Winterthur

Die Stadt tritt beim Bike-Sharing nochim Leergang

Welches Veloleihsystem käme in Winterthur ins Rollen? Die Stadt wartet auf taugliche Angebote. Nun hat ein Anbieter aus dem Sillicon Valley angeklopft.

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O-Bike ist tot, lang lebe Limebike? Die Stadt Zürich hat das US-Startup aus dem Sillicon Valley Ende 2017 mit rund 400 grünen Velos geflutet. Am Limmatquai flitzen Touristen auf Limebike-E-Trottinetts an den Ständern von «Züri Velo» vorbei, dem neuen städtischen Bike-Sharing-System mit fixen Stationen von Altstetten bis ins Seefeld. Und in der «Velostadt Winterthur»?Hier ist «Carvelo2go» vor gut einem Jahr gestartet. An sieben Standorten kann man von einem Elektro-Motor unterstützte Lasten-Velos mieten, gedacht als Autoersatz. Bis zu 100 Kilogramm Fracht lassen sich damit transportieren. Wie ist das Angebot angelaufen? An den zwei besten Standorten werden die Carvelos drei bis fünfmal pro Woche gebucht (manchmal mehrere Tage lang), haben gemäss Anbieterin also noch «Luft nach oben». In den Städten Zürich, Bern oder Basel ist die Auslastung doppelt so hoch.

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Wer nutzt die Ersatz-Autos in Winterthur? Wie sonst wo vor allem junge sharing-affine Familien zwecks Kinder-Transport. Einen Ausbau des Netzes plant Carvelo2go in Winterthur vorerst nicht, sei aufgrund der Grösse der Stadt aber denkbar, sofern man weitere Partner und Sponsoren finde. Geld hatte 2017 auch der Stadtwerk-Klimafonds eingeschossen.

Ständer, Zone oder überall?

Schweizweit sind derzeit fünf verschiedene Bike Sharing-Systeme in Betrieb, die unterschiedlich funktionieren, vom bereits erwähnten Free-Floating, bei dem man sein Velo per App ortet, abholt und irgendwo wieder abstellt (Limebike), über oberflächlich fixierte passive Stationen, anders als bei den aktiven, bei denen es genügt, sein Rad innerhalb eines bestimmten Funk-Perimeters zu parkieren.

Stadt glaubt an den Markt

Welches System käme wohl in Winterthur richtig ins Rollen? Die städtischen Verkehrsplaner glauben, eine kombinierte Lösung, wie es auf Anfrage heisst: Stationen im und ums Zentrum und frei flottierende Velos, um auch die Stadtränder zu erreichen. Pläne, ein System zu lancieren, gibt es nach wie vor keine. Die Stadt wartet, bis ein privater Anbieter mit einem passenden Vorschlag auf sie zukommt und will dann Türöffnerin spielen. «Wir sind sehr offen», sagt Christoph Oetiker, Projektleiter bei Verkehrsplanung. Private Anbieter würde man, wo möglich, unterstützen.

Limebike tastet sich heran

Mit Limebike steht die Stadt bereits lose in Kontakt, gemäss den Kaliforniern hat es sogar «vielversprechende Gespräche» gegeben. Nach dem Startschuss in Zürich und Frankfurt plant Limebike mit ihren 3-Gängern eine Expansion in «weitere Städte, überall in Europa» – offenbar aber nicht nach Winterthur.

Möglich hingegen sei, dass man mit einer kleinen Flotte E-Trottinetts an der Eulach starte, doch selbst dies erst mittelfristig und «eher nicht mehr in diesem Jahr». Stand heute könnte Limebike in Winterthur wohl mit 150 Velos ohne Bewilligung starten. Dessen Zielgruppe ist klar definiert: Pendler («Letzte Meile»), Touristen («Erkunden»), Studenten und Kunden, die spontan ein Velo mieten.

Bleibt Stadt bei ihrer abwartenden Haltung, ist eher unwahrscheinlich, dass man sich mit der einstigen Partnerin Publibike wieder findet, hinter der die Postauto AG steht. Dort wartet man auf den ersten Schritt der Stadt, eine allfällige Ausschreibung für ein Bike-Sharing-System. Diese würde man dann prüfen.

