Winterthur

Silvios Blockade beim Torschuss

Das Thema «Frauen» wird derzeit nicht nur in den Museen zelebriert, sondern auch im Salon Erika auf der Schützenwiese. Freilich ergänzt um die Fussballgötter in Meisteradaptionen von Cyril Tricaud.

Cyril Tricaud: «ne pas toucher», Ausschnitt.

Cyril Tricaud: «ne pas toucher», Ausschnitt. Bild: PD

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Der Louvre in Paris und der Prado in Madrid sind nicht nur geografisch weit entfernt. Die beiden Museen mit den Kunstschätzen, die von Millionen bewundert werden, bewegen sich schlicht in anderen Sphären. Und dennoch: In der Baubox des Salon Erika hinter der Bierkurve auf der Schützenwiese sind sie plötzlich so nah, und eine tiefe Sehnsucht nach den Originalen, nach traditioneller Malerei, meldet sich in einer überraschenden Intensivität.

Ausgelöst wird die Sehnsucht durch die acht kleinformatigen Gouachen, Aquarelle und Tuschzeichnungen des jungen Pariser Malers Cyril Tricaud, der schon einmal im Salon Erika zu Gast war und dabei das Spiel FC Winterthur gegen den FC Zürich verfolgte. Nun wirken in den beiden Schweizer Clubs nicht die Fussballgötter wie bei Paris-Saint Germain. Aber immerhin ist Silvio vom FCW ein Liebling der Fans.

Hundertprozentige Chancen

Und diesen Silvio hat Tricaud als Helden in seine Variante von Tizians «Bacchanal der Andrians» (1526) eingefügt – als Stürmergott, bedrängt von einem FCZ-Haudegen. Und das in einem erstaunlich eleganten Pas-de-deux. Doch die Pointe ist eine ganz andere, und sie dürfte auch die FCW-Anhänger ohne Kunstaffinität interessieren.

Nein, es ist ein wunderbar sich dem männlichen Blick offerierender Tizian-Akt, der den Stürmer in Bann zieht und ihn ablenkt.

Wie steigt doch jeweils ein Aufschrei der Enttäuschung gegen den Himmel empor, wenn Silvio wieder eine hundertprozentige Chance verschiesst. Tricaud kennt die Ursache: Silvio ist gar nicht auf den Ball konzentriert – nein, es ist ein wunderbar sich dem männlichen Blick offerierender Tizian-Akt, der den Stürmer in Bann zieht und ihn ablenkt.

Virtuose Aneignung

Ist das Faszinosum des Weiblichen nicht auch das Thema der eben eröffneten Ausstellung im Reinhart am Stadtgarten? Wie dem auch sei, Tricaud ist ein virtuoser Meister der Aneignung, dem es gelingt, die Motive der Alten Meister wie Poussin oder Delacroix so zu minimisieren, dass noch etwas vom überwältigenden Atem des Originals als Hauch zu spüren ist.


Die Werke sind an den nächsten vier Heimspielen des FCW zugänglich: heute Montag sowie am 14. und 19. März sowie am 6. April.

(Der Landbote)

Erstellt: 04.03.2018, 15:10 Uhr

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