Photovoltaik

Sonnige Aussichten für Solarstrom

Innert fünf Jahren hat sich die Zahl der Solaranlagen im Kanton vervierfacht. In Winterthur gibt es schon über 400 Anlagen. Damit lassen sich 2,3 Prozent des lokalen Strombedarfs decken.

Solaranlagen pro Einwohner. Klicken Sie auf die Grafik für eine vergrösserte Ansicht.

Solaranlagen pro Einwohner. Klicken Sie auf die Grafik für eine vergrösserte Ansicht. Bild: Quelle: Energieversorger, Grafik: ma

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Im Weltraum werden Solarzellen seit den späten Fünfzigerjahren eingesetzt. Auf der Erde werden sie seit den Neunzigerjahren als Hoffnungsträger gehandelt, blieben aber lange Jahre das Feld von umweltbewussten Überzeugungstätern. In den letzten Jahren hat sich ihre Verbreitung allerdings rasant vergrössert. Dies zeigen Zahlen, die das Tamedia-Datenteam für den Kanton Zürich zusammengetragen hat. Photovoltaik ist kein Nischenprodukt mehr, sie drängt langsam aber sicher in den Mainstream.

Vervierfachung in fünf Jahren

Nicht zu allen Gemeinden auf Kantonsgebiet waren Informationen zur Zahl der Solaranlagen und ihrer Leistung verfügbar. Mit einer Datenbasis von 134 Gemeinden lassen sich aber generelle Aussagen zur Entwicklung treffen. Demzufolge hat sich im Kanton die Zahl der Anlagen in den letzten fünf Jahren vervierfacht. Waren es 2012 noch 1392 Anlagen, wurden 2017 schon 4926 gezählt. Ihre installierte Leistung stieg im gleichen Tempo mit, von 32 Megawatt auf 109 Megawatt.

Auch in der Stadt Winterthur zeigt der Trend unverkennbar nach oben. Ende 2017 waren auf Stadtgebiet 406 Anlagen in Betrieb, gut dreimal mehr als 2012. Jede zwölfte Solaranlage im Kanton steht also in Winterthur. Zusammen spiesen sie im Jahr 2017, laut Angaben von Stadtwerk Winterthur, 12 400 Megawattstunden Strom ins Netz ein. Das entspricht dem Strombedarf von 3700 Haushalten. Das klingt nach viel, doch gemessen am Gesamtverbrauch der Stadt Winterthur sind es erst 2,3 Prozent.

2,5 Prozent Solarstrom

Diese Energie ist gefragt. «Die produzierte Solarenergie kann jederzeit für unseren Endkundenabsatz gebraucht werden», heisst es bei Stadtwerk. Von der Gesamtmenge des 2017 gelieferten Stroms, lag der Anteil von Solarstrom bei knapp 2,5 Prozent.

Stadtwerk speist einerseits Strom aus privaten Anlagen ins Netz ein und vergütet ihn (bei kleineren bis mittleren Anlagen beträgt die Vergütung 10 bis 11 Rappen pro Kilowattstunde), andererseits betreibt Stadtwerk auch eigene Anlagen, darunter die grösste der Stadt, auf dem Dach der Zielbau-Arena. 530 Kilowatt kann sie leisten. Der Ausbau geht weiter. Geplant oder im Bau sind kleinere und mittlere Anlagen beim Alterszentrum Adlergarten Adlergarten, beim Schulhaus Büelwiesen oder der Zivilschutzanlage Ohrbühl.

Auch in den Landgemeinden ist Solarstrom auf dem Vormarsch. In Wiesendangen kamen in den letzten fünf Jahren 60 neue Anlagen dazu, in Illnau-Effretikon 68. Prozentual am meisten zugelegt von allen Gemeinden hat allerdings Dägerlen. 2012 gab es hier eine einzige Photovoltaik-Anlage, Ende 2017 waren es bereits 19 Stück. «Dägerlen hat, meines Wissens, nichts Spezielles unternommen, Photovoltaik zu fördern», sagt Gemeinderat Severin Knecht, zuständig für Hochbau, Energie und Umwelt. Er vermutet einen Ansteck-Effekt: «Man sieht so eine Anlage beim Nachbarn und überlegt sich, ob es auf dem eigenen Dach auch Sinn machen würde.»

Am meisten Solaranlagen pro Kopf im ganzen Kanton hat aber eine andere Gemeinde aus dem «Landbote»-Gebiet. In Dättlikon waren Ende letztes Jahr 21 Anlagen installiert, bei einer Bevölkerung von 783 Personen. Macht ein Sonnenkraftwerk auf 37 Personen. Auch Waltalingen erreicht mit einer Anlage pro 38 Einwohner einen Spitzenwert. In Winterthur kam dagegen eine auf 271 Stadtbewohner, in Zürich eine auf 586.

