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Was im Schloss Hegi einst getrieben wurde

Den historischen Führungen im Schloss Hegi wird schon seit Jahren mit schauspielerischer Einlagen Leben eingehaucht. Jetzt sind diese Aufführungen neu konzipiert und historisch verfestigt worden. Am Sonntag war Premiere.

Der Vogt kommt zwar nicht, bereitstehen müssen trotzdem alle. Mit szenischen Zwischenspielen macht der Verein Schloss Hegi aus der historischen Führung ein kleines Theaterspektakel.
Der Vogt kommt zwar nicht, bereitstehen müssen trotzdem alle. Mit szenischen Zwischenspielen macht der Verein Schloss Hegi aus der historischen Führung ein kleines Theaterspektakel.
Willi Schudel

«Wo ist er eigentlich, der Vogt?», fragt der Vertreter des hohen Rates aus Zürich. «Wir finden ihn nicht», entgegnet der Schreiber, «wahrscheinlich hat er sich im Walde verritten.» Der Dialog der beiden historisch gewandeten Darsteller beim Seiteneingang zum Schloss Hegi bildet den Auftakt zu den neu konzipierten szenischen Einlagen der Schlossführungen. Die Eingangsszene zeigt, wie damals im 17. Jahrhundert das Volk zusammengerufen wurde, um einem neu eingesetzten Vogt zu huldigen. «An diesem Freudentag müssen die Untertanen den heiligen Eid auf den neuen Vogt leisten», gebietet der Gesandte des Rates. Und: «Wer den Eid nicht leistet, wird bestraft».

Jeder kriegt einen Schilling

An dieser Stelle erfolgt lautstarkes Aufbegehren aus dem Kreise der Untertanen. In derber Sprache hinterfragen eine Grossbäuerin und ihre Schwester den Sinn der Zeremonie. Erst als man vom «opulenten z’Mittag» hört, der anschliessend aufgetischt werde, beruhigen sich die beiden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schlossführung werden in der Folge in das Szenenspiel miteinbezogen. «Alle haben sich auf einer Linie aufzustellen und sich dem leider abwesenden Vogt, der aber durch den Schreiber vertreten ist, als untertänig zu erklären», lautet die Anweisung. Diese erste Sequenz des szenischen Rundgangs endet damit, dass im Namen des Vogtes jedem Untertan ein Schilling übereicht wird.

«Wer den Eid nicht leistet, wird bestraft.»

Ein Entsandter

In der Burg erwartet Peter Niederhäuser die Besucher. Er gibt einen Einblick in die reiche Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner gibt. Im Laufe des Rundganges in der unteren Vogtstube angekommen, folgt schon die nächste Inszenierung. Auftritt: Barbara von Hohenlandenberg. Es ist Anfang des 16. Jahrhunderts. Auf Schloss Hegi erwartet man die Ankunft des Sohnes, Hugo von Hohenlandenberg mit seinem Gefolge. Stolz berichtet die Schlossherrin, dass ihr Sohn im Jahre 1496 zum Bischof von Konstanz geweiht wurde.

Wie schon in der ersten Szene verzichtet der Autor und Regisseur Marius Leutenegger in manchen Dialogen darauf, akribischen am historisch Verbürgten festzuhalten; die kurzen Szenenspiele sind eine wohltuende Auflocherung. Weil unklar war, wann der Besuch aus Konstanz eintreffen würde, lässt er beispielsweise die Magd sagen: «Diä ungenauä Zitagabä sind scho blöd, es isch Zit, dass ändlich d’Isäbahn erfundä wird.»

Zufällig mit Namen Hegi

Als weitere historische Figuren tritt das Ehepaar Friedrich und Isabella Hegi auf. Mit dem geerbten Vermögen seiner Gattin erwarb der Historiker, zufällig mit Nachname Hegi, im Jahr 1915 das zu diesem Zeitpunkt heruntergekommene Schloss und liess es instand stellen. In den Zwiegesprächen der Eheleute wird auf ergötzliche Weise auf die damaligen Geschlechterverhältnisse und die Rolle der Frau angespielt.

«Die ungenauä Zitagabä sind scho blöd.»

Eine Magd

Die Laienschauspieler der Theatergruppe des Vereins Schloss Hegi bewältigten sowohl die historisch anspruchsvollen wie auch die witzigen Passagen mit Bravour. So dargebracht, lasse man sich selbst an einem Sonntagmorgen gerne auf eine Geschichtsstunde ein, lautete jedenfalls der Tenor des Publikums beim anschliessenden Premieren-Apéro im Schlossgarten.

Weitere Führungen mit szenischen Einlagen gibt es an jedem ersten Sonntag im Monat, Start jeweils um 10.30 Uhr (Sommerhalbjahr)

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