Winterthur

Stadt schielt bei Tagesschulen nach Zürich

Die Stadt Zürich gilt vor dem geplanten Testlauf mit Tagesschulen als Vorbild. Noch herrscht in Winterthur aber etwas Verwirrung.

Tagesschulen sind im Trend, gibt es sie bald auch in Winterthur?

Tagesschulen sind im Trend, gibt es sie bald auch in Winterthur? Bild: Keystone

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In jedem Winterthurer Schulkreis soll mindestens eine Tagesschule eingerichtet werden. Diesen Testversuch fordert eine Mehrheit des Gemeinderats in einem Postulat.

Tagesschulen, die eine Mittags- und Nachschulbetreuung in den Schulhäusern selber vor­sehen, werden seit längerem in Zürich getestet. Am 10. Juni stimmen die Stadtzürcher darüber ab, ob künftig alle Schulen als Tagesschulen geführt werden sollen.

Wie ein Winterthurer Testlauf im Detail aussehen wird, darüber müssen nun die Zentralschulpflege und der Stadtrat entscheiden. Bereits am Freitag will die Zentralschulpflege einen ersten Projektplan veröffentlichen. Schulstadtrat Jürg Altwegg (Grüne) sagt, zuerst einmal müssten unter dem Begriff Tagesschule ­alle Beteiligten «dasselbe verstehen». Das sei heute nicht der Fall.

«Altweggs Aussage stimmt nicht»

Ein zentraler Punkt des Modells Tagesschule betrifft das Mittagessen. Es soll im Schulhaus selber angeboten werden. In Zürich werden den Eltern pro Zmittag sechs Franken verrechnet, ein ­reduzierter Tarif ist möglich. Jürg Altwegg sagt nun, so wie der Gemeinderat seine Forderung formuliert habe, könnten in Winterthur keine Elternbeiträge verlangt werden, weil die «obligatorische Mittagszeit zur Schule gehört».

Diese Aussage stimme nicht, sagt Gemeinderätin Regula Keller (SP), welche die Forderung initiiert hat. «Ein Bundesgerichtsurteil besagt, dass man diesen Zmittagsbeitrag sehr wohl den Eltern verrechnen kann, genauso wird es ja derzeit in Zürich gehandhabt.»

Für zusätzliche Verwirrung sorgt Folgendes: Die Stadt Winterthur nennt bereits heute alle Winterthurer Schulen «freiwillige Tagesschulen», da ein durchgehendes Betreuungsangebot besteht. Im Unterschied zur Tagesschule nach Zürcher Art gibt es das Mittagessen und die Betreuung aber je nachdem an separaten Orten und zu speziellen Konditionen. Der Gemeinderat hat nun im Sinn, diese Angebote zu vereinheitlichen.

Wie in Zürich sollen Kinder an Tagen mit Nachmittagsunterricht einen warmen Zmittag erhalten und dabei von Fachpersonal betreut werden. Zudem gibt es vor und nach der Schule weitere Angebote, beispielsweise unentgeltliche Aufgabenstunden.

Die Teilnahme an diesen Angeboten ist immer freiwillig, jedoch gilt sie für ein Jahr und nur für das ganze Paket: Sein Kind für einen Mittag an- und für den anderen abzumelden, geht nicht. In Winterthur war das bisher möglich.

Pläne gab es bereits vor sechs Jahren

Bemerkenswert ist in diesem Zusammen­hang, dass bereits im Jahr 2012 auch in Winterthurein Tagesschulmodell angedacht war. Damals regte eine 90-köpfige Gruppe aus dem Schulumfeld das neuartige Modell an, der damalige Schulstadtrat Stefan Fritschi (FDP) war dem Vorschlag nicht abgeneigt. Doch weshalb kam nie eine ausgearbeitete Vorlage in den Gemeinderat?

Offenbar wartete die Zentralschulpflege bewusst den Zürcher Pilotversuch der letzten Jahre ab. Fritschi sagt, es habe einen regelmässigen Austausch gegeben und man habe nicht genau gleichzeitig wie Zürich einen Pilotversuch starten wollen. (Der Landbote)

Erstellt: 29.05.2018, 16:16 Uhr

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