Unihockey

«Wir brauchen jetzt rund 50 Freiwillige pro Match»

In Tschechien spielt die Schweiz an der WM um die Medaillen, und der HC Rychenberg spielt mit bisher mässigem Erfolg seine erste Saison in der neuen Halle. Was bedeutet das finanziell und organisatorisch für den Verein? Fragen an den Vizepräsidenten.

Seit einer Saison spielt der HC Rychenberg in der neuen Axa-Arena. (Archivbild)

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Guten Tag, Raphael Studer, sind Sie gerade am Fernseher und schauen sich ein Spiel der Unihockey-Nationalmannschaft an?
Raphael Studer: Genau, aber ich kann gut schnell weg, die Schweiz liegt in Führung.

Bringt so eine WM jeweils wie bei den Fussballclubs einen Schub mit sich fürs Unihockey?
Wir haben eigentlich nie grosse Nachwuchsprobleme, die Kinder wollen Sport treiben. Aber die Infrastruktur hält auch bei uns nicht mit den Bedürfnissen mit.

Sie geben mir das Stichwort: Infrastruktur. Der HC Rychenberg hat jetzt die erste Saisonhälfte in der neuen Axa-Arena gespielt. Mal kamen gut 500, mal 1300 Besucher. Zufrieden?
Es ist sehr gut angelaufen. Wir hatten uns ein Ziel gesetzt von 1000 Personen im Schnitt, jetzt liegen wir bei rund 850. Das sind jetzt erstmals genaue Zahlen, nicht mehr Handgelenk mal Pi. Und die Teams, die erfahrungsgemäss viel Publikum bringen, die kommen erst noch, das sind GC, Wiler-Ersigen und Alligator Malans. Wir sind also sehr zufrieden.

Wie ist denn die Stimmung in einer 2000er-Halle, wenn nur 500 Zuschauer anwesend sind?
Es ist nicht dasselbe wie mit 2000 Leuten in der vollen Halle, das ist klar. Aber ab 600 Personen sind die beiden Längstribünen relativ gut gefüllt, und dann kommt auch eine gewisse Stimmung auf. Und akustisch ist die Halle laut. Aber klar, es ist nicht mehr der Hexenkessel, den wir in Oberseen schon ab 300 Personen hatten. Ich bin gespannt, wie es wird, wenn wir die Halle dann einmal füllen.

Um genügend Lärm brauchen Sie sich ja keine Sorgen zu machen: Der HCR-Fanclub sammelt ja via Crowdfunding gerade Geld für Trommeln und Fahnen.
Dann wird es noch lauter werden, das ist gut. Aber wie gesagt: Akustisch ist die Halle gut, es ist schnell sehr laut. Nicht zu vergleichen mit der Eulachhalle.

Es ist nicht nur laut wegen der Fans, sondern auch wegen des Speakers, des DJ, es hat Licht­effekte: Der Sport wird fast zur Party. Und Sie brauchen Leute für all das, auch für die Ess­stände und die Getränke. Wo nehmen Sie all diese Leute her?
Aktuell ist das kein Problem, aber es könnte eines werden. Wir brauchen rund 50 Freiwillige pro Match, in Oberseen waren es etwa halb so viele. Primär brauchts mehr Leute in der Cafeteria. Momentan finden wir noch genügend Eltern und Freiwillige. Es besteht aber schon die Gefahr, dass wir die überstrapazieren.

«Wir hatten uns 1000 Personen pro Match als Ziel gesetzt, jetzt sind wir bei 850 im Schnitt.»Raphael Studer, Vizepräsident

Sie sprechen ein Thema an: Der HCR ist in eine neue Dimension vorgestossen: neue Halle, mehr Freiwillige, höhere Kosten. Man zahlt 3000 Franken Miete pro Match. Rechnet sich das Risiko?
Ein finanzielles Risiko ist es nicht, wir haben die Mehrausgaben im Budget anderswo gekürzt.

Sie haben weniger Ausländer in der ersten Mannschaft . . .
Das ist richtig, aber nicht nur bedingt durch diesen Wechsel in die grosse Halle. Es ist auch eine Frage der Philosophie. Es wird auch in der Nationalliga auf die nächste Saison hin ein Gentleman’s Agreement geben, die Ausländerzahl in der Liga zu beschränken.

Sie haben die Saisonkarten für die laufende Spielzeit für bloss 50 Franken verkauft, das ist ein Schnäppchen. War das klug?
Es ist auf alle Fälle ein Erfolg, wir haben 1150 Saisonkarten verkauft. Zieht man die Kosten für die Aktion ab, bleiben etwa 45 000 Franken. Das ist doppelt so viel, wie wir in den letzten Jahren mit dem gesamten Kartenverkauf eingenommen haben. Aber der Kartenverkauf war nie eine Haupteinnahmequelle; mit der Cafeteria verdienen wir das Drei- bis Vierfache. Wir wollen weiterhin familienfreundlich bleiben mit unseren Ticketpreisen.

Sie sind also mit all den Neuerungen auf Kurs, sportlich läufts aber offenbar nicht ganz so rund. Der HCR steht nur auf dem 9. Rang von 12 Teams der NLA.
Wir stehen etwa dort, wo wir es erwartet hatten. Die Teams sind nahe beieinander, das sechstplatzierte hat nur zwei Punkte mehr. Wir haben den Anschluss nicht verloren, wir müssen einfach die entscheidenden Spiele gewinnen, das ist uns gelungen mit fünf Punkten aus zwei Spielen.

Aber als Nächstes kommt GC, der aktuelle Leader, am 22. Dezember. Da sind keine Geschenke zu erwarten, trotz Weihnachten.
Die Hoffung ist natürlich, dass die GC-Spieler nach der WM müde sind. (lacht) Nein, natürlich nicht. GC ist das Derby, immer sehr knapp, und wir hoffen natürlich erstmals auf eine volle Halle.

Das wünschen wir Ihnen auch, und nun viel Spass mit der Nati.

Erstellt: 08.12.2018, 09:45 Uhr

Raphael Studer, Vizepräsident HC Rychenberg (Bild: PD)

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