FCW

Thun – der nächste Gast aus der Super League

Nach dem grossen Sieg gegen den FC St. Gallen bekommt es der FCW Ende Oktober mit einem nächsten Mittelfeldklub aus der Super League zu tun. Gast in den Cup-Achtelfinals ist der FC Thun.

Granit Lekaj (links) leistete im Mittelfeld Defensivarbeit ohne Schnickschnack.

Granit Lekaj (links) leistete im Mittelfeld Defensivarbeit ohne Schnickschnack. Bild: Freshfocus

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Am Freitag hatte Ralf Loose mit seinem FCW den kleinen Coup eines Sieges gegen den FC St. Gallen geschafft. Am Samstag beobachtete er den nächsten Gegner im Alltag der Meisterschaft, den FC Wil, der gegen den FC Zürich zwar 1:2 verlor, einer Überraschung aber ziemlich nahe kam. Und gestern Abend registrierte der Fussballehrer aus Dortmund, er werde sich nächstens auch mit dem FC Thun zu befassen haben. Einen Achtelfinal gegen die Berner Oberländer hat es schon einmal gegeben, vor genau zehn Jahren.

Damals spielten FCW und FCT noch gemeinsam in der Spitzengruppe der Challenge League, die Thuner stiegen danach mit Jung-Trainer Murat Yakin in die Super League auf. Der gehören sie seither stets an. 4:2 gewannen sie im November 2009 übrigens vor 3600 Zuschauern auf der Schützenwiese. Zweimal gingen sie in Führung, Rainer Bieli und Sven Lüscher glichen mit Elfmetern für den FCW zweimal aus, in der Verlängerung schoss Nachwuchsmann Mirson Volina zwei Tore. «Ein Klub aus der Super League ist immer ein gutes Los», sagte Loose am Sonntagabend als erstes. «Thun ist eine gute Mannschaft, fast immer eine Überraschung. Ja, es ist ein Los, das ich gerne sehe.» Es ist schliesslich ein Heimspiel, in dem ein gut spielender FCW genauso seine Chance haben kann wie eben gegen St. Gallen.

Ordentliche Einnahmen

Das war ein schöner Abend für Fussball-Winterthur. 8000 Zuschauer waren da, klar mehr als auf jedem andern Platz an diesem Wochenende. Es gab ordentliche Einnahmen, aus dem Catering, etwa 90 000 Franken aus den Ticketeinnahmen. Das allerdings vor – noch nicht bekannten – Ausgaben wie den Kosten für den Polizeieinsatz. Vernachlässigbar ist dagegen, selbst für einen bescheidenen Klub aus der Challenge League, was an Prämien vom Verband hereinkommt. Die sind ja schon fast lächerlich. 7500 waren dem FCW, aber auch dem FC St. Gallen, nach der Qualifikation für die Sechzehntelfinals sicher, für die Winterthurer kommen nun nochmals 5000 hinzu für den Platz unter den letzten 16. Insgesamt 12 500 Fränkli sind das dann.

Die drei wichtigen Punkte

Wichtiger war ohnehin die sportliche Leistung, die nach dem Rückschlag in der Meisterschaft mit dem 2:3 in Kriens wieder ein klarer Schritt nach vorne war – dorthin, wo man das Potenzial der Mannschaft nach der Vorbereitung und dem starken Startspiel gegen Aarau eingeordnet hatte. «Man hat heute gesehen», sagte Verteidiger Mario Bühler schon kurz nach Spielschluss, «dass mit dieser Mannschaft eben doch etwas drinliegt.» Dann jedenfalls, wenn sie vom Anpfiff an bereit ist, wenn die verletzungsbedingten Absenzen nicht allzu gravierend sind und wenn die taktische Aufstellung stimmt.

Gegen den FCSG war der FCW also bereit. Das Ergebnis: Im achten Pflichtspiel geriet er zum vierten Mal nicht in Rückstand, zum dritten Mal hat er danach gewonnen (wie schon in Vaduz und gegen YF Juventus) und einmal wenigstens nicht verloren (wie beim 2:2 gegen GC). Nach einem 0:1 gabs zwar einen Sieg gegen Stade Lausanne-Ouchy und den Punkt gegen Aarau, aber eben auch die Niederlagen gegen Lausanne und - vor allem – in Kriens.

