Dättlikon

Steg über der Töss erinnert an erblindeten Pfarrer

Es ist einem Lufinger Pfarrer zu verdanken, dass es bei Dättlikon über der Töss eine Brücke gibt. Heute jährt sich sein Todestag.

Eine Tafel beim Blindensteg über der Töss bei Dättlikon erinnert an die Geschichte der Brücke.

Eine Tafel beim Blindensteg über der Töss bei Dättlikon erinnert an die Geschichte der Brücke. Bild: Markus Schär

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«Der Ort könnte an diesem Sommermorgen kaum lieblicher sein.» So beginnt ein Text des ehemaligen Pfarrers und Chronisten aus Elgg, Markus Schär, den er dem «Landboten» kürzlich zukommen liess. Darin erzählt er die Geschichte des «Blindenstegs», einer Fussgängerbrücke über die Töss, die von Dättlikon nach Embrach führt. An diesem Morgen habe sich die Sonne im Wasser widergespiegelt. Und eine Besucherin sei mit ihrem Buch auf der Kiesbank gesessen, schreibt er darin weiter.

Die Geschichte aufgestöbert

Kirchengeschichte und im Speziellen die Reformation hätten ihn schon immer interessiert, sagt der 81-Jährige. Und der Todestag von Pfarrer Hans Rebmann (1499 bis 1568), der sich am Samstag zum 450. Mal jährt, habe ihn dazu ver­leitet, der Geschichte der Brücke nachzugehen.

Ihren Namen verdankt sie nämlich ebendiesem Geistlichen, der aus dem thurgauischen Wigoltingen stammte und im ­Badischen wirkte. Weil er den Bauernaufstand im Klettgau 1521 unterstützte, nahm ihn der katholische Graf Rudolf von Sulz auf der Küssaburg in Gefangenschaft. «Hier werden dem erst 26-Jährigen zur Strafe auf bestialische Weise beide Augen ausgestochen», weiss Schär.

Erst findet Rebmann in Konstanz Zuflucht, danach in Zürich und lässt sich schliesslich in Lufingen nieder. Von dort aus initiiert er den Bau des Steges. Es sei die einzige Möglichkeit zwischen Winterthur und Rorbas-Freienstein gewesen, «den launischen Fluss» trockenen Fusses zu überqueren. Ausserdem habe es der Übergang ermöglicht, die an der Töss liegenden Gemeinden seelsorgerisch zu verbinden. Und er sei eine wichtige Abkürzung ­zwischen Dättlikon und Embrach gewesen.

Der Kanton übernimmt

Später regelte ein Vertrag zwischen der Stadt Zürich und den Gemeinden Embrach und Dättlikon den Erhalt des Blindensteges. Im 19. Jahrhundert gingen Rechte und Pflichten vom Stadtrat schliesslich an die Regierung des Kantons Zürich über.

Die hölzerne Brückenkonstruktion ist vom Hochwasser immer wieder beschädigt oder gar weggeschwemmt worden. 2010 ersetzte sie die Baudirektion durch eine 200 000 Franken teure Stahlkonstruktion. Heute ist der 38 Meter lange «Blindensteg» hochwassersicher. Wanderer und Spaziergänger können in vier Metern Höhe den Ausblick auf die Töss geniessen. Auch Schär ist für seine Recherche extra dorthin gereist, wie er verrät. (Der Landbote)

Erstellt: 25.08.2018, 10:21 Uhr

Markus Schär, ehem. Pfarrer (Bild: Judith Klingenberg)

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