Bezirksgericht

Wegen kaputter Schränke vor Gericht gestanden

Das Bezirksgericht Pfäffikon hat am Freitag einen Mann frei gesprochen.

Das Bezirksgericht in Pfäffikon sprach den Angeklagten frei.

Das Bezirksgericht in Pfäffikon sprach den Angeklagten frei. Bild: Keystone

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Die Fronten waren verhärtet: Er soll zwei Ikea-Schränke beschädigt und 230 Franken veruntreut haben. Rund 500 Franken beträgt der Schaden an den Schränken. Sie hat ihn deswegen angezeigt, er stand am Freitagnachmittag vor dem Bezirksgericht in Pfäffikon.

Er und sie, das sind ein 53-jähriger kaufmännischer Angestellter und eine 38-jährige Versicherungsfachfrau. Bis vor etwas über einem Jahr waren sie ein Paar und haben im Bezirk Pfäffikon in einer gemeinsamen Wohnung gelebt. Sie haben ein Kind zusammen.

Schulden angehäuft

Vor Gericht fielen Stichworte wie Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, Obhutsentzug und Schulden, die sich beim 53-Jährigen angehäuft hatten. Vieles deutete der Beschuldigte jedoch nur an. Sie war als Klägerin ebenfalls im Gerichtssaal anwesend, sagte während der Verhandlung jedoch nichts. Auch dann nicht, als der Richter ihr das Wort erteilte. Klägerin und Beschuldigter blickten sich während der ganzen Verhandlung nie an. Er verteidigte sich selbst, räusperte sich oft, zitterte an den Händen und wippte mit den Füssen, wenn er sprach.

Laut Anklageschrift soll er vor einem Jahr, als seine Partnerin aus der gemeinsamen Wohnung auszog, zwei ihrer Kleiderschränke demontiert und im Keller versorgt haben. Später stellte er sie ins Treppenhaus, damit sie sie abholen konnte. Dabei soll er derart unsorgfältig mit den Schränken umgegangen sein, dass Kratzspuren entstanden, Ecken und Kanten aufschlugen und ein Türgriff verbog.

«Blödsinn», sagte der Mann vor Gericht. Er habe auf Fotos alles dokumentiert. Die Schränke seien schon alt, mehrmals demontiert und wieder aufgestellt worden. Weshalb er sie denn überhaupt auseinander genommen habe, wollte der Richter wissen. «Sie war seit zwei Monaten weg, ich brauchte den Platz», antwortete er.

Zu viel Geld abgehoben

Von einem gemeinsamen Konto soll er zudem einen Betrag von 800 Franken abgehoben haben, wobei ein Minussaldo entstand. Dieses Konto war als Haushaltskonto bestimmt. Es diente dazu, Lebensmittel, Versicherungsprämien und weiteres mehr zu bezahlen. Nur ein Teil des Geldes hätte ihm zugestanden. «Doch er handelte in der Absicht, dieses für sich zu behalten und sich damit einen geringfügigen finanziellen Vorteil zu verschaffen», steht in der Anklageschrift.

Auch das stimme nicht, führte der Beschuldigte vor Gericht aus. Er habe Babynahrung, ein Kinderbett und weitere Dinge für das Kind gebraucht. «Sie hat ja alles mitgenommen.» Damals durfte er das Kind im Turnus mit der Mutter betreuen. «Sie dachten also, dass das Geld Ihnen gehört, weil Sie Neuanschaffungen machten mussten?», fragte der Richter. Der Beschuldigte bejahte, seine Ex-Partnerin hob die Brauen und schüttelte den Kopf.

«in dubio pro reo»

Das Gericht sprach den Mann schliesslich frei nach dem Grundsatz «in dubio pro reo», im Zweifel für den Angeklagten». Er habe konstant ausgeführt, dass er die Schränke nicht beschädigt habe. Ausserdem könne man nicht jenseits jedes Zweifels davon überzeugt sein, dass er es getan habe, sagte der Richter. Auch bezüglich der vorgeworfenen Veruntreuung könne man dem Beschuldigten nicht nachweisen, dass er die Absicht hatte, sich unrechtmässig zu bereichern.

Die Staatsanwältin hatte eine Geldstrafe von 2550 Franken und eine Busse von 1000 Franken auf Bewährung mit einer Probezeit von zwei Jahren beantragt. Nach dem Freispruch atmete der Beschuldigte hörbar auf. Seine Ex-Partnerin flüsterte «Was?» und kündigte ebenfalls flüsternd an, das Urteil weiter zu ziehen.

Erstellt: 01.09.2019, 16:27 Uhr

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