Challenge League

Servette – die klare Nummer 1 der Liga

Der FCW schoss aus dem Platz des Leaders Servette zwar früh das erste und spät das letzte Tor. Dennoch verlor er gegen sehr starke Genfer 2:5 (1:1).

Einer der besten bei Servette war Koro Koné (rechts). Der Winterthurer Remo Arnold kommt zu spät.

Einer der besten bei Servette war Koro Koné (rechts). Der Winterthurer Remo Arnold kommt zu spät. Bild: Freshfocus

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es war ein zumal spielerisch sehr guter Match für diese Liga. Es war ja auch das Treffen des Leaders Servette mit dem Tabellendritten aus Winterthur, der durchaus seinen Beitrag zur Unterhaltung leistete. Aber in erster Linie muss man nach diesem Abend sagen: Es trennen nach diesem klaren Ausgang den Ersten schon 15 Punkte vom FCW. Warum das so ist, liess sich auch in diesem Spiel erkennen. Denn die Genfer bestätigten sich als unbestrittene Nummer 1 der Liga. Es würde einen schon sehr überraschen, würden sie noch um den direkten Aufstieg gebracht. Sehr wahrscheinlich ist das Léman-Derby am kommenden Mittwoch in Lausanne für die Waadtländer die letzte Gelegenheit, an dieser Hierarchie nochmals zu rütteln.

Geigers verdientes Lob …

Alain Geiger, der Trainer Servettes, lobte den Gegner aus Winterthur, «der sehr gut gespielt und alles probiert hat.» Aber es hat eben seine Mannschaft noch besser gespielt, vor allem ihre Qualität in der Offensive nachgewiesen. Nach dem frühen 0:1 musste der Servette FC auf die Zähne beissen. Er glich zwar schon wenige Minuten später aus, aber bis zur Pause konnte er sich keinen Vorsprung erarbeiten. Da war die Gegenwehr des FCW sehr bemerkenswert, auch wenn die Dominanz Servettes schon da zeitweise bedrohlich war.

«Aber es hat einer ‚lass‘ gerufen – und dann lass ich den Ball durch.»FCW-Verteidiger Sead Hajrovic

Das 1:0 war ein fein herausgespieltes Tor des FCW gewesen. Roberto Alves leitete einen Angriff stark ein; Luca Radice leistete auf Linksaussen die präzise Vorarbeit für Ousmane Doumbia; und der schlenzte den Ball von knapp ausserhalb des Strafraums perfekt in die weitere Ecke. Beim Ausgleich kam Servettes Holländer Alex Schalk nach einem Steilpass Koro Kones dank einem Stellungsfehler Granit Lekajs alleine vor Torhüter Raphael Spiegel zu stehen und nutzte die Chance. Es war Kones dritter Treffer in einem Heimspiel gegen den FCW. Im Spätsommer hatte er auf dem Weg zum 2:0-Sieg beide Tore beigetragen.

… und die verhängnisvollen Fehler

Eine Halbzeit mitgehalten zu haben, war schon mal ein ordentlicher Leistungsausweis für eine Mannschaft wie den FCW, die doch mit nur zwei Punkten aus den letzten vier Spielen nach Genf gereist war. Aber man wusste schon da: Es würde eine grössere Anstrengung brauchen, sich so im Spiel zu halten. Vor allem dürfe sich der FCW keine Fehler leisten. Aber dann, nur vier Minuten nach der Pause, kassierten die Winterthurer ein gewiss vermeidbares Tor. Innenverteidiger Sead Hajrovic liess einen Pass Timothé Cognats, den man sicher in seinen Füssen glaubte, passieren und so kam Miroslav Stevanovic an den Ball. Er überlief damit Spiegel – 2:1. Natürlich sei dieser Ball in seiner Reichweite gewesen, sagte Hajrovic hinterher. «Aber es hat einer ‚lass‘ gerufen – und dann lass ich den Ball durch.» Es wird kein Winterthurer gewesen sein, der Hajrovic diese Anweisung gegeben hat. Es war jedenfalls fatal und – ist man geneigt zu sagen – auch etwas unbedarft, was sich da begab.

Auf jeden Fall wars der wichtigste Schritt der Genfer, das Spiel definitiv in den Griff zu kommen. Entschieden war es in der 70. Minute, als Hajrovics weiter Querpass im Mittelfeld nicht den anvisierten Teamkollegen erreichte, sondern einen Genfer. Dann trat wieder das Duo Schalk/Kone auf den Plan, diesmal legte der Holländer für den Ivorer auf – 3:1. Am Ende der Aktion agierte Kone eben auch noch fixer als Hajrovic. «Bei zwei Toren in Führung hat man gesehen», sagte Geiger hinterher, «dass wir wirklich gut im Konter sind. Das ist deshalb kaum bekannt, weil die Gegner gegen uns fast immer hinten reinstehen.» Der Genfer Trainer sagte das mit Genugtuung, aber er vergass nicht darauf hinzuweisen, wie wichtig nun sein werde, am Mittwoch in Lausanne zu bestehen. Was seine Mannschaft mit ihren Kontern in den letzten Minuten gegen den FCW noch lieferte, war nur noch für die Höhe des Resultats massgeblich, nicht mehr für den Gesamteindruck. Es hatte auch kein Genfer viel dagegen, dass die Winterthurer ihren Auftritt mit einem zweiten Tor noch ganz leicht veredeln konnten. Es war ein flach getretener Freistoss Gabriel Isiks aus über 20 Metern, der irgendwie den Weg ins Tor fand.

