Zürich

Sie leitet das automatisierte Hotel

Bei der holländischen Hotelkette CitizenM checkt man am Computer ein. Tamara Dias führt das neuste Zürcher Hotel im 60-Prozent-Pensum.

Tamara Dias wollte eigentlich aus der Hotellerie aussteigen, bis sie CitizenM kennenlernte. Foto: Andrea Zahler

Tamara Dias wollte eigentlich aus der Hotellerie aussteigen, bis sie CitizenM kennenlernte. Foto: Andrea Zahler

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Tamara Dias hat im CitizenM Zürich zwar ihr eigenes Büro. Dort sei sie aber praktisch nie, sagt die 32-jährige Hotelmanagerin. Viel lieber arbeite sie am Laptop im sogenannten Livingroom, dem grossen Raum im Erdgeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes bei der Zürcher Sihlporte.

Dort studiert zur selben Zeit auch ein Herr im Anzug den Inhalt seiner Aktentasche, ein Gast im Hawaiihemd frühstückt und daneben schaut eine Gruppe Asiaten BCC World News auf einem grossen Bildschirm. Über dem Bildschirm hängt eine riesige vergoldete Dollar-Note – die Einrichtung ist zwar in allen 19 Hotels der holländischen Kette ähnlich, das Zürcher Haus ist aber nach dem Motto «Banking and Shopping» dekoriert.

Das Team von Tamara Dias ist überschaubar. Mit 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat das CitizenM Zürich am 1. August seinen Betrieb aufgenommen. Alle übergeordneten Bereiche wie HR, Marketing und Strategie werden von Holland aus zentral koordiniert. Die Reinigung und die Technik sind an externe Anbieter ausgelagert. Als Hotelmanagerin habe sie daher Zeit, sich voll um Mitarbeiter und Gäste zu kümmern, sagt Dias.

Das Team steht über allem

Fünf bis sechs «Ambassadors» arbeiten im Livingroom pro Schicht. Sie teilen sich zwischen der Bar und der Reception auf und rotieren frei, je nachdem, wer gerade welchen Job machen möchte. Das funktioniere besser als sie sich das habe vorstellen können, sagt Dias, primär, weil die Stimmung im Team so gut sei. Rekrutiert wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Sozialen Medien wie Instagram oder Facebook. Auch wurde keine spezifische Ausbildung vorausgesetzt. Vielmehr stehe der Teamgedanke über allem.

An der Reception braucht es genau genommen gar keine Receptionisten, denn das Check-in macht jeder Gast selbstständig am Computer. Auch der Pass oder die Identitätskarte wird von der Check-in-Station eingescannt. Allerdings sind immer Personen zugegen, falls Fragen auftauchen oder jemand Hilfe braucht.

Die Zimmer im CitizenM sind klein, übersichtlich und durchdacht. Unter dem grossen Doppelbett, das direkt am Fenster steht, lassen sich in Schubladen Koffer und Kleider verstauen, die Nasszelle ist durch eine halbtransparente Glaswand abgetrennt und alles Elektronische lässt sich per iPad steuern. So auch der Bildschirm samt Netflix-Angebot und alle Lichter, die mit einem Tippen ausgeschaltet werden können.

«Nur die technischen Abläufe im Hotel sind automatisiert. Für Tipps, was in Zürich sehenswert ist, sind die Ambassadors jederzeit verfügbar.»Tamara Dias
Hotelmanagerin CitizenM Zürich

Es wird schnell klar, die Geschäftsreisenden, an die sich die CitizenM-Kette primär richtet, sollen im Zimmer vor allem Schlafen. Für alles andere trifft man sich im Livingroom. Hier lege man viel Wert auf den persönlichen Kontakt, wie Hotelmanagerin Dias sagt. Denn nur die technischen, einfachen Abläufe seien im Hotel automatisiert. Für einen Schwatz oder Tipps, was in Zürich sehenswert ist, seien die Ambassadors jederzeit verfügbar.

Im Gegensatz zu ihrem Team hat Tamara Dias eine klassische Tourismusausbildung absolviert. Sie hat in Crans Montana Hotelmanagement studiert und danach im Ausland für verschiedene Hotels gearbeitet. Zurück in der Schweiz war sie in Zürich für Marriott und Kameha tätig, bis sie ihre Stelle kündigte, weil sie sich umorientieren wollte.

Eigentlich hatte sie mit der Hotellerie abgeschlossen, als sie über eine Kollegin, die Informationen zum Schweizer Markt sammelte, mit CitizenM in Kontakt kam. Um herauszufinden, wovon ihre Kollegin schwärmte, checkte Dias als Touristin in den Londoner Ableger der Hotelkette ein. «Mir gefiel die zentrale Location, die gute Atmosphäre, dass alles so einfach ist», sagt Dias.

Teilzeit ist eine Seltenheit

Doch noch während der Kennenlerngespräche mit CitizenM wird Dias schwanger: «Das Muttersein und das Hotelmanagement sind zwei verschiedene Welten, die schwierig kombinierbar sind», sagt sie. Nicht so bei CitizenM. Heute hat Tamara Dias zwei Babys, wie sie sagt: den acht Monate alten Luca und das neue Hotel. Sie leitet das CitizenM Zürich in einem 60-Prozent-Pensum – eine Seltenheit in dieser Position.

So kurz nach der Eröffnung kümmere sie sich darum, dass sich alle Abläufe einspielen. Auch dabei wird sie von erfahrenen Ambassadors aus anderen Hotels unterstützt. Nervosität ist im Livingroom keine zu spüren und auch die ersten Zahlen sehen gut aus, wie Dias sagt. Am Streetparade-Wochenende war das CitizenM zum ersten Mal ausgebucht.

Erstellt: 15.08.2019, 17:33 Uhr

Coworking-Space für Zürcher

Im denkmalgeschützten Gebäude aus den 1950er Jahren am Talacker 42 in Zürich führt CitizenM ihr erstes Hotel in der Schweiz. Gründer der Hotelkette ist der indischstämmige Holländer Rattan Chadha, dem bis Mitte des letzten Jahrzehnts die Modemarke Mexx gehörte. 2008 eröffnete in Amsterdam das erste CitizenM. Das Zürcher Haus ist das 18. Hotel und bereits nicht mehr das neuste. Die 160 Zimmer gehören alle zur selben Preiskategorie und sind ab 169 Franken buchbar. Das Hotel will nicht nur Reisende, sondern auch Einheimische ansprechen. Für 15 Franken pro Tag kann man den Livingroom als Coworking-Space nutzen, für 350 respektive 550 Franken einen der Tagungsräume mieten. (kme)

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