Zoo

Spielerisches Training für den Tierarztbesuch

Die Seehunde im Zoo Zürich spielen einmal pro Tag mit Bällen, springen in die Luft und drehen sich auf den Rücken. Was wie eine Show fürs Publikum aussieht, dient als Training, falls die Tiere behandelt werden müssen.

Spielen für die Gesundheit: Das Seehundeweibchen Pila lernt auf Kommandos zu hören, damit sie untersucht werden kann.

Spielen für die Gesundheit: Das Seehundeweibchen Pila lernt auf Kommandos zu hören, damit sie untersucht werden kann. Bild: Zoo Zürich, Enzo Franchini

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Inuit weiss, wie es geht. Das zehnjährige Seehundemännchen gleitet als erstes an Land und berührt mit der Schnauze die Hand von Tierpfleger Jörg Wick. Dieser weist ihn an, sich auf den Rücken zu drehen. Der Seehund befolgt das Kommando, stösst mit der Schnauze gegen eine kleine Glocke, wedelt kurz mit der Flosse und springt zurück ins Wasser. Die Zoobesucher lachen und Inuit erhält Fisch zur Belohnung.Bei der täglichen Tierfütterung bekommen die Zoobesucher beim Seehundebecken eine kleine Show geboten. Inuit und die Weibchen Pila und Farah bringen Ringe zurück, die ihnen die Tierpfleger zuwerfen, und springen auf Kommando in die Höhe.

Augentropfen und Stethoskop

Es steckt aber mehr als die Unterhaltung des Publikums hinter dem Training der Seehunde. Während Inuit auf dem Rücken liegt, tastet ihn Jörg Wick ab und kontrolliert seine Herztöne mit einem Stethoskop. Die Seehunde lassen sich auch die Zähne überprüfen und Augentropfen verabreichen. «Das Weibchen Farah hatte kürzlich einen verletzten Nagel», sagte Zoo-Kurator Robert Zingg gestern vor den Medien. Diesen konnte man mit Hilfe des Trainings entdecken und behandeln.

Es werden auch typische Handgriffe des Tierarztes geübt, und eines der Spielgeräte sieht aus wie ein portables Röntgengerät, damit sich die Seehunde daran gewöhnen. «Es geht um den Vertrauensaufbau zu den Tierpflegern», sagt Zingg.

Seehundemännchen werden bis zu 190 Zentimeter gross und 140 Kilo schwer und können wegen ihres schlüpfrigen Fells und der Wendigkeit nicht einfach festgehalten werden. Auch sei die Dosierung eines Narkosemittels durch die Fettschicht unter der Haut erschwert, sagt Zingg. Also machen sich die Tierpfleger und der Tierarzt zunutze, dass Seehunde generell neugierig und verspielt sind.

Verhält sich ein Seehund wie es der Pfleger wünscht, erzeugt er mit einer Signalpfeife einen hochfrequenten Ton und belohnt das Tier mit Fisch. So können die Seehunde auch auf die Waage oder in eine Transportbox gelotst werden. «Die Zusammenarbeit beruht auf Freiwilligkeit», sagt Zingg. Zwingen könne man die Seehunde weder durch Strafe noch Druck. Das spielerische Training hingegen macht ihnen offensichtlich Spass und ist eine willkommen Abwechslung.

Und weg ist der Fisch

Zurückhaltender als die anderen beiden ist die 40-jährige Farah, die ein Jahr älter ist als die Seehundeanlage im Zürcher Zoo. Sie ist gerade im Fellwechsel und frisst weniger. Daher sind die Fischhäppchen für sie nicht so interessant.

Nicht lumpen lassen will sich die dreijährige Pila. Auch sie hüpft an Land und hebt die Flossen. Sie lernt noch die grundlegenden Kommandos. Als Jörg Wick ihr den Belohnungsfisch zuwirft, rutscht ihr dieser aus der Schnauze. Noch bevor sie sich umdrehen kann, ist Inuit pfeilschnell vom anderen Ende des Beckens herübergeschwommen – und weg ist der Fisch. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 15.08.2018, 16:36 Uhr

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