Zirkuspremiere

Was steckt drin im «Circus Beat Breu»?

Wenige Tage vor der Zirkuspremiere von Radsportlegende Beat Breu ist über das Programm kaum mehr bekannt, als dass die Tiernummern ausfallen werden. Ein Rundgang auf dem Teuchelweiherplatz lässt allerdings Rückschlüsse zu.

Am Montag feitert der «Classic Circus Beat Breu» in Winterthur Premiere.

Am Montag feitert der «Classic Circus Beat Breu» in Winterthur Premiere. Bild: Marc Leutenegger

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Das ist nicht die übliche Hektik, die man mit dem Zirkusleben verbindet: Auf dem Teuchelweiherplatz scheinen am Freitagmorgen alle im Bummelgang unterwegs. Ein Arbeiter bastelt auf dem Kassenhäuschen an einer Leuchtschrift, er läuft zweimal, weil er eine Lichterkette vergessen hat. Unter dem Vorzelt scherzt Heidi Breu mit den Zirkusleuten über das Sprachengemisch. «Parlo un po’ italiano», sagt sie. Und seit sie letztes Jahr mit ihrem Mann Beat ein Bistro im Circus Royal führte, sogar etwas Englisch. Alle lachen. Zirkus ist eine internationale Welt.

Aus Berlin wird Breu: Auf dem Teuchelweiherareal erinnert das Material des Circus Beat Breu da und dort noch an seine Vergangenheit: Ob bei den Leuchtbuchstaben an der Kasse...

Das verraten auf dem Platz auch die Kennzeichen. Die Sattelauflieger sind in Deutschland zugelassen, in den Kreisen Segeberg und Nürnberg Land, einer in Österreich. Fast alle sind sie frisch gestrichen und mit «Circus Beat Breu» angeschrieben. Darunter schimmert, wie ein Schatten, der alte Schriftzug hervor. Und dann stehen da noch einige wenige Wagen, die die Herkunft des Materials verraten: Classic Circus Berlin steht darauf.

Die deutsche Zirkusfamilie

Die LKW, die Auflieger, das blau-weisse Zelt, auf dem hoch oben der Name des Schweizer Radhelden Beat Breu leuchtet, alles stand bis vor kurzem noch in Diensten der deutschen Zirkusfamilie Lauenburger. Diese war mit ihrem Classic Circus Berlin zuletzt in Deutschland und vor allem in Österreich unterwegs. Letzte dokumentierte Spielstätte war im Juni das vorarlbergischen Feldkirch, gleich hinter der Schweizer Grenze.

Diese letzte Station ist jetzt Breus Problem: In Vorarlberg gab es bei Nutztieren Fälle von Tuberkulose. Mehrere Bauernhöfe mussten gesperrt werden. Das Veterinäramt des Kantons Zürich hat nun einstweilen untersagt, die Zirkustiere des Circus Berlin in die Schweiz einzuführen. Breu muss seine Premiere ohne Ponys und Kamele bestreiten.

... oder beim Auflieger, bei dem noch der alte Schriftzug durchschimmert.

Crowdfunding und Spenden

Die Situation auf dem Teuchelweiher wirft eine Frage auf: In welchem Verhältnis stehen Breu und der Zirkus der Familie Lauenburger. Ist der Schweizer Auftraggeber, Strohmann? Breu sagt, den Classic Circus Berlin gebe es nicht mehr. Auf Fragen nach der Art der Zusammenarbeit reagiert er ungehalten. Die Medien, sagt er dann, wollten ihm nichts Gutes. Das Gespräch bricht er ab.

In der Ausschreibung des Crowdfunding, mit dem Breu rund 50000 Franken für sein Zirkusprojekt gesammelt hat – einen Grossteil davon in letzter Minute –, hatte er angekündigt, er wolle mit dem Geld das Zirkuszelt und die benötigten Wagen kaufen. Ein Szenekenner sagt nun auf Anfrage, das Material sei mit Sicherheit bloss gemietet. Und er vermutet, dass die Familie Lauenburger einen Grossteil des Programmes bestreiten wird. Das sei typisch für deutsche Familienzirkusse.

Sich vom Classic Circus Berlin ein Bild zu machen, ist nicht einfach. Eine eigene Homepage gibt es nicht, auf der Facebook-Seite stammt der letzte Eintrag von Anfang 2018. Und die verzweigte Familie hat auch andere Zirkusprojekte. Einige Nummern finden sich als Video auf Youtube. Ebenso ein längerer Beitrag des Regional-TV-Senders Donau TV vom Januar 2016. «Gestrandet in Straubig» ist er überschrieben und erzählt, wie der Zirkus in Finanznöte geriet, nachdem das Weihnachtsprogramm gefloppt war. «Die Kassen sind leer», sagte eine Vertreterin der Familie in die Kamera. Sie benötigten dringend Futter für die Tiere. Eine solche Situation habe die Familie in sechs Zirkusgenerationen nicht erlebt. Der Beitrag endet mit einem Spendenaufruf.

Bloss noch aufdrehen

Mit der Premiere am Montag erfolgt nun die nächste Episode in der Geschichte der Familie Lauenburger. Oder die erste in der Zirkusgeschichte der Familie Breu. Oder beides. Der Teuchelweiherplatz scheint bereits hergerichtet. Der Aufbau ist am Freitag weit fortgeschritten. Gerade wurde der Wasseranschluss vorbereitet. Es fehlt nur noch ein Schlüssel, um die Leitung aufzudrehen. Es ist ein Fall für Heidi Breu – auch ihr Nachname steht schliesslich auf dem Zirkuszelt.

Erstellt: 03.08.2019, 09:53 Uhr

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