Winterthur

Sie klauen Flaggen, von Zürich bis Kopenhagen

Die Flag Footballer der Winterthur Red Lions sind zwar ein kleiner und junger Verein, dafür umso erfolgreicher. Sie wollen den Titel verteidigen, um wieder gegen internationale Spitzenteams zu spielen.

Erfolgreiche Flaggen-Diebe: Die Red Lions sind amtierender Schweizer Meister im Flag Football.

Erfolgreiche Flaggen-Diebe: Die Red Lions sind amtierender Schweizer Meister im Flag Football. Bild: pd

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Es begann eher unsportlich, mit langen Nächten vor dem Fernseher, Bier und Chips in Griffweite. American-Football faszinierte die vier Fussball-Kumpels vom SC Veltheim. Weniger das gigantische Spektakel drumherum, mit dem die Amerikaner ihren Übersport vergöttern, sondern: «Football ist ein fast kompletter Sport. Es braucht Athletik, taktisches Verständnis und Spielintelligenz», sagt Fabio Gervasi (31). Erst warfen sie im Eulachpark am Wochenende ein paar Bälle und übten Eins gegen Eins-Situationen. Im Internet stiess Gervasi dann auf eine Football-Variante, für die es keine teure Ausrüstung braucht, taktisch aber auf der Höhe ist mit dem Original: Flag Football. Der Hauptunterschied zum American Football ist, dass der ballführende Gegner nicht mit einem klassischen Tackling zu Boden gezerrt und gestoppt wird. Vollkontakt ist beim Flag Football verboten. Getacklet wird, indem dem Ballführenden einer der zwei Plastikbändel – die Flags – entreisst, die er je an einem Gummiverschluss links und rechts an der Hüfte trägt (Regeln siehe Box). Mit 15 Franken ist der Materialaufwand gering.

«Wir können ja mithalten! »

Bald schon konnte die Gruppe im Eulachpark regelmässig Fünf gegen Fünf spielen und mit dem Flag-Team der Winterthur Warriors mithalten. Und so gründeten sie 2013 den Verein Red Lions Winterthur. Inzwischen sind die Red Lions Schweizer Meister und ein nationales Spitzenteam, obwohl sie nur einmal pro Woche trainieren, auf der Spielwiese beim Schulhaus Schachen. «Wir halten uns mit andern Sportarten fit», sagt Alex Keller (30), Trainer und Gründungsmitglied.

Aufgepumpte Muskelprotze sind die Red Lions wahrlich nicht, einige bullig, die meisten athletisch. «Wir spielen mit Köpfchen und lesen das Spiel besser als unsere Gegner», erklärt Keller ihren Erfolg.

Die Atmosphäre im Training ist locker, aber eine reine Spasstruppe steht hier nicht auf dem Platz. «Go, go, go!», brüllt Keller und peitscht die Offenders an, die nach Körpertäuschung, Drehung und einem 30-Meter-Sprint den Wurf des Quarterbacks im Lauf fangen müssen. «Plopp!». Der Verteidiger hat die Flag erwischt, entrissen und den Stürmer so gestoppt. Für die 25 Yards Raumgewinn gibt es dennoch Lob vom Quarterback. «Gutes Timing, gute Route!». Parallel dazu übt die Verteidiger-Linie Manndeckung, ein Drei gegen Drei. Der Trainer kramt ein Zettelchen hervor, auf dem sechs Varianten an Laufwegen der Stürmer aufgezeichnet sind. «Cross!», schreit er, als Signal, wann die Verteidiger den Mann übergeben. Neudeutsch dominiert auch, wenn die Spieler während der Unterbrüche die Köpfe zusammenstecken und das «receiven auf der strong side» oder die «coverage» neu ausrichten. Die Abwehrreihe muss gut abgestimmt sein, auch in der vergleichsweise kleinen Schweizer Liga mit ihren zwölf Teams. Wenn nicht, prescht ein schneller und wendiger Offender rasch durch die Fünfer-Kette und es heisst «Touchdown».

Beim europäischen Championsbowl in Kopenhagen spielten die Red Lions vor zwei Monaten erstmals international. Gegen Spitzenteams wie die Copenhagen Barbarians, die deutschen Kelkheim Lizzards oder die Südfranzosen von Sphinx de Pau konnten die Winterthurer zumindest lange mithalten. Am Schluss landeten sie auf Rang 11 von 12. «Nächstes Jahr greifen wir wieder an», sagt Keller entschlossen.

Duell gegen die Spottdrosseln

Wollen die Lions den Titel verteidigen, müssen sie wohl erneut dem zähesten Konkurrenten die Federn rupfen, den Spottdrosseln aus Zürich, den Mockingbirds. Die Playoffs und der Final finden am 24. September auf der Sportanlage Deutweg statt. (Landbote)

Erstellt: 23.08.2016, 15:14 Uhr

Eindrücke aus der jungen Vereinsgeschichte

Red Lions Winterthur

Der Flag Football-Verein Winterthur Red Lions wurde 2013 gegründet. Er zählt 17 Mitglieder und ein Herren-Team. Ein Junioren-Mannschaft zu gründen ist zumindest ein Thema.
Zwei Regeln unterscheiden Flag Football wesentlich von American Football: 1. Statt per Vollkontakt auf den Boden zu reissen, stoppt man den Gegner, indem man ihm eine der zwei Flaggen stiehlt (Tackling). 2. Es gibt keine Field Goals (Kicks durch die Torstangen).
Gespielt wird Fünf gegen Fünf. Das angreifende Team hat nach einem Pass des Centers auf den werfenden Quarterback (Snap) vier Versuche, um die Mittellinie des 60 Meter-Feldes zu überqueren. Schafft sie es, folgen vier weitere Versuche, um den Ball hinter die Torlinie zu bringen (Touchdown), sonst wechselt das Angriffsrecht.
Ein Touchdown zählt sechs Punkte, daneben gibt es Extrapunkte. Ein Spiel dauert zweimal 20 Minuten.

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