Tösstal

«Wir schauen hinter Wasserfälle»

Höhlenforscher Richard Graf arbeitet mit an einem Inventar, das Höhlen und Gubel im Tösstal erfasst.

Richard Graf beim Erkunden einer Höhle. Sein Hobby hat er früh entdeckt und er blieb dabei.

Richard Graf beim Erkunden einer Höhle. Sein Hobby hat er früh entdeckt und er blieb dabei. Bild: Zürioberland Tourismus

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Sie beschäftigen sich neben Höhlen auch mit Gubeln, was ist denn das genau?
Richard Graf: Das ist eine Halbhöhle, die ausgewaschen wurde. Sie ist immer breiter als tief. Gubel ist zudem ein Tösstal-spezifischer Ausdruck, man sagt auch Giessen oder Balm. In der Regel ist ein Wasserfall vorhanden. Wir schauen aber dahinter.

Was finden Sie da?
Nebst verschiedenen Gesteinsarten natürlich Tiere wie Salamander, Fledermäuse, viele Falter und Spinnen und auch Spuren von Dachsen und Füchsen. Sie sind auch der Grund, warum man nie in einer Höhle bräteln sollte, sondern immer ausserhalb. Wir schauen Höhlen als Biotope an.

In der Mitteilung von Zürioberland Tourismus ist auch die Rede von künstlichen Höhlen, worum handelt es sich da?
Früher förderte man an verschiedenen Orten Ressourcen wie in Embrach Quarzsand oder im Sennhof Kohle, da entstanden aus Bergwerken Höhlen. Am Dägelsberg im Goldingertal SG hat man nach Gold geschürft. Die Leitern sind heute noch da und man kann hinuntersteigen. Auch Brauereien nutzten früher Stollen, um das Bier kühl zu lagern.

«Man sollte nichts in Höhlen lassen, was vorher nicht schon da war.»Richard Graf,
Höhlenforscher

Bis jetzt gab es also kein Inventar, in dem alle Höhlen erfasst gewesen wären?
Nein, es gab verschiedene Bücher wie etwa «Höhlen im Tösstal», die die Orte beschreiben und teilweise selbst gezeichnete Skizzen enthalten. Sie stimmen aber nicht immer. Wir wollen die Informationen sauber erfassen. Im Inventar geht es nicht gross um den Hintergrund der Höhlen oder um Sagen, sondern nur um den Zugang und wie sie aussehen. Wir gehen dabei nach der Geologie und weniger der Geografie, deshalb kommen auch Teile der Kantone Thurgau und St. Gallen vor. Alle Höhlen werden wir aber wohl kaum je erfassen können.

Was muss man beachten, wenn man in Höhlen steigt?
Man sollte daran denken, eine Stirnlampe mitzunehmen und dass man dreckig werden kann. Manchmal erschrecken die Wanderer, wenn es sehr lehmig ist und dann schleifen sie Stecken in die Höhlen, damit sie nicht stecken bleiben. Die Stecken haben in den Höhlen aber nichts zu suchen. Man sollte nichts da lassen, was vorher nicht auch schon da war. In steilen Tobeln muss man grundsätzlich vorsichtig sein.

Sie unterrichten unter anderem an der Mechatronik-Schule Winterthur, privat sind Sie Mitglied der Ostschweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung. Wie kamen Sie zu diesem Hobby?
Angefangen hat es vor langer Zeit in der Pfadi. Da besuchten wir einige Höhlen und das weckte das Interesse – es ist bis heute kurz vor der Pensionierung geblieben.

(Der Landbote)

Erstellt: 02.06.2018, 08:25 Uhr

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