Bezirksgericht

«Von der Neugier übermannt den Verstand ausgeschaltet»

Am Montag stand ein Mann vor Bezirksgericht, der über tausend Kinderpornos und weitere illegale Dateien heruntergeladen hatte. Das Urteil war in wenigen Minuten klar.

Im Netz tauschte der Mann die Dateien mit anderen aus. (Symbolfoto)

Im Netz tauschte der Mann die Dateien mit anderen aus. (Symbolfoto) Bild: Reuters

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Gross und kräftig ist der Beschuldigte, Handwerker von Beruf. Die Nackenmuskulatur, die mit seiner Glatze verschmilzt, ist imposant. Die Stimme des Mittvierzigers war gestern vor dem Bezirksgericht jedoch das pure Gegenteil: Schwach und leise. Man hört ihn kaum, wenn er der Richterin antwortet. Sein Kopf läuft rot an.Über 1000 Filme und fast 5000 Bilder mit Kinderpornographie hatte er sich heruntergeladen. «Im Wesentlichen Kleinkinder bzw. Kinder bis zehn Jahre» steht dazu in der Anklageschrift. Weiter besass er über 1000 Filme und Fotos, in denen sexuelle Gewalt gezeigt wurde. Eingequetschte oder durchstochene Geschlechtsteile waren darauf zu sehen. Noch einmal knapp tausend Dateien zeigten Sex mit Tieren, «namentlich Hunde und Pferde», heisst es dazu. Ein Film wird hervorgehoben. Darauf zu sehen: Wie sich eine Frau mit einem Strick erhängt. Insgesamt besass der Beschuldigte auf sechs Festplatten 1762 Filme und 5947 Fotos.

Dateien im Netz getauscht

All diese Dateien beschlagnahmte die Kantonspolizei bei einer Hausdurchsuchung. Der Beschuldigte wohnt mit seiner Frau und Tocher in der Region.

Über eine Internet-Tauschbörse war er in den Besitz der verbotenen Pornographie gekommen. Einige Dateien, darunter jedoch keine Kinderpornographie, gab er anderen Nutzern zum Download weiter. Die Tauschbörse funktioniert so, dass nur herunterladen kann, wer auch Dateien hochlädt.

Laut Anklageschrift spielte sich das Ganze zwischen 2011 bis 2014 und 2016 bis 2017 ab.

«Weil es nicht schön ist»

Der Beschuldigte hatte sich im Vorfeld mit der Staatsanwaltschaft auf ein abgekürztes Verfahren geeinigt. Im Eiltempo wird die Hauptverhandlung gestern Nachmittag durchgeführt.

«Es tut mir leid und ich bereue es sehr. Das Ganze wird nicht mehr vorkommen», sagt der Beschuldigte als Erstes. Ausser ihm sitzen nur Frauen im Hauptgerichtssaal.

Ob er verstehe, warum gewisse Pornographie verboten sei, fragt die Richterin. «Ja, weil es nicht schön ist. Auch für die betroffenen Kinder.» Ihn habe «die Neugier übermannt» und dabei seinen «Verstand ausgeschaltet».

«Es tut mir leid und ich bereue es sehr. Das Ganze wird nicht mehr vorkommen.»

Der Beschuldigte vor Bezirksgericht

Nach einer kurzen Befragung zu seiner Person spricht die Verteidigerin noch davon, dass es eine «massive Belastung» für ihren Mandanten gewesen sei und man ihm durch sein geständiges Verhalten eine gute Prognose ausstellen könne. Worin diese Belastung bestand, wurde nicht ausgeführt. In Untersuchungshaft befand sich der Beschuldigte nie.

Dann war die Hauptverhandlung nach zwölf kurzen Minuten beendet, das Gericht zog sich zu einer viertelstündigen Beratung zurück.

Die Staatsanwaltschaft, die nicht anwesend war, hatte zuvor eine eine zwingende Busse von tausend Franken sowie eine bedingte Geldstrafe in der Höhe von 30 000 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren gefordert.

«Unbescholtener Bürger»

Diesem Urteilsvorschlag entsprach das Gericht: «Wir finden die Strafe angemessen.» Insbesondere, wenn man den Zeitraum beachte, in dem er die Filme und Fotos heruntergeladen habe. «Sie sind ein Ersttäter und sonst ein unbescholtener Bürger.» Er müsse sich nun aber wohl verhalten.

Die sechs beschlagnahmten Festplatten sowie ein Laptop werden nun zerstört. Nebst der Busse muss der Verurteile auch noch die Verfahrenskosten übernehmen, diese belaufen sich auf rund 6500 Franken.

Summen, die den Täter wohl nicht allzu sehr belasten werden. Während der Befragung gab er an, dass er ein Vermögen von rund 350 000 Franken besitzt.

Erstellt: 17.12.2018, 17:55 Uhr

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