Winterthur

Viel Freundschaft, viel Freiheit, wenig Burschenherrlichkeit

Am Samstagabend feierte die Mittelschülerverbindung Fraternitas auf dem Bäumli ihr hundertjähriges Bestehen. Gemäss ihrer Devise dominierte die «Freundschaft in Freiheit» über das streng Studentische.

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Die Dunkelheit hat sich über die Stadt gesenkt und von allen Seiten streben jüngere und ältere Männer mit schwarzen Studentenmützen dem Bäumli zu, wo sie sich mit grossem Hallo begrüssen. Kalt ist’s, doch immerhin trocken – und klar: Der fast volle Mond bescheint die Szenerie wohlwollend. Vor der schwarz-gelb-schwarzen Fahne wurde ein Festplatz eingerichtet, auf dem Altherren-Präsident Thomas Riedel v/o Klimper nun den Antrittskantus «Ergo bibamus» anstimmen lässt.

Es folgen eine Ansprache von Erich Müller v/o Mons, die ins Gründungsjahr 1918 zurückblickt, und anschliessend ein feierlicher «Salamander», der auf Lateinisch angeleitet wird (und in dem das Bäumli «arbuscula» heisst). Bei diesem hohen, studentischen Ritual, werden die Gläser ausgetrunken und zertrümmert, was aber wohlgeordnet in ein bereitstehendes Fass geschieht. Nach dem Gaudeamus igitur, bewegen sich die Fratres im Fackelzug zum Waldschulzimmer der Holzkorporation Oberwinterthur, wo sie von wohliger Wärme empfangen werden.

Bereicherung und Jugendglück

Nachdem die beschlagenen Brillengläser geputzt und die klammen Finger wieder aufgetaut sind, findet die Gründungsfeier hier ihre Fortsetzung. Doch anders als bei anderen Verbindungen wird bei der Fraternitas nicht sofort lautstark und feuchtfröhlich pokuliert, sondern es folgt zunächst ein längerer literarischer Teil mit Liedern, Gedichtvorträgen, Reden.

 «Die Fraternitas führte uns fast spielerisch in das Erwachsenendasein hinein.»Alfred Richli v/o Admet,
der älteste Teilnehmer

Der älteste Teilnehmer, Alfred Richli v/o Admet (mit seinen 90 Jahren nur zehn Jahre jünger als das Geburtstagskind!), blickt zurück in seine Aktivzeit 1947/48: «Wir haben Diskussionen geführt, gesungen und musiziert, Verse geschmiedet und Theater gespielt, Vorträge angehört und selber gehalten», sagt er und resümiert, «Die Fraternitas führte uns fast spielerisch in das Erwachsenendasein hinein, indem sie unsere Ideen, unseren Einsatz, unseren Respekt vor den Mitmenschen verlangte und uns Achtung lehrte.»

Und ausserdem – fügt er schelmisch an – «die Bereitschaft, das Leben zu feiern». Er habe «für Bereicherung und Jugendglück» zu danken sowie für den grossen Erinnerungsschatz, den er gewonnen habe.

Inzwischen knurren die Mägen vernehmlich und nach dem obligaten Lied «Ça, ça geschmauset» wird ein einfaches Nachtessen serviert. Danach folgt der gemütliche Teil, der am späteren Abend mit einem stimmungsvollen Crambambuli (eine Art Feuerzangenbowle) abgerundet wird.

Erstellt: 20.01.2019, 16:30 Uhr

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