Region

Viele melden Wildunfälle nicht

Nicht nur während der Brunftzeit der Rehe im Sommer, sondern auch im Herbst ereignen sich viele Wildunfälle. Laut den Wildhütern lässt manch ein Autofahrer die Tiere verenden, statt den Unfall zu melden – wohl oft, weil er Alkohol getrunken hat und sich vor einer Busse fürchtet.

Besonders gefährlich für eine Kollision mit Wild sind Strecken, die an einem Wald entlangführen.

Besonders gefährlich für eine Kollision mit Wild sind Strecken, die an einem Wald entlangführen. Bild: Archiv ZU

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Fünf Rehe, drei Wildschweine und einige Füchse sind dieses Jahr im Revier Höriberg wegen Unfällen gestorben. Oft kommen diese im Sommer, während der Brunftzeit der Rehe, vor. «Dann jagen die Böcke die Geissen umher oder kämpfen mit anderen Männchen», erklärt Daniel Oswald, einer der beiden Wildhüter des Reviers. Durch ihre Aktivitäten abgelenkt, werden die Tiere unvorsichtig und springen schnell einmal auf die Strasse.

Besonders gefährlich ist auch die Zeit, in der Mais und Weizen hochgewachsen sind. Dann kann es zum Beispiel vorkommen, dass eine Geiss mit ihren Jungen unterwegs ist. «Mancher Autofahrer sieht zwar das Muttertier, rechnet aber nicht mit den Jungen, die plötzlich nach ihm vom Maisfeld auf die Strasse springen», führt Kaspar Ganz, Wildhüter im Revier Bachenbülach, aus. Aber auch jetzt im Herbst, wenn es früh eindunkelt, kommt es oft zu Unfällen. Die Sicht ist wegen der Dunkelheit eingeschränkt und die Bremswege sind bei nasser Strasse länger.

Das abgefallene Kennzeichen

Wer mit einem Wildtier kollidiert, muss am Strassenrand anhalten, die Warnblinker anstellen, die Unfallstelle mit einem Warndreieck sichern und die Polizei informieren. Danach sollte er warten, bis der Wildhüter eintrifft, den die Polizei verständigt hat. Dieser gibt dem verletzten Tier den Gnadenschuss und dem Autofahrer ein Protokoll, das er seiner Versicherung für die Begleichung des Schadens vorweisen muss. Wenn der Autofahrer den Unfall nicht meldet, macht er sich strafbar. Dennoch kommt es oft vor, dass Lenker einfach weiterfahren, ohne die Polizei zu kontaktieren. «Dies ist oft der Fall, wenn jemand Alkohol getrunken hat und sich vor einer Busse fürchtet», sagt Ganz, «dann lassen sie die Tiere einfach verenden.» Oft höre er später die Ausrede, dass man den Vorgang nicht gekannt habe. Gestaunt hat Ganz über zwei Unfälle, bei denen zwei Dachse tot inmitten der Strasse lagen. «Die Polizei hat nachts den Verkehr geregelt, statt die Tiere mit Handschuhen an den Strassenrand zu legen.»

Auch Daniel Oswald ist immer wieder mit Lenkern konfrontiert, welche den Unfall nicht melden. Er schätzt, dass etwa die Hälfte der Autofahrer einfach weiterfährt. Wie Ganz vermutet auch er, dass oft der Alkoholkonsum für das Verhalten verantwortlich sein könnte. Seit sieben Jahren ist Oswald im Revier Höriberg, zu dem das Neeracherried gehört, tätig. Er kann sich noch an einen Unfall erinnern, bei dem ein Fahrer keine Meldung erstattet hat. «Wir haben später aber sein Autokennzeichen am Unfallort gefunden», erzählt Oswald. Manchmal müsse er die Autofahrer auch trösten nach der Kollision. Wenn die verletzten Tiere weggelaufen sind, sucht Oswald diese mit seinen Hunden – dem Ungarischen Vorstehhund oder dem Deutschen Dackel. Die längste Suche nach einem Tier hat zwei Stunden gedauert.

Fleisch meist ungeniessbar

Gegessen wird das Fleisch von angefahrenen Tieren aus Hygienegründen meist nicht. «Es müsste schon alles stimmen, dass man es verzehren könnte», sagt Ganz. So dürfe es nicht zu lange an der Unfallstelle gelegen haben. Auch innere Verletzungen sollten nicht vorhanden sein. Ungeniessbar ist das Fleisch oft auch wegen des ausgeschütteten Adrenalins.

In der Regel nehmen die Wildhüter das Tier mit und bringen es in die Kadaverentsorgungsstelle, wo es verbrannt wird. «Es kann aber sein, dass manche Teile unversehrt und geniessbar sind. Dann werden diese innerhalb der Jagdgesellschaft verwertet», sagt Ganz. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 30.10.2015, 20:48 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben