalrätin einen Namen gemacht. Künftig möchte sie sich auf lokaler Ebene engagieren. Das Ramenpenlicht werde sie nicht vermissen, sagt sie.

Würde Chantal Galladé (SP, 45) neue Schulpflegepräsidentin des Kreises Stadt-Töss, würde sie von der nationalen Politbühne Abschied nehmen. Allzu schwer würde ihr dieser Abschied nach eigener Aussage aber nicht fallen. «Beachtung hat auch Schattenseiten. Es ist nicht immer nur lässig in der Öffentlichkeit zu stehen», sagt sie.

«Jedes Kind soll gerne zur Schule gehen und angemessen gefördert werden.»

Kommt hinzu: Galladé ist seit 2003 Nationalrätin. Wer in der SP länger als 12 Jahre im Nationalrat sitzt, braucht eine Zweidrittelsmehrheit für eine erneute Nominierung. Zwar hat sie diese Mehrheit schon einmal erreicht, doch langfristig muss sie sich neu orientieren.

Bildung liege ihr am Herzen, sagt Galladé zu ihrer Motivation. Sie war Berufsschullehrerin und im Nationalrat Mitglied in der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur. Zudem ist sie Präsidentin des Schweizer Dachverbandes Lesen und Schreiben sowie des Kaufmännischen Verbandes Winterthur.

Zu einer Lösung beitragen

Das Amt im Kreis Stadt-Töss reizt die zweifache Mutter: «Einerseits weil die beiden Stadtteile soziodemografisch sehr unterschiedlich zusammengesetzt sind, aber vor allem auch, weil ich gerne in einer schwierigen Situation etwas zu einer Lösung beitragen möchte.» Und schwierig ist die Situation im Kreis durchaus (siehe Ausgangslage - Kasten rechts).

Sie habe bereits mit sehr vielen beteiligten Leuten Gespräche geführt und sei überzeugt, dass es einen Neuanfange brauche: «Wichtig ist, dass wieder eine Vertrauenskultur entsteht. Es braucht nun Konstanz und Ruhe.» Zum bisherigen Präsidenten Felix Müller will sie sich nicht äussern. Sie stehe einfach als Alternative zur Verfügung.

Für die Schule hat Galladé eine Vision: «Jedes Kind soll gerne zur Schule gehen und angemessen gefördert werden.» Dass sie dies als Schulpflegepräsidentin nur bedingt beeinflussen kann, sei ihr bewusst. «Aber dort, wo ich etwas erreichen kann, werde ich mich dafür einsetzen.»

Etwa bei den Finanzen: «Alle sagen: Bildung ist unsere Zukunft. Aber dann muss man auch bereit sein, dafür Ressourcen frei zu machen.»

Hohe Kosten verursacht derzeit die Sonderschule. Hier gehe es um Kinder, darum sei die Diskussion eine pädagogische und nicht eine Spardiskussion. «Es muss um die Frage gehen, wie jedes Kind optimal gefördert werden kann.» Ziel müsse es sein, dass Kinder nicht unnötig viele Sonderschulmassnahmen brauchen. «Man muss ihre Bedürfnisse schon früher wahrnehmen und sie unterstützen.»

Ihren Führungsstil bezeichnet Galladé als partizipativ . «Der respektvolle, wertschätzende Umgang mit allen Menschen ist mir wichtig. Jeder soll seine Ideen einbringen können. Meine Stärke ist es, Bedürfnisse zusammenzubringen und Kompromisse zu finden.»

Mirjam Fonti

(Der Landbote)

Erstellt: 10.05.2018, 15:40 Uhr

So präsentiert sich die Ausgangslage

Am 10. Juni werden in allen Schulkreisen die Schulpflegen neu gewählt.

In den Kreisen Veltheim-Wülflingen und Stadt-Töss treten beide bisherigen Schulpflegepräsidenten, René Schürmann (CVP) und Felix Müller (parteilos), beide nochmals an.

Trotzdem kommt es in Stadt-Töss zu einer Kampfwahl. In der letzten Legislatur stand Felix Müller stark in der Kritik. Ihm wurde vorgeworfen, er habe oft eigenmächtig gehandelt und schlecht kommunziert. Zudem sei ihm die Verwaltung wichtiger gewesen als eine gute Zusammenarbeit mit den Beteiligten.

