Dägerlen

Traube soll Wohnhaus weichen

Zwei Pächter haben in der Traube in den letzten Jahren das Handtuch geworfen. Jetzt soll das Restaurant abgerissen werden. Das weckt Emotionen.

Das Restaurant Traube ist seit einem Jahr geschlossen. Bauvisiere zeigen das geplante Wohnhaus an. Dieses soll, mit einem Anbau versehen, L-förmig werden.

Das Restaurant Traube ist seit einem Jahr geschlossen. Bauvisiere zeigen das geplante Wohnhaus an. Dieses soll, mit einem Anbau versehen, L-förmig werden. Bild: Madeleine Schoder

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Es ist eine lange Wirtshausgeschichte, an die viele Erinnerungen geknüpft sind. Menschen mittleren Alters erinnern sich gern an den Bänne-Tanzsaal, während die Jüngeren den Bännestall kennen, in dem man vielleicht bei manchem Public Viewing dabei war. Es ist deshalb kein Wunder: Bei der Nachricht, dass die Traube in Rutschwil samt Ökonomiegebäude abgerissen werden und durch ein L-förmiges Mehrfamilienhaus mit 13 Wohnungen ersetzt werden soll, gehen bei manchen die Emotionen hoch.

«Entsetzt und traurig»

Viele Dorfbewohner seien entsetzt und traurig darüber, «dass eine auswärtige Immobilien AG das Dorf verändern kann, wie es ihr gerade passt», klagt eine Anwohnerin gegenüber dem «Landboten». Sie findet den geplanten Neubau «viel zu wuchtig» und bedauert, dass die Traube nicht unter Heimatschutz stehe.

Dass die Chancen, den Abbruch zu verhindern, schlecht stehen, ist der Einwohnerin bewusst. Dennoch will sie kämpfen und eventuell Unterschriften für den Erhalt der Traube sammeln. Mindestens der vordere Teil der Traube mit der Fachwerkfront sollte erhalten bleiben, findet sie.

«Ein Restaurant auf dem Dorf zu führen, ist einfach nicht mehr rentabel»Ernst Keller
Besitzer der Traube

Die Traube ist in der Tat nicht geschützt. Das ehemalige Vielzweckbauernhaus mit angebauter Scheune , das um 1850 erbaut wurde, ist vor drei Jahren in einem Gutachten als eher bedeutungslos eingestuft worden. Lediglich Stellung und Dimension des Ensembles seien für das Ortsbild von Bedeutung. Eine gewisse Bedeutung sei auch kulturell, sozial und wirtschaftlich vorhanden.

Die Entwicklung vom Wirtshaus zum modernen Gastrobetrieb sei am Altbau nicht spurlos vorübergegangen. Insbesondere die neuzeitliche Umgebungsgestaltung mit Gartenwirtschaft und grosser, befestigter Hoffläche für Parkplätze habe das Erscheinungsbild stark verändert, heisst es im Gutachten weiter. Die Traube wurde daraufhin nicht ins kommunale Inventar schutzwürdiger Bauten aufgenommen.

«Nicht mehr rentabel»

Besitzer Ernst Keller junior von der E. Keller Immobilien AG in Regensdorf hat in den letzten Jahren einiges versucht, das Restaurant Traube am Leben zu erhalten. «Wir haben noch einmal sehr viel Geld in die Renovation der Aussenfassade und des Restaurants gesteckt.»

Zwischen 2011 und 2017 war die Traube zweimal verpachtet. Doch beide Gastronomen, William Schuurmann und danach Stefan Leemann, warfen das Handtuch. Nun ist die Traube seit einem Jahr geschlossen. «Ein Restaurant auf dem Dorf zu führen, ist einfach nicht mehr rentabel», sagt Keller. «Und da sich kein Pächter finden liess, musste eine andere Lösung her.»

Und diese Lösung heisst Wohnungsbau. Das geplante Mehrfamilienhaus in L-Form ist vierstöckig, wobei zwei Geschosse im Dach liegen. Es wurde vom Büro HFR Architekten entworfen und ist zurzeit ausgesteckt. Das Baugesuch liegt auf der Gemeinde auf. Geplant ist laut Architekt Stefan Knöpfli «eine zeitgemässe Neuinterpretation des alten Bauernhauses». Als Bausumme sind im Baugesuch sechs Millionen Franken angegeben. (Der Landbote)

Erstellt: 03.06.2018, 17:00 Uhr

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