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«Wir brauchen keine Einmischung von aussen»

Eine Zukunftswerkstatt soll in Wila die Weichen für die nächsten 15 Jahre stellen. Brisante Kernfragen zeichnen sich am Horizont ab. Gemeinde­präsident Hans-Peter Meier (SVP) nimmt dazu Stellung.

Hans-Peter Meier verteidigt eine selbstständige Gemeinde Wila.
Hans-Peter Meier verteidigt eine selbstständige Gemeinde Wila.
Melanie Duchener

Kommen wir gleich zur Sache: Will sich Wila mit anderen Gemeinden zur Gemeinde Gross-Tösstal zusammenschliessen?

Hans-Peter Meier: Die Fusion mit anderen Gemeinden und auch von Schulgemeinden ist tatsächlich Thema in unserer Werkstatt «Zukunft Wila». Sie wird eine der fünf Schlüsselfragen sein. Wie die Teilnehmer diese Frage beantworten, weiss ich nicht. Persönlich sehe ich nur eine sehr kleine Chance, dass sich die Zukunftswerkstatt für eine Fusion entscheidet.

Warum?

Ich bin als Gegner solcher Fusionen bekannt. Meiner Meinung nach funktionieren kleine Einheiten besser. Gut, wenn eine Gemeinde weniger als fünfhundert Bewohner hat, kann eine Fusion sinnvoll sein – wenn die Betroffenen das wirklich wollen. Sternenberg stimmte einer Fusion zu. Es gibt da manchmal aber auch Einfluss von aussen.

Was meinen Sie damit?

Der Kanton ködert die Gemeinden mit Geld. Wir Wilemer jedoch brauchen keine Einmischung von aussen. Wila hat mit 2000 Einwohnern eine ideale Grösse. Ich bin überzeugt: Die Wilemer wollen die Zukunft selbst gestalten.

Gesetzt den Fall, die Zukunftswerkstatt fordert trotzdem eine Fusion?

Das müssen und werden wir dann ohne Wenn und Aber umsetzen. Das heisst, zunächst würden wir mit einer Urnenabstimmung einen Grundsatzentscheid erwirken.

Ist eine Grundsatzabstimmung allgemein als erster Schritt nach konkreten Vorschlägen aus der Zukunftswerkstatt denkbar?

Wenn es um entscheidende Fragen geht, sicher.

Eine weitere Schlüsselfrage ­betrifft die bauliche Entwicklung Wilas. Wie viele Einwohner wird die Gemeinde einmal ­haben? Ich kann Ihnen keine Zahl sagen. Ich möchte die Diskussion in der Zukunftswerkstatt auch nicht vorweg beeinflussen.

Könnte Wila auf 3000 Einwohner wachsen?

Das wäre irgendwann schon möglich. Aber wir streben nicht danach. Wir wollen qualitativ wachsen.

Was heisst für Sie qualitativ?

Das Wachstum muss verdaubar sein. Ausserdem – ich kann das offen sagen – möchten wir gute Steuerzahler anziehen. Bei un­serem hohen Steuerfuss ist das nicht einfach. Wir haben aber ­einige, leider wenig quantifizierbare Trümpfe in der Hand. In ­Wila gibt es gesunde soziale Kontakte, ein reges Vereinsleben und ein vielseitiges Gewerbe. Dazu kommt eine hohe Lebensqualität. Um dies bekannter zu machen, benötigen wir eine wirk­same Standortförderung.

Das Tösstal gerät immer mehr in den Bann der Agglomera­tionen Winterthur und Zürich. Spürt Wila das auch?

Ja, der Druck ist da. In einem Jahr wird die S11 von Zürich bis Wila verlängert – eine zwiespältige ­Sache.

Weshalb zwiespältig?

Die S-Bahn macht das Tösstal ­natürlich attraktiver. Vielerorts sind deshalb grosse Überbauungen entstanden. Die Bevölkerung ist schnell gewachsen. Das ist ungesund. Ein solches Wachstum löst immer einen gewaltigen Investitionsbedarf aus. Die Steuereinnahmen dagegen steigen oft nicht entsprechend. Übrigens gibt es auch in neuen, teuren Wohnungen Sozialfälle. Das weiss ich aus erster Hand. Ich finde persönlich, dass wir einen anderen Weg einschlagen sollten. Wir wollen die Landschaft schützen, statt alles zuzupflastern.

Wie wollen Sie denn die bau­liche Entwicklung überhaupt steuern?

Wir haben grosses Glück. Jakob Schoch, ein Ur-Wilemer, hat der Gemeinde sein Vermögen vererbt. Darunter ist viel Land in der Bauzone. Damit hat die Gemeinde Wila die Entwicklung wenigstens teilweise in der Hand.

Fliessen die Ergebnisse der ­Zukunftswerkstatt in ein neues Leitbild für Wila ein?

Nein. Ich halte nicht viel von ­solchen Leitbildern. Sie sind oft schwammig und unverständlich formuliert. Abgesehen davon haben wir schon einen Leitsatz. Er ist ganz einfach: «Wila, liebenswert – lebenswert».

Was heisst das konkret?

Wila ist in eine fast intakte Naturarena eingebettet. Gleichzeitig ist die Gemeinde überschaubar.

Weshalb organisieren Sie die Zukunftswerkstatt gerade jetzt?

Wir stehen vor den nächsten Wahlen im Frühling 2018. Bisher haben wir alle vier Jahre im Gemeinderat für jedes Ressort ein Legislaturziel festgelegt. Jetzt wollen wir den Blick weiter in die Zukunft lenken. Wir nehmen die nächsten rund fünfzehn Jahre ins Visier. Dann kommen nicht immer wieder dieselben Diskussionen auf. Wenn die Zukunftswerkstatt zum Beispiel darauf bestehen würde, dass Wila selbstständig bleibt, könnten wir in die Infrastruktur, zum Beispiel in die Sanierung des Gemeindehauses, investieren. Es ist über fünfzig Jahre alt. Das Grundstück ist schlecht genutzt. Jetzt hören wir immer, das lohne sich nicht mehr, da ja bald eine Fusion komme.

Wollen Sie ein neues ­Gemeindehaus bauen?

Nein, die Verwaltung soll bescheiden und effizient bleiben. – In die Legislaturplanung sollen Vorstellungen, Meinungen, Ideen und Lösungsvorschläge der interessierten Einwohnerinnen und Einwohner einfliessen. Darum laden wir zur Zukunftswerkstatt ein. Die Ergebnisse werden dem Gemeinderat als langfristige Orientierungshilfe dienen. Seine Mitglieder können wechseln. Vielleicht ist ein zukünftiger Gemeinderat weniger durchsetzungsfähig als heute. Dann könnte ihm die Weichenstellung aus der Zukunftswerkstatt den Rücken stärken.

Spielen Sie darauf an, dass Sie in Zukunft nicht mehr genügend Behördenmitglieder finden?

Nein. Das wird ja auch immer als Argument für Fusionen verwendet. Es stimmt doch einfach nicht! Das Gejammer hörte ich schon vor vierzig Jahren. Auch von den Vereinen. Man muss das Gemeindeleben und die Kon­takte zueinander pflegen. Dann findet man immer genügend Behördenmitglieder.

Wie sieht zusammengefasst Ihre persönliche Zukunfts­vorstellung von Wila aus?

Wir bewahren die Qualitätenund Vorteile unserer einzigartigen Gemeinde. Ein massvolles Wachstum hat Platz.

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