Winterthur

«Speckies sind beim Footy besonders spektakulär!»

Stefan Burgener (24) will Australian Football von Winterthur aus in der Schweiz bekannt machen. Er ist Club- und Verbandspräsident und spielt mit seinen Lions in der Champions League. 

Die Winterthur Lions AFC trainieren im Eulachpark, reisen für die Champions League aber zum zweiten Mal nach Amsterdam.

Die Winterthur Lions AFC trainieren im Eulachpark, reisen für die Champions League aber zum zweiten Mal nach Amsterdam. Bild: Facebook

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Wer auf Ausrüstung wie beim American Football verzichten will, spielt Flag-Football oder Rugby. Wo reiht sich nun Australian Football ein?
Stefan Burgener: Streng genommen gar nirgends. Australian Football ist eine Sportart für sich. Es wird zum Beispiel nicht in Phasen und nach Yards gespielt wie beim American Football, und es gibt deutlich weniger Unterbrüche. Und anders als Flag-Football ist Footy ein Vollkontaktsport. Zwischen Knie und Schulter darf man den Gegner tacklen, also packen und zu Boden werfen. Auch Checks mit der Schulter sind erlaubt. Als Spieler versucht man, einem Tackling wenn immer möglich auszuweichen, um einen Freistoss gegen sich zu vermeiden. Typisch Footy ist auch: Man wirft den Ball nicht, sondern faustet ihn.

Fausten?
Ja, man faustet in den Lederball, meistens für kurze Pässe, die sogenannten «handballs». Profis schlagen das Ei so auch bis zu 30 Meter weit.

Was macht das Spiel aus Ihrer Sicht attraktiv?
Es ist deutlich flüssiger als Rugby und American Football. Es geht hin und her und wird sehr schnell gespielt, mit vielen Kombinationen aus Handballs und Kicks. Spektakulär ist, wenn man nach einem 50-Meter-Kick den Ball fängt und einen «mark» schafft, teils in drei bis vier Metern Höhe, weil man sich beim «specky» mit dem Knie auf die Schulter eines Gegners oder Mitspieler stützt. Solche Szenen macht es auch für die Zuschauer attraktiv. Zudem gibt es viele Tore und Punkte.

Wie werden die Punkte erzielt?
Indem man zwischen die vier Stangen am Ende des Spielfelds schiesst. Ein Goal in die zwei mittleren gibt sechs Punkte, ein «behind», zwischen die zwei äusseren Pfosten, zählt einfach.

Kicken, rennen, tackeln, springen: Australian Football ist ein athletischer Sport. Welche Spielertypen gibt es?
Die Teams sind etwas homogener als beim Rugby, wo es athletische, flinke Spieler gibt. Doch behäbige Verteidiger, die breit wie ein Schrank sind, aber Bauch haben, gibt es beim Footy nicht. Gerade im Mittelfeld muss man laufstark sein und ein gutes Auge fürs Spiel haben. Bis zu zwei Meter gross und sprungkräftig sind die Ruckmen, die sich beim Anspiel den hochgeworfenen Ball erkämpfen, wie beim Basketball.

Und die Verletzungen?
Auf unserem Niveau keine allzu schweren. Geprellte Rippen und angezerrte Oberschenkel gibt es ab und zu.

Das Feld muss oval sein und bis zu 180 Meter lang, wie beim Cricket. Gibt es so etwas in der Schweiz überhaupt?
Nein, leider sind sie auch in ganz Europa kaum vorhanden. Aber wir helfen uns selbst und improvisieren, zeichnen auf einem Fussballplatz das Feld ein und spielen 9 gegen 9, statt 18 gegen 18. In Winterthur trainieren wir im Eulachpark und tragen unsere Spiele, wenn immer möglich, auf dem Deutweg aus.

«Wir», das sind die Winterthur Lions ...
Ja, Lions natürlich wegen der Winterthurer Löwen, aber auch wegen unseres Partnerteams in der Nähe von Melbourne, den Coburg Lions. Mit einem alten Satz ihrer Trikots spielen wir zurzeit. Offiziell habe ich den Verein vor einem Jahr gegründet. Momentan sind wir 15 aktive Spieler, viele aus dem Kollegenkreis, aber über Facebook haben wir auch ein paar Australier gefunden, die mitkicken, einen davon aus der Innerschweiz. Dass es hier kaum andere Teams gibt, hat auch seine Vorteile. Auch in in diesem Jahr sind wir wieder für die Champions League in Amsterdam qualifiziert.

Sie haben die Schweizer Liga und den nationalen Verband gegründet. Warum glauben Sie, dass Australian Football auch in der Schweiz zündet?
Die Sportart ist spektakulär und macht Spass. In Australien ist nur Cricket beliebter. Bis ich 14 war, habe ich in Melbourne gelebt und die Euphorie selbst miterlebt. Beim Saisonfinale sind 100000 Zuschauer im Stadion! In der Schweiz fangen wir klein an. Ab Mai spielen wir mit Teams aus Basel und Genf in einer Dreierliga an fünf Spieltagen jeder gegen jeden. Zürich sollte nächste Saison dazustossen. Auch wir suchen noch Spieler.

Facts and Figures: Verein: Winterthur Lions AFC Gegründet: 2018Mitglieder: 22. www.winterthurlionsafc.ch

Erstellt: 17.02.2019, 16:56 Uhr

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