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Von Statisten der Statistik

Die Stadt wächst weiter, das besagen die neusten Zahlen. Das und noch viel mehr, wie eine kleine Auswertung zeigt, die auch die Frage aufwirft: Was bloss haben die Spanier gegen Winterthur?

Wieviele im Ausland geborene Ausländer leben in Seen-Ost? Wenige, wie der Quartierspiegel zeigt.
Wieviele im Ausland geborene Ausländer leben in Seen-Ost? Wenige, wie der Quartierspiegel zeigt.

Mit Statistiken lässt sich alles beweisen, nur nicht die Wahrheit, heisst es. Ein jeder pickt sich aus einer Tabelle heraus, was er eben herauslesen will, bewusst oder unbewusst. Selbst eine scheinbar unverfängliche Zahl wie die des jährlichen Bevölkerungswachstums, lässt die Gedanken kreisen: Was sind die Treiber? Was spricht für Wachstum in einer kleinen Grossstadt und was dagegen? Vorerst unbestritten: 112 121 Personen lebten Ende 2016 in Winterthur, 1561 mehr als im Jahr ­zuvor, plus 1,5 Prozent, bei einer Nettozuwanderung von 1044 ­Personen. Das gab die städtische Fachstelle Statistik kürzlich bekannt und verschickte einen Link zu Tabellen mit Daten zu Stadtkreisen und Quartieren, ohne Analyse allerdings. Wie auch, bei einem statistisch vernachlässigbaren Stellenetat von 60 Prozent (Stadt Zürich: 2510). Eine Analyse kann auch diese kleine, zufällige Umschau nicht bieten. Vielleicht ein paar Skurrilitäten und sicher viel unnützes Wissen.

Mit 1,5 Prozent lag das Bevölkerungswachstum im zehnjährigen Durchschnitt und war etwas höher als in der Stadt Zürich (+1,3). Geht es so weiter, holt Winterthur im Schneckentempo auf und istin zehn Jahren nur noch 3,6-mal kleiner als Zürich statt 3,7-mal. Bei der Fachstelle geht man allerdings davon aus, dass Winterthur mittelfristig langsamer wächst. Ist die rückläufige Anzahl Geburten (1222, –112) dafür bereits ein erster Vorbote? Die Boomquartiere 2016 waren die Kreise Stadt (+479 Einwohner), vor Wülflingen (+378) und Oberi (+353), wie der Vorjahresvergleich zeigt. Viele Zahlen zu klauben gibt es zur Staatsangehörigkeit; das ist ein politisches Minenfeld, aber der statistische Quartierspiegel weist die Zahlen besonders minutiös aus (die Stadtzürcher Kollegen setzen andere Schwerpunkte). Der Ausländeranteil liegt bei 24,1 Prozent, +0,3 (Zürich: 32,1/+0,1). Der Anteil der im Ausland geborenen Ausländer bleibt in Töss am höchsten (39 Prozent), besonders im Eichliacker-Quartier (41), in Oberseen sind es tiefe 21, in Ricketwil noch 6 Prozent.

A ti te gusta Winterthur?

2011 haben die Deutschen (heute 5576) die Italiener als grösste Ausländergruppe abgelöst. In den letzten zehn Jahren haben sie stark zugelegt (+1848), auch die Asiaten (+628). Die Hälfte der Deutsch-Winterthurer lebt in den Kreisen Stadt und Oberi. In Wülflingen, Seen und Töss sind nach wie vor die Italiener die grösste Gruppe. Doch wo bloss fühlen sich die Spanier wohler als in Winterthur? Hola?! Auf zarte 716 (Portugiesen: 1084) sind sie in den letzten Jahren zusammengeschrumpft. Wie bei den Italienern, Serben und Türken könnten die Einbürgerungen einen Teil des Rückgangs erklären. Wie auch immer: Zürich bürgerte 2015 mit 9,2 pro 1000 Einwohner fleissiger ein als Winterthur (6,4). Zum Schluss noch zwei unnütze Fünferwerte: Jeder fünfte Ausländer in Winterthur ist in der Schweiz geboren. Und nur fünf Personen mit Migrations­hintergrund sind älter als 95, vier Frauen und ein Mann.

Zum Alter: Winterthurs Seniorenmekka liegt im Osten, in Seen. Nirgends ist der Ü65-Anteil höher (19 Prozent), gefolgt vom Mattenbach (17). Im Quartier Waldegg ist jede und jeder Vierte Rentnerin oder Rentner, während in Töss die Jugend blüht, mit 22 Prozent U19. Und erst in der Aussenwacht Iberg: 32 Prozent!

Selbst auf den Quartier-Lifestyle kann, wer will, aus den Tabellen schliessen, mittels Zahlen zu Wohnform und Zivilstatus: Singles haben in der Altstadt wohl die besten Chancen, bei 65 Prozent ledigen Nachbarn, 1325 an der Zahl. Die Seemer wiederum sind oft schon vergeben, bei einer Ehequote von 45 Prozent.

Vermeintliche Schweizer-Riesen-WG

Nun zur Wohnform: Egal ob Ausländer oder Schweizer, beide ­leben bevorzugt alleine oder zu zweit, und in jedem achten Haushalt leben sie (sogar) gemeinsam. Sogenannte Kollektivhaushalte, Monster-WGs mit 13 Bewohnern oder mehr, scheinen nicht mehr sonderlich angesagt. Immerhin, 41 gibt es noch. In drei davon, tatsächlich, streiten ausschliesslich Schweizer um den Ämtliplan. Gerne würde man dort einmal auf einen Schieber vorbeischauen. Doch GPS-Koordinaten sind nicht Teil der Statistik. Wer auf den Quartierspiegel als Kompass vertraut, der versuche sein Glück in den Quartieren Ricketwil, Neuburg und Hardau. Dort liegen die «in der Schweiz geborenen Schweizerinnen und Schweizer» zwischen 86 und 90 Prozent.

Oder aber er lüftet sein Hirn vom Zahlendunst, erkundigt sich direkt bei der Fachstelle und lernt: Kollektivhaushalte, das sind «Gruppen von Personen, die gemeinsam, aber ohne selbstständige Haushaltsführung in Pensionen, Heimen, Internaten, Spitälern, Gefängnissen, Klöstern und so weiter wohnen».

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