Illnau-Effretikon/Flaach

Wenn Flurnamen zum Problem werden 

«Mühlau» oder «Mülau»? Die Schreibweise von Flur- und Ortsnamen ist auf den verschiedenen digitalen Kartenplattformen nicht immer einheitlich. Im GIS-Browser ändert der Name sogar, je nach Massstab, den man verwendet. 

Bei Sennhof steht «Mülau» ohne h auf dem Schild.

Bei Sennhof steht «Mülau» ohne h auf dem Schild. Bild: Madeleine Schoder

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Die Mülau, einst ein Ortsteil von Kyburg, kennt wohl kaum ein Winterthurer unter diesem Namen. Dort stehen die Industriegebäude der letzten Spinnerei der Schweiz, der Hermann Bühler AG, die ihre Tore 2016 definitiv schliessen musste. Die Winterthurer würden sie spontan wohl eher in Sennhof, einem Teil «ihrer» Stadt, ansiedeln. Die Gemeindegrenze aber verläuft in der Mitte der Töss. Die ehemalige Spinnerei liegt also nicht in Winterthur, sondern auf dem Stadtgebiet von Illnau-Effretikon, das sich Anfang 2016 mit der Gemeinde Kyburg zusammengeschlossen hat.

Bei Google interveniert

Mülau ist nun aber nicht gleich Mülau. Wer den Flurnamen googelt, findet zwei Schreibweisen, «Mühlau» mit und ohne h. Darüber hat sich auch schon Martin Kägi geärgert, CEO der Hermann Bühler AG. «Die falsche Schreibweise Mühlau ist nur schwer auszurotten», sagt er. Bei Google habe er unzählige Male interveniert, bis das h entfernt worden sei. Auf der Karte von Search.ch ist dieses etwa immer noch vorhanden. Kägi hatte sich bezüglich korrekter Schreibweise extra bei der Gemeinde erkundigt. «Denn ich wollte bei unserem neuen Firmenauftritt keinen falschen Namen in der Adresse ‹Mülau12› haben.»

Im GIS, dem geografischen Informationssystem des Kantons Zürich, existierten bis vor kurzem noch beide Schreibweisen. Und zwar je nachdem, wie nahe der Nutzer herangezoomt oder welchen Massstab er verwendet hat. Neben Mühlau mit h fand sich bei Flaach die Steubisallmend mit e, wo das Naturzentrum Thurauen liegt. Beim Massstab von 1:2000 wurde diese dann zur «Stäubisallmend». Und so fanden sich weitere Beispiele: Je grösser der Zoom, desto schweizerischer oder mundartlicher klangen sie.

Unterschiedliche Quellen

Das Problem sei bekannt, sagt Alfred Gut, Leiter Geodatenbeschaffung beim Bundesamt für Landestopografie (Swisstopo). Der Grund sei, dass in den digitalen Karten unterschiedliche Quellen benützt würden. Im GIS-Browser, dem Instrument zur Visualisierung der im GIS hinterlegten Daten, ist bis Massstab 1:5000 der kantonale Übersichtsplan hinterlegt, wie Markus Pfanner, Sprecher der Zürcher Baudirektion, erklärt. Bei grösseren Massstäben sind es die Landeskarten von Swisstopo, da diese in deren Zuständigkeitsbereich liegen. Bis vor wenigen Wochen war im GIS-Browser noch die ältere Version (Ausgabe 2015) der Landeskarte hinterlegt, deshalb die Diskrepanz.

Seit vielen Jahren wird der kantonale Übersichtsplan direkt aus den Daten der amtlichen Vermessung erstellt, die Landeskarten entstanden jedoch bis vor kurzem unabhängig davon. Erst vor wenigen Jahren ist Swisstopo dazu übergegangen, die in der Landeskarte verwendeten Namen aus offiziellen Quellen, namentlich der amtlichen Vermessung, zu beziehen.

Weisung überarbeitet 

Eine eidgenössische Weisung zur Schreibweise von Lokal- und Flurnamen existiert seit 1948. Im Jahr 2011 hat der Bund sie revidiert. Sie ist ein Kompromiss zwischen Mundart und Schriftsprache. Darin steht etwa, dass öffentliche Gebäude in Schriftsprache, Namen von lokaler Bedeutung aber, für die keine besondere Regelung gilt, angelehnt an die ortsübliche Aussprache geschrieben werden sollen. Die Weisung ist bindend, die Kantone haben zudem noch ihre eigenen ergänzenden Bestimmungen. «Es gibt keine einheitliche Normierung», sagt Gut. Und: «Der Dialekt ist sehr kantonal geregelt.» 

So schreiben die Kantone Thurgau, Schaffhausen oder Wallis viele ihrer Flurnamen sehr lautnah und an die örtliche Mundart angepasst. Auf der Kartenplattform der Schweizerischen Eidgenossenschaft «map.geo.admin.ch» findet man in der Nähe von Frauenfeld etwa den «Ziiläcker», das «Puuretobel» oder die «Tüüfelschuchi». 

Um bestehende Ungereimtheiten auszumerzen, hat der Bund ein Projekt gestartet, an dem sich die Kantone beteiligen können. Sogenannte Nomenklaturkommissionen überprüfen die Namen ihres Kantonsgebiets und melden gewünschte Änderungen, die der Bund in der Landeskarte übernimmt. Dass die Schreibweise von Orts- und Flurnamen möglichst einheitlich daherkommt, ist vor allem für Rettungsdienste wichtig. Müssen sie bei einem Notfall einen Ort erst lange suchen, kann das lebensgefährlich sein.

Erstellt: 18.08.2019, 16:47 Uhr

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