Mit Publibike hatte die Stadt 2012 die ersten wackligen Bike-Sharing-Versuche gemacht. Nach drei Jahren hob die Stadt den halbherzigen Versuch einer Teststation am Hauptbahnhof mit sechs Velos und zwei E-Bikes wieder auf. Zuletzt registrierte man noch knapp zehn Fahrten pro Monat. Das Projekt hatte gefloppt, seit dem Stopp gab es keine Gespräche mehr. «Ein Netz muss eine gewisse Dichte haben, damit genug Fahrten gebucht werden», sagt Publibike-Chef Bruno Rohner. Konkret: Alle 400 Meter eine Station, umgemünzt auf Winterthur hiesse das rund 40 bis 50 Stationen, von Töss bis Neuhegi, und eine Flotte von etwa 500 Velos.

Publibike mit neuem System

Mit dem Winterthurer Pilotversuch von 2012 habe das heutige System nicht mehr viel zu tun. Die Stationen lassen sich nun flexibel verschieben, es gibt verschiedene Abo-Typen und auf die öffentliche Hand fallen lediglich Verwaltungskosten, ansonsten finanziert sich das System über Sponsoren und die Nutzer. In der Stadt Zürich baut Publibike seit April ein Netz auf und aus. Mit rund zwei Fahrten pro Tag und Velo schon relativ gut. Bis im Frühling will Publibike die Anzahl Stationen auf 150 und die Flotte auf 2000 Velos vergrössern, die Hälfte davon E-Bikes. «Wenn wir dann die Auslastung halten können, steuern wir finanziell auf den grünen Bereich zu», sagt Rohner.

Für Kurt Egli von Pro Velo ist klar: Für Billig-Velos wie O-Bike gibt es in Winterthur keine Nachfrage, wohl aber für stationäre Systeme, die für eine gewisse Qualität bürgen. Auch für Limebike sieht er daher ein gewisses Potenzial und generell für E-Bikes wegen der sieben Hügel. In der offenen, aber abwartenden Haltung der Stadt sieht er keinen Sündenfall. «Wichtiger ist, dass die Infrastruktur ausgebaut wird, konkret die Velobahnen, zum Beispiel zwischen Hegi und Bahnhof Grüze». Egli glaubt, dass Winterthur sich nach dem «trial and error»-Prinzip zu seinem Velo-Verleihsystem komme, langsam und Tritt für Tritt.

(Landbote)

Erstellt: 07.08.2018, 18:21 Uhr

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Bike-Sharing: Die Pioniere kommen aus Asien

Das weltweit wohl grösste stationslose Veloverleihsystem (Free-Floating), mit rund 6,5 Millionen Velos und einem Marktwert von über 2 Milliarden Franken wurde in China lanciert und heisst Ofo. Die gelben Velos fahren inzwischen auch in den Testmärkten England, Südspanien und Italien. Ähnlich gross ist Mobike (orange) aus Shanghai, das gross in Deutschland expandieren will. Limebike (grün), mit Sitz im Sillicon Valley, testet in Zürich und Frankfurt und will ebenfalls schnell wachsen. Nach dem Konkurs von O-Bike, sind Limbike und Smide (E-Bikes) derzeit die einzigen Free-Floating-System in der Schweiz (siehe Karte links).

Drei «Grosse» in der Schweiz

In der Schweiz sind derzeit mit Publibike, Velospot (vor allem Westschweiz), Nextbike (nur Luzern), Smide, Limebike, Rent-a-Bike, Pick-e-Bike und Carvelo2go acht grössere Anbieter auf dem Markt. Das breiteste Netz hat die Rent-a-Bike AG, die vor allem an Bahnöfen präsent sind, während Publibike in die Städte drängt (u.a. Bern, Lausanne, Fribourg und Zürich).

Es gibt zwei stationsgebundenen Systeme. Bei den «aktiven» lassen sich Velos innerhalb einesb bestimmten Funkperimeter abstellen, bei den «passiven» in fixen Ständern.
Häufig lassen sich Velos über eine Abo-Karte, Codes oder eine App öffnen. Zu den Investoren gehören private und halbprivate Firmen, aber auch die öffentliche Hand (Nextbike). Die Preise variieren zwischen 2 Franken pro Stunde und 25 Rappen pro Minute für E-Bikes.

Auch Basel dürftig

Winterthur ist die einzige Grossstadt ohne öffentlichen Veloverleih. Schmalspur fährt auch Basel mit sieben Stationen.

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