Hitze

«Viele ältere Personen leiden stark unter der grossen Hitze»

Die Hitzewelle hat Europa fest im Griff. Für ältere Menschen stellen die hohen Temperaturen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Alterszentren, Spital und Spitex versuchen dieses zu lindern.

Willkommene Abkühlung:  Die Hitze setzt Senioren zu.

Willkommene Abkühlung: Die Hitze setzt Senioren zu. Bild: Archivbild: Marc Dahinden

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Das Thermometer zeigt konstant Temperaturen über dreissig Grad an, und ein Ende ist nicht in Sicht. Das kann gerade für ältere Menschen lebensbedrohlich werden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat im technischen Risikobericht 2015 Hitzewellen als eine der grössten Bedrohungen für die Schweiz klassifiziert. Im Rekordsommer 2003 starben 975 Menschen aufgrund der Hitze, die meisten waren über 65 Jahre alt. Denn der Körper verändert sich im Alter. Die Wärmeregulierung läuft langsamer, da Senioren weniger aktive Schweissdrüsen und ein geringeres Volumen an Flüssgkeit besitzen. Bei langanhaltender Hitze besonders gefährdet sind Menschen mit Kreislauf-, Herz und Atemproblemen.

Kontrollbesuche der Spitex

Im Kantonsspital Winterthur gibt es bis jetzt zwar noch keinen Anstieg der Zahl der Patienten mit hitzebedingten Kreislaufproblemen, wie KSW-Sprecher Michael Baumann sagt. «Wenn die Hitzeperiode aber weitergeht, ist damit zu rechnen, dass sich das ändert». Das bestätigt Markus Wigger, Spitex Zentrumsleiter in Seen. «Viele der von uns betreuten, älteren Personen leiden stark unter der grossen Hitze.» Diese Rückmeldung habe er von verschiedenen Spitex-Zentren in Winterthur erhalten.

Die Betroffenen seien müder als üblich, leiden an Appetitlosigkeit und klagen über Atem- und Kreislaufprobleme sowie Schwindel. Weil viele Leute bei diesen Temperaturen stärker schwitzen, würden auch vermehrt Hautirritationen auftreten. Die Körperpflege durch die Spitex sei darum wichtiger geworden.

Viele verlassen Zuhause nicht

Zudem nehme die Schlafqualität ab und viele Personen würden den Gang nach draussen, in die Sonne, vermeiden. «Das führt dazu, dass sie sich noch isolierter fühlen», sagt Wigger. Das stellt auch Monika Greter, Sozialberaterin bei Pro Senectute Kanton Zürich, fest. «Uns fällt vor allem auf, dass viele ihr Zuhause gar nicht mehr verlassen und ihre Termine, auch bei uns, absagen, weil es zu heiss sei.»

Die städtische Spitex bietet ihren Kunden zurzeit Kontrollbesuche an. Wichtig sei dabei, sie zu erinnern, morgens die Wohnung zu lüften, den Tag hindurch die Rollläden zu schliessen und genügend zu trinken, sagt Wigger. Das fällt vielen schwer, da das Durstempfinden bei älteren Menschen abnimmt.

Gratisglacé im Spital

Auch in den fünf städtischen Heimen und dem Kantonsspital Winterthur werden Massnahmen gegen die langanhaltende Hitze ergriffen. Das Heimpersonal achte darauf, die Räume möglichst kühl zu halten, und die Bewohnerinnen und Bewohner anzuhalten, genügend zu trinken. Teilweise müssen die 1.-August-Feiern zudem in gekühlte Innenräume oder schattigere Aussenplätze verlegt werden.

Auch im KSW wird zurzeit jeden Morgen fleissig gelüftet. Dabei werden Fenster und Türen geöffnet, eine Stellwand bietet trotzdem Sichtschutz. Neben einigen Ventilatoren, werden zudem sogenannte Coolpacks angeboten, ein in Plastik eingeschweisster Gel, der gekühlt wird, sagt KSW-Sprecher Michael Baumann. Wenn das alles nichts hilft, kann es vielleicht ein Glacé richten. Dieses bietet der KSW seinen Patienten zurzeit gratis an. «Das alles ist zwar ein Mehraufwand für das Personal, aber bis jetzt ohne Personalaufstockung machbar.» (Der Landbote)

Erstellt: 01.08.2018, 15:07 Uhr

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