Kalifornien

Sie fand als junge Frau eine lebenslange Freundschaft in Winterthurs vergessener Partnerstadt

Nachdem der «Landbote» über Ontario bei Los Angeles berichtet hatte, meldeten sich mehrere Leser mit Erinnerungen. Monique Meier, die 1988 noch Baumann hiess, fand dort Freunde, die sie bis heute regelmässig sieht.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die kalifornische Stadt Ontario östlich von Los Angeles gehört neben La Chaux-de-Fonds, Pilsen und Yverdon zu den Partnerstädten Winterthurs. Doch die Partnerschaft zu dieser amerikanischen Sister City ging in der Öffentlichkeit vergessen, nicht aber für Monique Meier. «Ich habe dort einige der besten Monate meines Lebens verbracht und herzensgute Leute getroffen», erzählt sie: «Die Freundschaft zu meinen Gasteltern lebt noch heute, und auch meine beiden Töchter haben dort einige Monate gelebt.» Doch der Reihe nach.

«Meine Freunde erwarten Sie»

Von 1983 bis 1986 machte Monique Baumann ihre KV-Lehre bei der Stadt. Ein halbes Jahr sass sie dabei im Vorzimmer von Urs Widmer, dem damaligen, kürzlich verstorbenen Stadtpräsidenten, der ein besonderes Faible für Amerika hatte. «Er wusste, dass ich nach der Lehre gerne Sprachen lernen wollte und erzählte mir von der Sister City in den USA», erinnert sich Monique Meier.Doch die junge Frau ging nach dem Lehrabschluss zuerst für sieben Monate nach la Chaux-de-Fonds in die Stadtverwaltung. Mit Lohn und Vertrag, wie sichs gehört. Im Jura erreichte sie dann eine Karte von Urs Widmer aus seinen Ferien in Ontario: «Liebe Moni», schrieb er der ehemaligen Lehrtochter, «es scheint hier alles in Ordnung zu sein, unsere Freunde erwarten Sie im Januar.» Im Januar 1987 flog «Moni» via Chicago nach LA. Es war ihr erster Flug und fast eine Weltreise: «Direktflüge gab es noch nicht.»

Winterthurer Rezepte als Buch

Ihre Gasteltern hiessen George und Audrey, «sie waren politisch aktiv, gut vernetzt, interessiert an kulturellem Austausch, und sie engagierten sich im Komitee für alle Sister Cities von Ontario», erzählt Monique Meier und kramt in ihren Alben und Erinnerungen. Ein Bild zeigt die junge Winterthurerin in Shorts neben zwei Mitgliedern dieses Partnerstadt-Komitees. Auf einem anderen sieht man einen Stand, den sie gestaltet hat mit Fotos und Dingen aus Winterthur. Auch ein Kochbuch mit Rezepten aus allen Partnerstädten gab das Komitee heraus: «Mit Rezepten von Urs und Annemarie Widmer drin. »

«Auch meine beiden Töchter haben dort  einige Monate gelebt.»

Monique Meier

Flug und Schule zahlte sie selber

Daneben nahm Monique Baumann Abendkurse in Englisch am Chaffey College. An zwei Tagen pro Woche lernte sie in der Chamber of Commerce, der Handelskammer, das amerikanische Arbeitsleben kennen und die Arbeitsbedingungen: «Ich traf dort Kollegen, die im Jahr nur zwei Tage Ferien zu gut hatten.» Lohn gabs für sie keinen, den Flug, den Lebensunterhalt und die Schule zahlte sie selber mit dem, was sie in La Chaux-de-Fonds gespart hatte. Und etwas blieb noch übrig für eine Woche Skifahren in Sun Valley.

Schwärmen von der Schönheit

Knapp sechs Monate blieb sie in Ontario, schwärmt noch heute von der kilometerlangen schnurgeraden und baugesäumten Euclid Avenue durch die Stadt, von der Schönheit der Hügel am Rande LAs, von den Nachbarstädten Claremont und Upland. Aber das Beste waren George und Audrey, «sie wurden zu meinen zweiten Eltern.» Ihre eigenen Töchter, erzählt sie weiter, seien beide auch zwei Monate dort zu Gast gewesen nach der Matur, um Englisch im Alltag zu anzuwenden. Man besucht sich gegenseitig, immer wieder. «Vorletzten Sommer machten wir bei ihnen wieder eine Woche Halt, bevor wir nach Hawaii weiterflogen.» Und als Urs Widmer, der alles ins Rollen gebracht hatte, vor wenigen Wochen starb, schickte Monique Meier eine Kopie des Zeitungsartikels an Audrey und George.

Erstellt: 02.11.2018, 18:06 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles