Töss

Unbezahlte Arbeit wertschätzen

Schon zum siebten Mal findet am 8. März, dem Internationalen Tag der Frau, in Töss ein grosses Frauenfest statt. Das von Kirchen und Vereinen organisierte Fest ist beliebt. Kein Auslaufmodell?

Organisieren das Frauenfest: Esther Müller (l), Sozialdiakonin und Hanny Hinrikson, Freiwillige der reformierten Kirchgemeinde Töss. Bild: PD

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Was wird denn gefeiert? Frauen verdienen 37 Jahre nach der Einführung des Gleichstellungsartikels in der Bundesverfassung immer noch 20 Prozent weniger als die Männer für dieselbe Arbeit.
Hanny Hinrikson: Wir wollen mit dem Fest ein Zeichen setzen für die Wertschätzung der Frauen und ihrer oft unbemerkten und unbezahlten Arbeit. Frauen tragen viel zum Funktionieren unseres Milizsystems bei, sei dies in der Familie durch die Betreuung von Kindern und die Pflege kranker oder betagter Verwandter bis zur Freiwilligenarbeit in der Gemeinde. Selbst wenn die Frauen einer bezahlten Arbeit nachgehen, bleiben Hausarbeit, Erziehung der Kinder und die Terminkoordination innerhalb der Familie je nach kulturellem Hintergrund doch meistens auch noch an der Frau hängen.

«Wir wollen mit dem Fest ein Zeichen setzen für die Wertschätzung der Frauen und ihrer oft unbemerkten und unbezahlten Arbeit.»Hanny Hinrikson

Wäre es nicht an der Zeit, Männer aktiv in die Thematik miteinzubeziehen und ein Fest für beide Geschlechter anzubieten?
Hinrikson: In der Schweizer Gesellschaft wäre das durchaus eine gute Idee. Aber Migrantinnen leben viel stärker in Frauen­gemeinschaften, die Durchmischung der Geschlechter in der Öffentlichkeit ist in einigen Kulturen nicht erwünscht. Wir legen beim Frauenfest den Fokus auf den multikulturellen Austausch; den Austausch der Schweizerinnen mit den Migrantinnen, sei dies beim Apéro, in den Workshops, beim Anstehen am Buffet oder beim Tanzen.

Was wird am Frauenfest geboten?
Hinrikson: Ein internationales Buffet, das von Frauen aus rund 20 Nationen bestückt wird, Musik, Tanz und Workshops. Jedes Jahr widmen wir das Fest einer anderen Region auf der Welt: Dieses Jahr ist Südeuropa an der Reihe. An den ersten Frauenfesten hatten wir noch Vortragende eingeladen, doch haben wir gemerkt, dass dies bei einigen Gästen der Sprache wegen ein Problem darstellt. Wir wollen ein niederschwelliges Angebot für Frauen aus allen Nationen anbieten. Essen und Tanzen sind ungemein völkerverbindend.

Das OK besteht aus den beiden Landeskirchen und verschiedenen Vereinen, darunter der Kurdische Frauenverein sowie der Tamilische Kulturverein.Gibt es da auch interkulturelle Organisationsschwierigkeiten?
Esther Müller: Ja, obwohl das bunt zusammengesetzte OK wirklich sehr gut miteinander kutschiert. Nicht jede Kultur hat dasselbe Verständnis von Pünktlichkeit oder Verbindlichkeit und Kommunikationsmissverständnisse gibt es auch immer wieder. Aber das ist wie in jeder multi­kulturellen Gemeinschaft: Man muss aufeinander zugehen, offen sein für andere Bräuche und Kulturen und vor allem flexibel bleiben. Sprachbarrieren überwinden wir, indem im OK eine Kulturvertreterin ist, die Deutsch spricht und als Schlüsselperson für die Helferinnen aus ihrem Sprachraum fungiert.

« Man muss aufeinander zugehen, offen sein für andere Bräuche und Kulturen und vor allem flexibel bleiben.»Esther Müller

Der Eintritt ist frei. Kann der Anlass durch die freiwillige Kollekte finanziert werden?
Müller: Nein, die Kollekte trägt nur zu einem kleinen Teil zur Finanzierung bei. Neben rund 560 Stunden Freiwilligenarbeit sind die Reformierte und die Katholische Kirchgemeinde Töss Hauptsponsorinnen. Weiter unterstützen uns der Reformierte Stadtverband, die Quartiervereine, die Fachstelle Integrationsförderung sowie ein paar Firmen und Stiftungen. Das Essen fürs internationale Buffet spenden viele der Köchinnen. Wer sich das nicht leisten kann, dem erstatten wir den Einkaufspreis der Nahrungsmittel zurück.

«Wir stossen mit unserem ehrenamtlichen Engagement im OK auch an Belastungsgrenzen.»Hanny Hinrikson

In Töss findet die einzige grosse Veranstaltung zum Tag der Frau in Winterthur statt. Der Andrang ist jeweils gross, Sie müssen die Teilnehmerinnenzahl aus feuerpolizeilichen Gründen auf 300 beschränken. Sehen Sie Ausbaumöglichkeiten?
Hinrikson: In Töss sicher nicht, weder saal- noch finanzierungstechnisch. Wir stossen mit unserem ehrenamtlichen Engagement im OK auch an Belastungsgrenzen. Zu Beginn, 2012, hatten wir gehofft, dass Interessierte in anderen Quartieren die Idee aufnehmen und entweder selber einen Anlass zusätzlich anbieten oder man das Frauenfest abwechselnd in einem Quartier anbieten könnte. Die Stadt hätte mit der Quartierentwicklung geeignete Stellen für eine entsprechende Koordinationsarbeit. Leider wurde aber auch in der Quartierentwicklung die Sparschraube heftig angesetzt.


Fest für Frauen aller Nationen.
Donnerstag, 8. März, ab 18.15 Uhr im ref. Kirchgemeindehaus Töss.
Eintritt inkl. Essen frei, Kollekte.

Erstellt: 04.03.2018, 14:21 Uhr

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