Zum zweiten: Der FCW litt gegen den FCSG auch weniger unter Absenzen, obwohl der Captain Nummer 1, Davide Callà, natürlich weiterhin ein eigentlich unverzichtbarer Wert ist. Und auch Luca Radice, der Captain Nummer 1, trotz zuletzt mässigerer Leistungen noch immer ein Gewinn sein kann. Aber seit Sead Hajrovic und Granit Lekaj zurück sind; jetzt, da Mario Bühler wieder fit ist, hat Trainer Ralf Loose deutlich mehr Gewicht für die Defensive. Und es hat sich abgezeichnet, dass die Israelis mal eine ausgedehntere Chance verdienen, wie sie nun Skorer Anes Mahamid erhielt.

Ziemlich alles ging auf

Und zum dritten: Die zusätzlichen defensiven Varianten erleichterten Loose die Retusche an der Doppelsechs, die sich aufgedrängt hatte, weil Ousmane Doumbia und Gjelbrim Taipi nicht so gediegen zusammen passen wie Doumbia und Remo Arnold in der vergangenen Saison. Also spielte Taipi gegen den FCSG offensiv, gab Lekaj den klassischen, den defensiven Sechser neben Doumbia und formten Hajrovic und Bühler erstmals seit dem (starken) Start gegen Aarau wieder das Abwehrzentrum. So konnte Gabriel Isik anstelle des zuletzt etwas formschwachen Nils von Niederhäusern rechts verteidigen.

So ziemlich alles ging dann auf: Isik spielte auf der Seite, wie schon gegen Aarau, sogar besser als im Zentrum; Bühler bewies, trotz seines schwachen Tages gegen Lausanne, ein guter Innenverteidiger zu sein. Vor allem aber leistete Lekaj im zentralen Mittelfeld Doumbia die Hilfe, die dieser brauchte – mit seiner Defensivarbeit ohne Schnickschnack. Das war umso wichtiger, als Doumbia gegen St. Gallen nicht in der Form seiner besseren Tage spielte. Und Taipi war offensiver auch besser platziert als in defensiverer Rolle. Was aber noch nicht heisst, er könne sich seines Platzes in der Startelf sicher sein, wenn – beispielsweise – Callà zurück ist.

Der Kandidat aus Lugano

Die Besetzung des zentralen Mittelfelds ist die strategisch bedeutendste Konsequenz des Cupmatches. Mit einem klar defensiv orientierten Partner Doumbias geht’s besser auf, auf jeden Fall gegen starke Gegner. Am liebsten wäre FCW-Sportchef Oliver Kaiser ja gewesen, es hätte sich die Rückkehr Arnolds aus Luzern vereinbaren lassen. Aber FCL-Sportchef Remo Meyer machte nicht mit. So hält Kaiser die Augen in anderer Blickrichtung offen. Verpflichten lassen sich zu diesem Zeitpunkt der Saison ja nur Nachwuchsspieler. So einer ist Stefano Guidotti, ein 20-Jähriger aus dem Fundus des FC Lugano, 1,85 m gross, also physisch stark. In der letzten Saison hat er als Leihgabe für den FC Chiasso regelmässig gespielt, dreimal auch gegen den FCW. In dieser Saison durfte er für Lugano im Cup gegen Concordia zeitweise mittun. Am Samstag in Lausanne aber sass er – wie üblich – nicht mal auf der Bank. «Er ist ein Talent, das vielleicht mal einen Tritt in den Hintern braucht», urteilt über ihn Livio Bordoli, ehemals Trainer des FCW, zurzeit Ausbildungschef im Tessiner Verband. Er jedenfalls, sagt Bordoli, «würde es mit ihm versuchen.» Also erscheint Guidotti heute beim FCW zum Test – mal für ein paar Tage.

In einer Woche, in der es nur eines gibt: Das Heimspiel gegen Wil vorbereiten und dann bestätigen, dass die guten Eindrücke vom Match gegen St. Gallen eben doch die richtigen sind.

Erstellt: 15.09.2019, 21:38 Uhr

Cup-Achtelfinals

FC Winterthur (ChL) - FC Thun (SL)
FC Bulle (1.) - FC Rapperswil-Jona (PL)
FC Linth 04 (1.) - FC Sion (SL)
FC Béroche-Gorgier (2.) - FC Bavois (PL)
Grasshoppers (ChL) - FC Luzern (SL)
FC Lausanne-Sport (ChL) - Xamax (SL)
Stade-Lausanne Ouchy (ChL) - FC Basel (SL)
Young Boys (SL) - FC Zürich (SL)

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