Flaach

Von Orang Utans im Auenwald

Das Naturzentrum Thurauen hat am Sonntag Saisoneröffnung gefeiert. Die neue Ausstellung widmet sich dem Regenwald. Sie zeigt, was dieser mit dem Wald an der Thur gemeinsam hat. Und sie wird beim Thema Palmöl politisch.

Für Orang Utans ist es in Flaach zu kalt: Das Naturzentrum Thurauen schlägt den Bogen zwischen Regen- und Auenwald.

Für Orang Utans ist es in Flaach zu kalt: Das Naturzentrum Thurauen schlägt den Bogen zwischen Regen- und Auenwald. Bild: Enzo Lopardo

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Ein giftgrüner Frosch war auf dem Bild zu sehen, etwa faustgross, inmitten von nassen Blättern. Aber wo ist das Tierchen zu Hause? In der Auenlandschaft an der Thur oder im fernen tropischen Regenwald? Über dieses und andere Tiere rätselten die Besucher des Naturzentrums Thurauen in der neuen Ausstellung «Vielfalt Auen- und Regenwald: Wie lange noch?» bei der Saisoneröffnung am Sonntag.Melanie Graf, Geographin und Praktikantin im Naturzentrum, half weiter. Das grüne Tierchen war ein Laubfrosch, wie es ihn bei uns gibt. Auch der knallig gelbe Vogel war zur Überraschung der meisten Besucher kein Tropenvogel, sondern ein bei uns heimischer Pirol. Interessiert folgten die zwölf Besucher Grafs Ausführungen. Dass nicht mehr Personen den Weg nach Flaach gefunden hatten, mag dem winterlichen Wetter zugeschrieben werden. In vergangenen Jahren war das Eröffnungsfest des Naturzentrums auf jeden Fall jeweils besser besucht gewesen.

Grosse Artenvielfalt

Der Motivation des Teams aus langjährigen Mitarbeitern und neuen Praktikanten und Zivildienstlern tat dies aber keinen Abbruch. Umso mehr Zeit nahmen sie sich für Fragen, und auch die Führung funktionierte in der kleinen Gruppe gut.

«Gemeinsam ist dem Regen- und dem Auenwald das Wasser», erklärte Graf. Ein Auenwald sei ein Wald, der regelmässig überflutet werde. So wie es die Thur seit ihrer Renaturierung 2011 mit dem umliegenden Wald wieder tue. So entsteht ein äusserst artenreicher Lebensraum. Die Artenvielfalt verbindet die beiden Waldtypen. Der tropische Regenwald weist die absolut höchste Anzahl verschiedener Tier- und Pflanzenarten auf. Der Auenwald kann damit nicht mithalten ­-­ er hat aber verglichen mit allen anderen Lebensräume in Mitteleuropa die höchste Artenvielfalt.

Zerstörung in vollem Gange

Beide Lebensräume seien aber auch bedroht, so Graf weiter. Während die Thur bereits renaturiert wurde, und damit hier ausgestorbene Tiere wie der Biber wieder zurückkehrten, ist die Zerstörung des Regenwaldes in vollem Gange. Stichwort Palmöl: Um das billige Öl in der nachgefragten Menge produzieren zu können, holzen Plantagenbesitzer in Indonesien quadratkilometerweise Regenwald ab.

Dagegen wehren sich Umweltschutzorganisationen, darunter auch die Stiftung PanEco aus Berg am Irchel. Sie betreibt in Indonesien ein Orang-Utang-Schutzprogramm, und sie verbindet das Thema nun mit der Sonderausstellung im Naturzentrum in Flaach, welches auch von der Stiftung betrieben wird.

So ist die Ausstellung ungewohnt politisch. Sie zeigt, dass artenreiche Waldflächen, wie es sie an den Thurauen gibt, keine Selbstverständlichkeit sind und sie regt an, den eigenen Palmöl-Konsum kritisch zu hinterfragen. Der Rundgang endete mit der Frage, weshalb keine Orang Utans im Auenwald leben. Dies taten sie vor etwa 17 Millionen Jahren durchaus. Heute ist es für die Menschenaffen in unseren Breitegraden aber zu kalt - Nicht nur an einem winterlichen Sonntag wie gestern. (Landbote)

Erstellt: 18.03.2018, 18:37 Uhr

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