Lekaj gesperrt, Calla out

Die Winterthurer aber mussten anerkennen, wie es ihr Stürmer Luka Sliskovic tat, «dass Servette einfach eine Nummer zu gross ist.» Vor allem dann, wenn es auch noch von Fehlern des FCW profitieren kann. Natürlich sah das auch FCW-Trainer Ralf Loose, der dennoch – und dies sehr wohl zu Recht – sagte, «dass das ein beherzter Auftritt von uns war, dass wir lange spielten, was wir uns vorgenommen hatten.» Allein, auch ihm waren die individuellen Fehler nicht entgangen. Besonders unerfreulich war, dass sich Captain Davide Callà auch noch eine Bänderverletzung zuzog und nach knapp einer Stunde vom Platz musste. Wie gravierend die Blessur ist, muss noch erkundet werden. Schlecht für den nächsten Match in Schaffhausen ist auch, dass Lekaj nach der vierten Verwarnung gesperrt ist.

Zu den individuellen Auftritten ist zu sagen, dass Spiegel trotz der fünf Gegentore gut arbeitete. Es kämpfte sich auch der junge Linksverteidiger Enrique Wild gut in den Match. Immerhin bekam er es mit der klar stärksten rechten Flanke in der Liga zu tun, mit dem Duo Anthony Sauthier/Stevanovic. Der individuell stärkste Winterthurer war Ousmane Doumbia, der wieder an seine Leistungen im Herbst erinnerte – mit seiner zupackenden Art im Zweikampf, aber natürlich auch als Torschütze. Das Quartett in der Offensive hatte gute Szenen. Es zeigte seine – auf gutem Rasen – seine spielerischen Qualitäten. Individuelle Kritik bekommen am ehesten die Innenverteidiger ab.

Aber klar ist dieser massgeblichste Gesamteindruck: Nach fünf Spielen in Folge ohne Sieg, nach zuletzt – erstmals unter Loose – gar drei Niederlagen in Folge, droht der FCW den Kontakt mit der Spitze definitiv zu verlieren. Servette ist ihm sicher enteilt. Lausanne kann sich heute mit einem Heimsieg gegen Chiasso auf sieben Punkte Distanz davonstehlen. Und es kann, mit einem Heimsieg gegen Schaffhausen, auch der FC Aarau den FCW überholen – erstmals in dieser Saison. Auch wenn die Leistung in Genf unterhaltsam und spielerisch mehrheitlich gut war, so hat der FCW eben doch den jüngsten Eindruck nicht widerlegen können, dass ihm die Luft auszugehen droht. Dass er also den Kontakt zur Spitze Schritt für Schritt verliert. Servette, Lausanne und Aarau vor ihm – das ist die Realität. Und natürlich keine Überraschung.

Erstellt: 29.03.2019, 23:37 Uhr

Challenge League

Servette – FC Winterthur 5:2 (1:1)
Stade de Genève. – 3850 Zuschauer. – SR Cibelli. – Tore: 6. Doumbia 0:1. 13. Schalk 1:1. 49. Stevanovic 2:1. 70. Kone 3:1. 83. Imeri 4:1. 88. Mychell Da Silva 5:1. 91. Isik 5:2– Servette: Frick; Sauthier, Routis, Rouiller, Iapichino; Maccoppi (65. Cespedes); Stevanovic, Wüthrich (74. Imeri), Cognat (79. Follonier); Kone, Schalk (79. Mychell Da Silva). – FCW: Spiegel; Isik, Lekaj, Hajrovic, Wild; Arnold, Doumbia (76. Hamdiu); Callà (58. Saliji), Roberto Alves (80. Mulaj), Radice; Sliskovic (74. Gazzetta). – Bemerkungen: Servette ohne Busset, Alphonse, Lang (verletzt), Duah und Sarr (nicht im Aufgebot). – FCW ohne Seferi (gesperrt), Schättin, Roth, Lepik (verletzt), Stettler, Schmid und Sutter (nicht im Aufgebot); 55. Callà verletzt ausgeschieden, Saliji danach zentral, Roberto Alves rechts im Mittelfeld; nach Gazzettas Einwechslung Saliji Sturmspitze. – 66. Schuss Sliskovics streift die Latte. – Verwarnungen: 8. Sauthier (Foul). 28. Maccoppi (Foul). 61. Lekaj (Foul; fürs Spiel in Schaffhausen gesperrt).

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!