Flaach

Wahrscheinlich wird sie nie fertig

Uta Köbernick denkt philosophisch und musiziert leichtfüssig. Das Unvollendete ist ihr ein Abend wert.

Uta Köbernick: Schauspielerin und Physikstudentin.

Uta Köbernick: Schauspielerin und Physikstudentin. Bild: PD

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Sie hat sich durchgesetzt: Ute Köbernick, deutsche Bühnenkünstlerin, spricht schwyzerdütsch, obwohl ihr Schweizer Umfeld davon abgeraten hat. «Das muss man erst mal ein paar Jahre aushalten», sagt die geborene Ostberlinerin. Aber ihr Interesse an Mani Matter war stärker. Als Liedermacherin wollte sie – schon in Deutschland – seine Texte verstehen und nachsingen können. Inzwischen lebt sie seit 19 Jahren in der Schweiz und wird von der Winterthurer Agentur Kulturbau gemanagt. Der Erfolg der vielfach mit Kleinkunst- und Kabarettpreisen ausgezeichneten Schauspielerin hält an, auch wenn die Mutter eines elfjährigen Sohnes inzwischen etwas kürzer tritt. Am Samstag stellt sie ihr neues Programm «Ich bin noch nicht fertig» im Theater Alti Fabrik vor.

«‹Ich bin noch nicht fertig›, ist oft eine faule Ausrede», erklärt Uta Köbernick, die sich selbst auf der Gitarre, Geige und Ukulele begleitet. Über diese verschiedenen Situationen, in denen man sich damit erklären und entschuldigen möchte, hat sie lange reflektiert. «Der Titel ist für mich auch eine Legitimation, neue Dinge auszuprobieren, damit man nicht starr wird.» So ist, wie immer bei ihr, ein geistig fordernder, dichter Abend entstanden – die seichte Unterhaltung ist Uta Köbernicks Sache nicht. «Es wird nicht von allen nicht geschätzt, dass ich eine gewisse Überreizung im Programm habe, aber es ist nicht zu verhindern», gibt sie zu. Die 43-Jährige stapelt tief, wenn sie auf der Bühne zu Beginn verkündet: «Ich singe Lieder und sage Sachen – nur damit Sie dann nicht irritiert sind, wenn genau das passiert.»

Seit zwei, drei Jahren befasst sie sich auch mit Quantenphysik. Sie möchte wissen, was Tempo ist, wieso Zeit verschwindet und wohin? Und sie wäre nicht sie selbst, wenn sie dabei nicht das Bedürfnis hätte, einen gewissen Widerstand zu leisten. Köbernick findet es spannend, auf dem immer schneller drehenden Karussell nicht mitzufahren. «Wie viel Wert hat es, drei Stunden vor sich hinzudösen», fragt sie vielmehr, «was ist Effizienz?» Oder was bedeute das Zögern?

Ihr Querdenken hat ihr viel Aufmerksamkeit und Anerkennung eingebracht. Sie tritt im deutschen Fernsehen in der Kabarettsendung «Die Anstalt» auf und gestaltet «Früh-Stücke» auf Radio SRF2 Kultur. «Die Früh-Stücke werden nach fünf Jahren zum Sommer hin abgesägt», sagt sie. Grundsätzlich arbeite sie gern im Radio, es entspreche ihr sehr. «Ich bin nicht abgelenkt durch das Optische. Man kann sich mehr auf die Stimme und die Sache konzentrieren.»

Sie ist ihre eigene Studentin

Durch ihr «selbst ausgesuchtes Studentenleben», die Beschäftigung mit Physik und Biologie, speziell Genetik, dürfte ihr aber nicht langweilig werden. «In der Schule war das nicht mein Ding», sagt sie, aber mit 40 habe sie entdeckt, dass sie das brennend interessiere. «Vor einigen Jahren waren die Naturwissenschaften noch viel getrennter, aber das wächst zusammen.» Sie liest viel und brauche Menschen, die ihr die Zusammenhänge in ihre Sprache übersetzten und erklärten. «Man muss erst mal neu, unzensiert denken», sagt sie, «lernen ohne zu bewerten». Das sei eine gute Übung, die man auch aufs Politische oder Private anwenden könne. Es helfe, die Schere im Kopf zu entfernen. Um die Zusammenhänge besser zu begreifen, macht sie sich Aufzeichnungen und schreibt ihr eigenes Glossar, da merke man erst, was man verstanden habe.

Eine berlinerische Färbung

Weil «Ich bin noch nicht fertig» zurzeit ihr künstlerisches Experimentierfeld ist, hat sie dafür eine Figur geschaffen: Tanja Ostkreuz. «Ich habe sie dort verortet, wo ich herkomme, damit sie einfach so los reden kann – das war sehr befreiend», sagt Köbernick, die nach eigenen Angaben «recht gut berndeutsch» spricht. «Wir leben in einer Welt, in der es normal ist, dass man an verschiedenen Orten wohnt und sich so einbringt», erklärt sie. Sie dürfe als Tanja Ostkreuz aber nicht zu stark in ihren Dialekt gehen – «ich gebe dem nur eine berlinerische Färbung» – damit sie von ihrem Schweizer Publikum verstanden werde.

Uta Köbernick, Samstag, 15. Juni, 20 Uhr. Theater Alti Fabrik Flaach, Wesenplatz 4. Tickets: Fr. 35/18 (Lehr./Stud.), Reservation: 078 637 71 83. www.altifabrik.ch

Erstellt: 09.06.2019, 19:52 Uhr

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