Kunst

Stadt und Kunstverein reich beschert

Der Galerieverein hat ein Legat erhalten. Damit will er der Stadt eine Skulptur im Stadtgarten schenken. Und die Sammlung des Kunstvereins erhält eine Installation von Katinka Bock und eine Hängeskulptur von Joel Shapiro als Leihgabe.

Zu gross, um öfter gezeigt zu werden: Katinka Bocks Bodeninstallation «Seelenlandschaft mit Nebel».

Zu gross, um öfter gezeigt zu werden: Katinka Bocks Bodeninstallation «Seelenlandschaft mit Nebel». Bild: Marc Dahinden

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Der Galerieverein lebt. Sehr sogar. Obwohl die Freunde des Kunstmuseums an ihrer jüngs­­ten Generalversammlung ihre eigene Überalterung beklagten, hat sie auch ihre guten Seiten. Denn es mag das Privileg der Älteren sein, sich freier zu Kunstankäufen zu äussern. Jedenfalls grummeln sie nicht nur vor sich hin, wenn ein Ankaufsvorschlag wie die Hängeskulptur von Joel Shapiro nicht gefällt.

Der Ton ist höflich wie in einem Londoner Gentlemen’s Club. Man entschuldigt sich beim Präsidenten Henry Schmid, bevor man ihm in die Parade fährt. Das hat noch Stil, auch hat es mit Tradition zu tun. Schon der Vater war bekannt für kritische Voten.

Zu gross, um öfters gezeigt zu werden

Auch Frauen profilieren sich mit Fragen und Zweifeln. Eine Jungseniorin befürchtet, Katinka Bocks Bodeninstallation «Seelenlandschaft mit Nebel» sei zu gross, als dass sie öfters gezeigt werden könne. Sie erhält Unterstützung vom Doyen der Winterthurer Architektenprominenz. Das hat Kultur. Und dazu gehört auch Direktor Konrad Bitterlis Replik. Sie vermag die Mehrheit zu überzeugen.

Der Nachfolger von Dieter Schwarz hat seine Feuertaufe bestanden und kann die 55 000 Franken teure «Seelenlandschaft» als neuen Akzent zum Auftakt seiner Sammlungsära im Etat verbuchen. Und der Galerieverein hat sich einmal mehr als ein verlässlicher Partner erwiesen in Zeiten, wo die privaten Sammler in Winterthur beinahe zu einer aussterbendenSpezies werden. Bitterli bedankte sich für den Support.

Infusionen und Initiativen

Auch sonst sendet der Galerieverein positive Lebenszeichen aus. Nach dem Rücktritt von Monika Grosser zieht der junge Wirtschaftsanwalt Stefan Brunnschweiler in den Vorstand ein. Doch eine extrem vitalisierende Infusion stellt das Legat von Heinz Fehlmann dar. Grossherzig hatte er 2016 eine halbe Million Franken den Freunden der Kunst vermacht. Sie haben Spiel- und Fantasieräume eröffnet. Nun hat der Vorstand die Katze aus dem Sack gelassen.

Inspirieren liess er sich vom eigenen Jubiläumsgeschenk an den Kunstverein. 2013 wurde die spannungsvolle Aussenraumplastik des englischen Bildhauers Richard Deacon zwischen dem Rittmeyer-Bau und dem Erweiterungstrakt auf öffentlichem Grund realisiert. Und weil derzeit beim Kunstverein die organisatorische und betriebliche Heirat zwischen dem «Reinhart am Stadtgarten» und dem Museum beim Stadthaus laufen, wagt man sich – vorerst mal gedanklich – in den Stadtgarten vor.

300 000 Franken will man für ein Auftragswerk ausgeben, das «eine sichtbare und grossartige, aber auch sinnvolle Verbindung zwischen den beiden Ausstellungshäusern herstellt». So steht es im Konzeptpapier. Auf einen aufwendigen Wettbewerb will man verzichten. Stattdessen wird eine Kommission zusammen mit Konrad Bitterli einen Künstler oder eine Künstlerin auswählen.

Starkes Zeichen gesucht

Das Projekt stiess bei den Mitgliedern auf spürbar positive Resonanz. Bereits an der nächsten GV wird die gekürte Aussenskulptur vorgestellt. Das ist ein ehrgeiziger Fahrplan. Dessen sind sich Präsident Henry Schmid und Vorstandsmitglied Alex Dahinden bewusst. Im Gespräch sagte Schmid: «Als Nächstes werden wir die Stadt für unsere Idee gewinnen wollen, zumal diese ja auch Pläne für die Aufwertung des Stadtgartens hat.»

Enthusiastisch schildert Dahinden seine Vision: «Die Arbeit muss als starkes Zeichen für die Verbindung der beiden Häuser wahrgenommen werden. Sie muss aber neben der symbolischen Bedeutung auch über eine überzeugende Ausstrahlung verfügen und die Betrachter zum Besuch der beiden Häuser anregen.»

Bei der Stadt zeigt man sich erfreut über diese grosszügige Geste des Galerievereins. Die konkrete Umsetzung müsse aber sicher noch besprochen werden, meint Stadtpräsident Michael Künzle auf Anfrage.

(Der Landbote)

Erstellt: 28.04.2018, 09:47 Uhr

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