Winterthur

«Wir wollen aufzeigen, wie vielfältig die Winterthurer Kultur ist»

Das Kulturmagazin «Coucou» verleiht erstmals die «Goldene Feder» an Kulturschaffende. Die undotierte Auszeichnung gibt es in fünf Kategorien.

Die «Coucou»-Redaktion verleiht Preise an Kulturschaffende, die sonst nicht im Rampenlicht stehen.

Die «Coucou»-Redaktion verleiht Preise an Kulturschaffende, die sonst nicht im Rampenlicht stehen. Bild: Enzo Lopardo

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Mitte September fiel der Startschuss. Drei Monate später wird die «Goldene Feder» nun schon vergeben. Der undotierte Preis soll Kulturschaffende auszeichnen, die sonst nicht im Rampenlicht stehen, wie «Coucou»-Redaktionsleiterin Sandra Biberstein erklärt. Viele hätten den Eindruck, ihre Arbeit werde nicht gebührend geschätzt, das merke man im Gespräch mit ihnen.

In fünf Kategorien wurden insgesamt 15 Kulturschaffende nominiert, die meisten sind ausführende Künstlerinnen, Autorinnen und Musiker, hinzu kommen einige, die kulturelle Events or­ganisieren, darunter Jane Wakefield und Yvonne Dünki, die beiden Geschäftsleiterinnen des Vereins Kulturlobby.

In Anlehnung an den Vogel, nach dem das Magazin benannt ist, gibt es den «umtriebigen Kuckuck» für Leute, die «Projekte organisieren», die «singende Nachtigall», die «schreibende Gans», den «performenden Paradiesvogel» für den Bereich Theater, Film und Performance sowie den «schönen Pfau» für Kunst, Fotografie und Design. «Wir wollen aufzeigen, wie vielfältig die Winterthurer Kultur ist», sagt Biberstein.

19 Berater

Die Idee fand offenbar in der Szene schnell Zustimmung. Biberstein und auch manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in ihr gut vernetzt. Das spiegelt sich im 19-köpfigen Beratergremium, das zusammen mit der Redaktion einen Preisträger oder eine Preisträgerin pro Kategorie kürt: Hier sind Institutionen wie die Musikfestwochen, die Kurzfilmtage, die Galerie Oxyd und das Theater am Gleis vertreten.

Zu sagen, wer fehlt, geht schneller: Es sind die Häuser mit dem grössten Anteil am städtischen Subventionskuchen, das Musikkollegium und die Museen. Sie seien weniger auf das lokale Kulturschaffen ausgerichtet, deshalb habe man sie nicht angefragt, beim nächsten Mal werde man das aber sicher tun, erklärt Biberstein.

«Wir wollen aufzeigen, wie vielfältig die Winterthurer Kultur ist.»Sandra Biberstein, «Coucou»-Redaktionsleiterin

In einem Fall ist auch ein «Berater» nominiert. Allerdings nicht in der Rubrik, in der er mitrede, wie Biberstein sagt. Die Berater seien zudem keine Juroren, die Redaktion habe über die definitiven Nominierungen allein entschieden. Trotzdem hätte man das wohl besser vermieden.

Die Auszeichnungen werden am nächsten Donnerstag im Albani verliehen, davor und danach spielt die Elektrorockband Ghost Lagoon, der Eintritt ist frei. Fünf Tage später vergibt die Stadt im Kunstmuseum vor geladenen Gästen den Kulturpreis und den Förderpreis. Die zeitliche Nähe ist kein Zufall. Die Goldene Feder will als Alternative und Ergänzung dazu verstanden werden. Nicht als Konkurrenz, wie Biberstein auch in der aktuellen Ausgabe des «Coucou» betont.

Alle arbeiten ohne Honorar

Wo ein Scheinwerferlicht ist, da ist auch Schatten, und diesen aufzuhellen, die Aufmerksamkeit ein wenig dorthin zu lenken und die Leute in dem zu bestärken, was sie machen, darin sieht Biberstein den Sinn des neuen Preises. Zumal die meisten Kulturschaffenden mit dem, was sie machen, nicht reich werden. Die «Coucou»-Redaktion befindet sich im Nord-Süd-Haus in der Steinberggasse, neben dem Büro des Kinos Cameo. Gut möglich, dass die rund 15 Redaktionsmitglieder Verständnis für das Anliegen des Preises aufbringen: Sie ­alle arbeiten ehrenamtlich.

Überdies sind die bürokratischen Hürden beim «Coucou» generell niedrig. Wer zur Redaktion gehört, ist nicht scharf definiert, Ideen können rasch realisiert werden. Die Redaktionsmitglieder sind laut Biberstein zwischen 18 und 35 Jahre alt, viele seien am Studieren oder hätten ihr Studium gerade abgeschlossen. Rund sechs Personen erfassen zudem den monatlichen Kulturkalender, weitere zehn besorgen das Korrektorat.

Seit sechs Jahren gibt es die Zeitschrift unterdessen. Sie erscheint in der Regel monatlich, die Auflage beträgt 1500 Exemplare, darunter sind rund 900 Abonnements, der Rest wird an insgesamt etwa zwanzig Orten verkauft. Die Stadt Winterthur unterstütze das Magazin mit einer Inserateseite pro Ausgabe, sagt Biberstein.

Eigenwillige Blickwinkel

Die Dezemberausgabe zeichnet sich wiederum durch originelle und anregende Perspektiven aus und enthält zum Beispiel einen Aufruf zur «Poetisierung Winterthurs» in Form von Kurzgedichten, einen Essay über Slam-Poetry, einen Bericht über Recyclingprojekte, ein Interview mit einem Musikwissenschaftler, der sich an der Operette und am Philosophen Nietzsche orientiert, und wie immer kunstvolle Bilder, Kolumnen, Vorschauen und Kulturtipps.

Dass das Magazin sich etabliert hat, kann man daran ablesen, dass es öfter als Medienpartner aufgeführt ist oder sogar selbst Veranstaltungen organisiert, etwa Drehbuchlesungen im Rahmen der Kurzfilmtage oder eine Kunstausstellung an den Musikfestwochen. Letztere werde nächstes Jahr weitergeführt, das sei gegenwärtig das grösste Projekt neben der Arbeit für das Magazin, sagt Biberstein. Die Journalistin arbeitet ausserdem in Teilzeitanstellung auf der Redaktion des «Landboten» und betreut verschiedene Kommunikationsprojekte, so das Programmheft des Zürcher Migros-Musikfestivals «m4music».


Donnerstag, 6. 12., 20 Uhr, Albani, Steinberggasse. Eintritt frei, Kollekte. – Coucou Nr. 72 – 12/18, 68 Seiten, Fr. 7.50.

(Der Landbote)

Erstellt: 01.12.2018, 15:03 Uhr

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