Winterthur

Wie die Fraternitas entstanden ist

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Am 9. Dezember 1918 versammelten sich sieben Gymnasiasten auf dem Bäumli, um einen eigenen Klassenverein zu gründen. Denn die beiden damals bestehenden Mittelschüler-Verbindungen, die traditionell-studentische Vitodurania mit Trinkzwang und die gänzlich abstinente Humanitas, entsprachen nicht ihren Vorstellungen: Nach dem ersten Weltkrieg stellte auch die Jugend die geltenden gesellschaftlichen und politischen Werte stark in Frage.

«Fraternitas» (Brüderlichkeit) tauften die Gründer ihren Verein und sie wählten «Amicitia in libertate» (Freundschaft in Freiheit) als Devise. Dennoch war das Studentische prägend: Auch die Fraternitaner gaben sich einen Übernamen (Vulgo oder Cerevis), aber wie sollte man es mit dem Trinken und dem Farbentragen halten? Man entschied sich für die völlige Trinkfreiheit und wählte die Farben Schwarz-Gelb-Schwarz; auch wurde ein studentisches Vereinszeichen (Zirkel) entworfen. Auf Mütze und Band (Farben) wollte man verzichten; dennoch sollte aus dem Klassenverein eine dritte Verbindung für alle Schüler entstehen, was das Rektorat am 2. Juni 1919 bewilligte.

Eine „unsichtbare“ Verbindung

Als Stammlokal diente das Restaurant Meise, das Bäumli blieb aber ein wichtiger Ort. Denn schon bald wurde der Fraternitas dort ein altes Rebhäuschen als Clublokal überlassen: Das legendäre Bäumlitürmli, wo nicht nur unbeschwert-gesellige Feste gefeiert, sondern auch Vereinssitzungen durchgeführt wurden. Dabei hatten die Mitglieder vorbereitete oder unvorbereitete Vorträge zu halten, über die im Anschluss diskutiert wurde. Auch Pro-Contra-Streitgespräche, Rezitationen von Gedichten, gemeinsames Singen und Musizieren gehörten zum Programm.

Da die aktive Vereinszugehörigkeit mit der Matura endete, schlossen sich die Ehemaligen bereits 1920 zu einem Altherren-Verband zusammen, um die persönlichen Freundschaften und die schönen Erinnerungen zu erhalten und zu pflegen. Derweil kam es bei den Aktiven zu einer ersten Krise, da sich kein Nachwuchs (Füchse) einstellen wollte: Der Verzicht auf Mütze und Farbenband hatte zur Folge, dass die Fraternitas kaum wahrgenommen wurde. 1922 beantragte man deshalb beim Rektorat das Farbentragen. Als dies bewilligt wurde, schaffte man Mützen und Bänder an und etablierte sich langsam als dritte Verbindung.

Die „Libertas“ fordert ihren Preis

Das Programm gestaltete sich vielfältig: Neben traditionellen Bummeln und Rheinfahrten standen mal sportliche Aktivitäten hoch im Kurs, mal wurden literarische, musische, philosophische Inhalte favorisiert. Auch die Auslegung des Comments (der verbindungsinternen Regeln) konnte jede Generation für sich selber wählen – was aber oft zu Diskussionen unter den Mitgliedern oder zwischen Aktivitas und Altherren führte: Das war der Preis, den die liberale Gesinnung (eben: die „Freundschaft in Freiheit“), forderte.

Trotzdem fand man immer wieder zusammen und der Verbindungsbetrieb lief kontinuierlich, bis die bestehenden Werte durch die 68er-Bewegung in Frage gestellt und Verbindungen verpönt wurden. Was dazu führte, dass die Humanitas 1968 ihre Aktivitäten einstellte. Bei der Fraternitas und der Vitodurania fielen zwar einzelne Jahrgänge aus, doch überlebten beide Verbindungen.

Ab 2007 allerdings konnte die Fraternitas keine Mitglieder mehr finden und der aktive Betrieb wurde eingestellt (es sind jedoch Bestrebungen für eine Wiederbelebung im Gange). Die Alten Herren indes werden ihre gemeinsame Jugend noch manches Jahr mit Festen wie dieser Gründungsfeier (und im April mit einem Festwochenende) kräftig feiern.

Erstellt: 20.01.2019, 18:12 Uhr

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