Startups

Selbsthilfegruppe mit grosser Wirkung

Vor gut zwei Jahren bildete sich der Entrepreneur Club Winterthur, ein Netzwerkangebot für junge Firmengründerinnen und -gründer. Der ursprünglich lose Austausch von Gleichgesinnten deckt ein unerwartet grosses Bedürfnis ab.

Die erste Startup Night im vergangenen Herbst lockte 850 Personen in den Technopark.

Die erste Startup Night im vergangenen Herbst lockte 850 Personen in den Technopark.

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Für den Technopark Winterthur ist der Entrepreneurclub so etwas wie die pfiffige Marketingabteilung. Die beiden Organisationen ergänzen sich ganz gut. Hier das inzwischen etablierte Haus, das sich um den Wissenstransfer zwischen Hochschule und Wirtschaft kümmert, günstige Räume oder Weiterbildungen anbietet, und damit so etwas wie die Hardware für die Winterthurer Startup- und Spinnoff-Szene zur Verfügung stellt. Da der junge, unabhängige, jedoch ehrenamtlich agierende Entrepreneur Club, er generiert die Software, mit coolen Events, undindem er unerfahrenen Hochschulabgängerinnen und -abgängern unbürokratisch und kostenlos Hilfeleistungen organisiert, wenndiese mit der Idee für ein eigenes Startup liebäugeln.

Full House

Der junge Entrepreneur Club Winterthur um Mitgründer und Präsident Raphael Tobler darf mit etwas jugendlicher Sturm-und-Drang-Attitüde frecher auftreten, von ihm wird diese Rolle gar erwartet - vergleichbar mit einem Startup, das innovativ, flexibel, zuweilen ungeduldig und unbürokratisch die Szene der arrivierten Kreise aufmischt. Mit Erfolg. Dank sanftem Druck hat die ZHAW, die neben dem Bildungsauftrag auch die Aufgabe hat, Startups zu unterstützen, nun die Fördergelderverdoppelt hat und Projekte wie die erfolgreiche Startup Night mitfinanziert. Dabei fingalles ganz simpel an: «Ich wollte mein eigenes Startup gründen, es fehlte mir das Knowhow, und ich suchte Gleichgesinnte. Bald organisierten wir bald ein erstes Treffen, das war im Frühling 2017. Es kamen 120 Leute, Full House.»

Aus diesem Erfolg erwuchs der nächste. Die erste Startup Night im vergangenen Herbst lockte 850 Personen in den Technopark - gerechnet hatten die Organisatoren mit maximal 400. «Das Interesse und das Bedürfnis an einem Austausch mit Gleichgesinnten ist riesig», so Tobler, der heute in einem 25-köpfigen Team ohne Entschädigung sein Netzwerk zwischen Jungunternehmern im Umfeld der ZHAW, Sponsoren, Business Angels, Startup-Beratern, der Hochschule selbst und weiteren Playern der Wirtschaftswelt zur Verfügung stellt,Workshops organisiertund der wachsenden Jungunternehmer-Szene den Start erleichtert.Die Sponsoren, die Standortförderungund die ZHAWfinanzieren dieProjekte, die Startups müssen keine Mitgliederbeiträge bezahlen, «diese haben in der Regel kein Geld, wenn sie ihr Geschäft aufbauen».

«Die Hälfte schaffts»

Aus einer von Tobler bezeichneten «Selbsthilfegruppe» ist eine Community mit Wirkung geworden.Im April fand der erste Hackathon statt - ein Ideen-Wettbewerb für innovative Köpfe. Im Umfeld des Entrepreneur Club sind laut seinen Umfragen 250 Arbeitsplätze innerhalb von gut zwei Jahren entstanden. «Nicht wegen uns» betont Tobler, «aber sicher auch mit unserer Unterstützung». Ihre Aktivitäten hätten inspiriert und zur Selbstständigkeit motiviert, ist er überzeugt. Gemäss Tobler schaffen es fünf von zehn Startups zum Erfolg. «Die allgemeine Meinung, dass es bloss eines von zehn schaffe, stimmt zumindest für Winterthur nicht.» Mit stolz verweist er auf Startups wie Turicode (automatisierte Verarbeitung von Dokumenten), LuckaBox (Packet-Logistik), Scewo (Rollstuhl-Technologie), Swisspeers (Crowdfunding für Firmenkredite) oder Best Smile (transparente Zahnspangen).Und selbstbewusst stellt er den Entrepreneur Club als dritten Player in die Reihe der beiden etablierten Wirtschaftsverbände, die Handelskammer und den KMU-Verband, welche die Interessen der KMU und Exportfirmen im Fokus hätten, und weniger die Startups.

Kapital Netzwerk

Tobler und seine vier Mitgründer sind zwar begeistert von ihrem Projekt und opfern dafür viel Freizeit. Aber ganz altruistisch sind sie nicht. «Wir profitieren durch unser Engagement,ob im Umgang mit Behörden, politischen Prozessen, Bildungsinstituten oder mit Investoren.» Und er habe ein riesiges Netzwerk aufbauen können und schliesslich auch seine Investoren gefunden.Sein eigenes Startupeduwo.ch, Plattform für die massgeschneiderte Zusammenstellung der persönlichen Aus- und Weiterbildung inklusive Bewertungsfunktion, beschäftigt heute acht Personen.

Erstellt: 25.05.2019, 16:51 Uhr

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Wie steht es am Wirtschaftsstandort Winterthur um die Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer? Wer engagiert sich für sie und was macht eine typische Startupperin, einen typischen Jungunternehmer aus? In der am 23. Mai gestarteten Fokuswoche Startups lesen Sie eine Woche lang täglich einen oder mehrere Berichte zum Thema. (kal)

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