Zell

Wasserpest und gestresste Bäume

Neophyten und trockenheitsgeplagte Bäume – die Teilnehmer am Pfingstspaziergang der Gemeinde Zell erfuhren viel über die Naturschutzaktivitäten in ihrer Region. Trotz Regen nahmen am Rundgang quer durchs Naturschutzgebiet über 100 Interessierte teil.

Der Naturschutzbeauftragte Tizian Frey weist am Himmerichweiher auf einheimische und eingeschleppte Pflanzen hin.

Der Naturschutzbeauftragte Tizian Frey weist am Himmerichweiher auf einheimische und eingeschleppte Pflanzen hin. Bild: Enzo Lopardo

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Der Pfingstrundgang startete vor über 12000 Jahren. Dort setzte der Naturschutzbeauftragte des Kantons, Tizian Frey, nämlich an. «Damals lag Zell unter einem Eisdeckel», so Frey, der für Wila, Wildberg und Zell zuständig ist. Später, als die Gletscher zurückgingen, wurde die Landschaft dann von Kies, Bäumen und Waldgebiet dominiert. «Es war ein völlig anderes Landschaftsbild als heute.» Dies änderte sich, als der Mensch sesshaft wurde, Pflanzen anbaute und Gräser sammelte. Von da an wurden Wiesen stärker kultiviert und immer mehr Äcker angelegt. «Der Ackerbau erreichte seinen Höhepunkt mit dem Krieg – ab 1950 war ein Grossteil der artenreichen Fettwiesen verschwunden», so Frey. Da habe man gemerkt, dass solche Gebiete geschützt gehörten. 1970 wurden Naturschutzgebiete inventarisiert, 1980 trat der Naturschutz für die Gebiete in Kraft. Seit gut einem Jahr ist Frey für die zehn überkommunalen Naturschutzgebiete in Zell verantwortlich.

Eine Pest folgt auf die andere

Dazu gehört auch das Gebiet um den Himmerichweiher. Beim Besuch des malerischen Gewässers zücken viele Rundgangsteilnehmer ihr Handy und machen ein Foto. Doch im Wasser wuchern invasive Neophyten. «Hier handelt es sich um die Kanadische Wasserpest», erklärt Frey. Diese gelangte aus einem Aquarium in die Natur und hat sich dort schnell ausgebreitet. «Mittlerweile wird sie aber selber von einer anderen invasiven Wasserpflanze – der Nuttalls Wasserpest – verdrängt», so der Naturschutzbeauftragte.

Auch an Land sind invasive Neophyten ein Thema. So zeigt Frey etwa ein Exemplar des Einjährigen Berufkrautes, welches aus Nordamerika stammt und sich seit dem Hitzesommer 2003 ausbreitet und dabei einheimische Pflanzen verdrängt. Die Blüten – welche eine ähnliche Form wie Gänseblümchen oder Kamillen aufweisen – empfiehlt Frey beim Spazieren auszureissen und in einen Plastiksack zu stecken. «Wenn Sie sie in die Hosentasche stopfen und später das Handy rausziehen, helfen Sie den Pflanzen womöglich noch, sich auszubreiten.» Auch der Klappertopf ist ein viel gesehener Neophyt in Zell. Aus Sicht des Naturschutzexperten ist er zwar harmlos, für die Bauern ist er aber problematisch, weil er Gräser schwächt und als Futterpflanze keinen Wert hat.

Futterbedarf kam indes bei den Pfingstrundgängern auf und so wurde in der Holzschnitzel-Heizzentrale ein Znüni serviert. Emil Ott, Verwaltungsratspräsident der Holzenergie AG, berichtete währenddessen von den Vorzügen der regionalen Wertschöpfungskette dieser Heizform.

Kälte schadet Käfern

Holz, welches hier verwertet wird, stammt auch aus dem nahen Schutzwald Lochtobel. Gemeindeförster Stefan Holenstein, welcher sich seit 13 Jahren um die Zeller Wälder kümmert, wies auf die ausgetrockneten Baumkronen hin. «Die Bäume haben Mühe wegen der Trockenheit, wegen Pilzen und des Borkenkäfers.» Doch dank des kühlen Frühlings halte sich die Käferpopulation in Grenzen. «Der Käfer schaffte es, nur zwei statt drei Populationen anzulegen», so Holenstein, der betont, dass er nicht jammern wolle. «Viele Bäume werden aufgrund des Klimas Mühe haben, aber zu einem Waldsterben wird es nicht kommen.» Der Wald werde sich lediglich verändern. Gemäss dem Förster werden beispielsweise Fichten verschwinden, da sich diese erst ab einer Höhe von über 1200 Metern über Meer wohlfühlen. «Auch die Buche wird aufgrund der Trockenheit verschwinden, dafür werden mehr Eichen und Edelkastanien das Waldbild prägen, da sie Hitze besser vertragen.»

Dennoch hofft Holenstein, genauso wie viele andere Förster auch, auf einen nassen, kalten Sommer. «Denn um sich vom Stress des Hitzesommers 2018 zu erholen, brauchen Bäume etwa fünf Jahre.»

(Der Landbote)

Erstellt: 10.06.2019, 18:33 Uhr

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