Deutschland macht es vor

Im Vergleich zum nördlichen Nachbarn gibt es in der Schweiz aber noch viel Ausbaupotenzial. In Deutschland deckte Solarstrom 2017, auch dank starker staatlicher Förderung, bereits über sieben Prozent des Netto-Strombedarfs ab.

(Der Landbote)

Erstellt: 05.08.2018, 17:00 Uhr

Fördergelder

Mit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) will der Bund die erneuerbaren Energien fördern. Weil der Fördertopf aber begrenzt ist und sich hohe Pendenzen angesammelt haben, verliert die KEV für Hausbesitzer an Bedeutung. «Für Neuanlagen ist ein Eintritt in das Einspeisevergütungssystem kaum mehr möglich», schreibt das EKZ auf seiner Website. Empfohlen wird stattdessen, eine Einmalvergütung für kleine Photovoltaikanlagen (KLEIV) zu beantragen. Dieses Vorgehen wählen auch die angefragten privaten Solarunternehmer. Die Vergütung könne zwischen einem Viertel und einem Drittel der Anlagenkosten betragen, die Wartezeit beträgt rund zwei Jahre. mig

Nachgefragt

Thomas Bachmann, Geschäftsführer der Winterthurer Solarfirma Solarville

Herr Bachmann, im Kanton Zürich hat sich die Zahl der Solaranlagen innert fünf Jahren vervierfacht. Was treibt diesen Boom – neue Vorschriften?
Thomas Bachmann: Nein, wohl eher die Standardisierung dieser Art der Energiegewinnung. Fotovoltaik oder die Nutzung von ­Solarstrom wird einfach immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Bei jedem Neubauprojekt wird zumindest diskutiert, ob eine ­Anlage realisiert werden soll. Die Bevölkerung steht hinter der Energiewende und möchte ihren kleinen Beitrag leisten.

Aus reinem Idealismus oder lohnt sich das auch finanziell?
Es rechnet sich. Ab einer Grösse von 30 bis 40 Quadratmetern amortisiert sich eigentlich jede Anlage über ­ihre Lebenszeit. Weitere Faktoren sind die Höhe der lokalen Strompreise und des Rückliefertarifs für produzierten, aber nicht selbst genutzten Strom. Die Rechnung sieht umso besser aus, je mehr Strom man selbst verbraucht.

Indem man zum Beispiel damit sein Elektroauto lädt?
Ja, das ist die perfekte Kombination. Ein Auto ist ja kein Fahrzeug, sondern ein Stehzeug, 99 Prozent der Zeit steht es herum. Mit seiner Batterie kann es den überschüssigen Strom speichern.

Gab es in der Fotovoltaik nennenswerte Fortschritte oder Durchbrüche?
Die heute am häufigsten verbauten Panele sind etwa 20 Prozent leistungsfähiger als vor sieben Jahren. Der grösste Fortschritt passierte beim Preis. Eine Anlage kostet heute nur noch halb so viel wie vor sieben Jahren.

Früher hiess es, Solarzellen brauchen lange Jahre, bis sie die Energie ihrer Herstellung wieder hereingeholt haben. Sind Sie wirklich umweltfreundlich?
Die meisten Studien gehen heute von zwei bis drei Jahren aus. Die Lebensdauer einer Anlage ist 25 Jahre. Die Herstellungsenergie wird also etwa zehnmal wieder reingeholt.

Gibt es neue Trends im Bereich Solarenergie?
Ja, heute haben Firmen, Hausbesitzer, Wohnbaugenossenschaften, aber auch Mieter neue Möglichkeiten, Strom selber zu produzieren und zu nutzen. Technisch sind Batteriespeicher extrem am Kommen. Wir offerieren diese schon bei über jedem zweiten Projekt. Damit müssen viele Kunden im Sommerhalbjahr gar keinen Netzstrom mehr beziehen.

Rechnet sich das denn?
Batteriespeicher lohnen sich bereits da, wo die Strompreise sehr hoch sind oder bei grossen Anwendungen. Das Wichtigste für die Kunden ist aber das Gefühl des Autarkseins. Für mich hat das etwas Emotionales: auch in der Nacht den eigenen Strom nutzen zu können.

Wird der Boom anhalten?
Auf jeden Fall. Wir stehen da erst am Anfang! Solarstrom leistet einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit der Schweiz. Die Technik entwickelt sich weiter. Und es liegt neben den Dächern noch viel ungenutztes Potenzial auf unseren Infrastrukturanlagen brach, zum Beispiel auf Parkplätzen, Lärmschutzwänden bei Autobahnen und so weiter. Da muss noch viel gehen.

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