Zu einem Konflikt kam es insbesondere an der Brühlberg-Schule, weil praktisch das gesamte Lehrerteam kündigte. Ehemalige Lehrerinnen warfen Müller vor, er habe sie vertrieben, weil ihm das innovative Konzept der Schule nicht gepasst habe.

Weiter wurde kritisiert, Müller habe gar nicht genug Zeit für das Amt, da er im Nebenamt noch Mitglied des kantonalen Baurekursgerichts ist. Eltern der Brü¨hlbergschule fühlten sich nicht ernst genommen und demonstrierten gar vor dem Büro der Kreisschulpflege. Verschiedene Parteien, darunter auch seine eigene ehemalige Partei, die Grünen, forderten Müllers Rücktritt.

Trotzdem beschloss Felix Müller vor kurzem, noch einmal anzutreten. Dies obwohl die Interparteiliche Konferenz (IPK) ihn anders als vor vier Jahren nicht mehr unterstützt.

Dass er Konkurrenz bekommt, war schon vorher klar. SP-Nationalrätin Chantal Galladé hatte Interesse am Amt bekundet, ebenso wie der Vizepräsident Beat Meier (FDP), der nun aber im Kreis Seen-Mattenbach antritt. Galladé findet es gut, dass es zur Kampfwahl kommt: «So haben die Leute eine Auswahl.»

Wenig spektakulär ist die Ausgangslage im Kreis Veltheim-Wülflingen. Der bisherige Schulpflegepräsident René Schürmann, der nun seit vier Jahren im Amt ist, wird von der IPK unterstützt und hat auch keine Konkurrenz.

Um die Nachfolge von Ruedi Ehrsam (parteilos) im Kreis Seen-Mattenbach bewerben sich zwei Personen: Martha Jakob (GLP) und Beat Meier (FDP). Die GLP stellte Martha Jakob bewusst in Seen-Mattenbach auf, wohl nicht zuletzt in der Hoffnung, man könne so Kampfwahlen umgehen. Denn bis zu ihrer Nomination waren keine Kandidaturen in diesem Kreis bekannt. Nun stehen trotzdem zwei Personen zur Wahl.

Der Grund: Beat Meier, bisher Vizepräsident im Kreis Stadt-Töss, tritt nicht wie zuerst angekündigt in seinem bisherigen Kreis an, sondern eben in Seen-Mattenbach. «Ich hätte es übertrieben gefunden, gleich zu dritt um das Präsidium in Stadt-Töss zu kämpfen», sagt Meier. Dass es nun zu Kampfwahlen kommt, begrüssen aber beide. «So können die Leute jene Person wählen, die ihnen besser entspricht», sagt Martha Jakob.

Anders sieht es im Schulkreis Oberwinterthur aus, dem bisher Toni Patscheider (SP) 16 Jahre lang vorstand. Nach dessen Pensionierung wird wohl der heutige SP-Gemeinderat und ehemalige Parteipräsident Christoph Baumann den Kreis führen. Er ist nämlich der einzige Kandidat in Oberwinterthur.

Dass er konkurrenzlos bleibt, dürfte am Verzicht der SVP auf eine Kandidatur liegen. Noch vor einigen Monaten hatte SVP-Präsident Simon Büchi gesagt, eine Kandidatur werde diskutiert. Unter anderem aufgrund der für die SVP unerfreulichen Wahlergebnisse verzichtete man jedoch darauf.

Veranstaltungen

Die IG Elternräte Winterthur organisiert in Zusammenarbeit mit den beteiligten Parteien nächste Woche folgende Podiums- und Infoveranstaltungen :

Wahl ums Präsidium in Seen Mattenbach, Podium mit Martha Jakob (GLP) und Beat Meier (FDP): Dienstag, 15. Mai, 19.30 Uhr, Schulhaus Steinacker, Singsaal.

Wahl ums Präsidium in Stadt-Töss, Podium mit Chantal Galladé (SP) und Felix Müller (parteilos): Dienstag, 15. Mai, 19.30 Uhr, Tössfeld-Saal, Untere Briggerstrasse 31.

Wahl ums Präsidium in Oberwinterthur, Gespräch mit Christoph Baumann (SP): Mittwoch, 16. Mai, 19.30 Uhr, Anhaltspunkt Neuhegi, Ida-Sträuli-Strasse 91.

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