Winterthur

«Wir sind nicht alle Hindus»

Der eben gegründete nationale Hindu-Dachverband hat eine Präsidentin, die gar keine hinduistische Gemeinde vertritt. So sieht es Erhard Finger, Sprecher des DLZ am Brühlberg.

Der 78-jährige Erhard Finger vertritt das Divine Light Zentrum (DLZ) seit den 70er-Jahren.

Der 78-jährige Erhard Finger vertritt das Divine Light Zentrum (DLZ) seit den 70er-Jahren. Bild: Marc Dahinden

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Letzte Woche hat sich in Winterthur der Schweizerische Dachverband für Hinduismus gegründet. Der Omkarananda-Ashram am Brühlberg gilt laut Dachverband als Mitglied. Das wollen Sie richtigstellen.
Erhard Finger: Der Omkarananda-Ashram ist keine juristische Person, sondern lediglich ein Sammelbegriff für drei Körperschaften: Der Verein Divine Light Zentrum (DLZ), die Genossenschaft DLZ-Service und die Swami-Omkarananda-Stiftung. Insofern ist es gar nicht möglich, dass der Ashram einem Dachverband beitritt.

Ist das nicht Haarspalterei? Die Präsidentin des neuen Dachverbands, Susanna Rentsch, hat auf Nachfrage präzisiert, dass die Swami-Omkarananda-Stiftung dem Dachverband beigetreten ist. Rentsch ist Mitglied des Stiftungsrats.
Und ich bin Präsident des Stiftungsrats. Einen solchen Beschluss kann Frau Rentsch nicht alleine fällen, dazu braucht es mindestens zwei Unterschriften. Ich werde aber nicht zulassen, dass die Stiftung einen hinduistischen Verein unterstützt.

Das klingt nach einem internen Zerwürfnis.
Nein, wir haben ansonsten ein sehr gutes Verhältnis. Aber in diesem Punkt werden wir uns wohl nicht einig.

Der Tempel befindet sich im Gebäude des Omkarananda-Ashrams am Brühlberg.

Wieso wehren Sie sich so vehement dagegen, Teil eines Hindu-Dachverbands zu werden? Die Stiftung betreibt schliesslich auch einen Tempel, in dem hinduistische Gottheiten verehrt werden.
Das stimmt, aber die Stiftung ist überkonfessionell ausgerichtet. Als Stiftungsräte sind wir über die Statuten dazu verpflichtet, die reine Lehre des Swami Omkarananda zu vertreten. Der Swami war ein Mystiker und liess sich zu Lebzeiten in kein religiöses Schema pressen. Auch nicht in ein hinduistisches. Heutzutage verkehren noch rund 30 Personen im Ashram, die sich aber nicht alle als Hindus verstehen.

Der Hindu-Dachverband wird also von einer Person präsidiert, die gar keine hinduistische Gemeinschaft vertritt?
Genau. Wir sind überkonfessionell und gehören auch nicht zum Dachverband. Keine der drei Körperschaften.

Herr Finger, Sie sind auch Sprecher des DLZ. Dem Verein haftet wegen eines Bombenanschlags auf den damaligen Zürcher Polizeidirektor ein negativer Ruf an.
Wir haben eine andere Sicht der Dinge: In den 70ern herrschte eine ungute Stimmung zwischen der Stadt-Elite und dem DLZ. Einige junge DLZ-Mitglieder nahmen sich das so zu Herzen, dass sie Stucki eine Bombe vor die Türe legten. Die Organisation und der Swami haben aber nichts damit zu tun. Zudem wurde das DLZ als solches nie rechtlich verurteilt.

Der Swami wurde als Anstifter zu 14 Jahren Haft verurteilt.
Ich glaube aber nicht, dass er das getan hat. Es passt überhaupt nicht zu seiner Lehre, nach der das ganze Universum nichts anderes als eine Manifestation von Gott ist. Man kann also nichts und niemandem Schaden zufügen, ohne damit nicht auch Gott zu schaden. Die Gewaltfreiheit ist in seiner Lehre zentral.

Erstellt: 12.04.2017, 18:12 Uhr

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