Podium

So wild sind die Jungen nun auch wieder nicht

Im Albani trafen sich Mitglieder mehrerer Jungparteien zur Diskussion. Die Fetzen flogen nicht.

Der Stammtisch der Jungparteien auf der Albani-Bühne.

Der Stammtisch der Jungparteien auf der Albani-Bühne. Bild: Nathalie Guinand

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Die Frage, die man sich als älterer Gast am Freitagabend im Albani stellte, war die: Würden die Jungpolitiker und Jungpolitikerinnen an ihrem Podium die Positionen der Mutterparteien mit noch mehr Nachdruck und Sturheit vortragen, als es die Vorbilder in der TV-Arena tun? Nein. Die Jungen sagen zwar ähnliche Dinge wie die älteren Herren und Damen ihrer Parteien, aber sie reden einander nicht drein, greifen einander nicht an, scheinen einander irgendwo sogar zu mögen. Und natürlich duzen sie sich.

Angst vor Jobverlust? Nein.

Thema der Diskussion: Müssen wir Angst davor haben, dass Roboter uns schon bald die Arbeit wegnehmen? Britta Rentsch, die junge Grüne auf dem Podium, kennt das Thema als gelernte Bibliothekarin natürlich aus nächster Nähe und eigener Erfahrung. Trotzdem ist sie positiv: «Bücher wird’s auch in Zukunft geben.» Und nein, Angst habe sie nicht, sie bilde sich weiter, wolle Lehrerin werden.

Auch der Jungfreisinnige Raphael Perroulaz, Architekturstudent an der ZHAW, findet: «Häuser, die aus dem 3-D-Drucker kommen? Das glaube ich nicht. Die Digitalisierung hat sicher Potenzial, aber das Handwerk und die Kreativität werden überleben.»

Müssen wir Angst davor haben, dass Roboter uns schon bald die Arbeit wegnehmen?

Alexandra Stadelmann (Junge CVP) weiss als Lehrerin zwar über die zunehmende Bedeutung des Digitalen Bescheid, «doch mein Beruf verschwindet nicht, denn zum Lernen braucht es menschliche Beziehungen, die ein Roboter nicht aufbauen kann.»

Der Jung-Grünliberale Kaan Bayir, Student der Politikwissenschaft, ist ganz auf der Linie der Mutterpartei: «Ob wir’s wollen oder nicht: Die Digitalisierung kommt so oder so, und wenn sie eine Optimierungschance bietet, soll man diese nutzen - und verknüpfen mit grüner Wirtschaft.»

Jonas Noller, Polymech und Jungsozialist, sieht das etwas anders: Wenn Roboter gewisse Arbeiten übernehmen, dürfe man nicht einfach Leute entlassen, weil es stets die Älteren treffe, das habe er selber so erlebt. «Besser wäre es, wenn alle weniger arbeiten würden. Wir hätten das Potenzial für eine 25-Stunden-Woche.»

Und schon ist die Diskussion im Gang: Der Jungfreisinnige findet, so wenig zu arbeiten, das befriedige auf Dauer nicht: «Die Arbeit nährt und ernährt uns.» Und der Jung-Grünliberale sagt: «Umschulen auf neue Jobs ist besser als rauswerfen, denn so bleibt das Potenzial der Mitarbeitenden in der Firma.»

Bald automatische Autos? Ja.

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die Junge SVP kurzfristig ihre Teilnahme an der Veranstaltung der Jungparteien absagte, und auch der Moderator des Abends verdient einen Satz. Es ist Simon Berginz, ein Winterthurer bei Radio Zürisee. Er leitet die Diskussion gerecht, gescheit und geschickt.

Wenn die Aufmerksamkeit des Publikums hörbar abnimmt, was ein Zeichen von aufkommender Übersättigung ist, ändert er die Fragetechnik oder schaltet um auf Kurzfragen: «Wie lange, denkt ihr, geht es noch, bis die ersten komplett selbstfahrenden Autos in der Schweiz unterwegs sind?» Britta Rentsch, die Grüne, sagt: 25 Jahre. Der Grünliberale Kaan Bayir sogar 35 Jahre. Auch die JCVP-lerin Alexandra Stadelmann rechnet mit 30 bis 35 Jahren, ebenso der Jungfreisinnige Raphael Perroulaz. Deutlich am meisten Vertrauen auf den digitalen Fortschritt zeigt hier der Jungsozialist Jonas Noller: «In etwa 10 Jahren ist es soweit.»

Erstellt: 27.01.2019, 16:52 Uhr

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