Rheinau

Wo Ideen sprudeln und Farben und Formen fliessen

Halbzeit an der 21. Sommerakademie Rheinau: Zum Abschluss der ersten von zwei Kurswochen zeigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, was sie gemalt, geschrieben und aus Stein gehauen haben.

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«Schwebend weisser Schwan. Grüne fliessende Fülle. Und Ruhe erblüht.» Der Dreizeiler ist im Schreibkurs entstanden und prangt nun auf einem Blatt Papier an einer Fensterscheibe. Daneben ein gleich grosses Bild mit einem Schwan, der sich unter einer Schönwetterwolke im Wasser treiben lässt. Das Text-Bild-Paar ist Teil der Ausstellung, welche die erste Kurswoche der Sommerakademie Rheinau beschliesst.

Ausstellung statt Rundgang

Nach 20 Jahren haben sich die Organisatoren, Michelle Hürlimann und Thomas Ott, für ein neues Konzept entschieden. Sie nehmen sich zu Herzen, was sie jeweils den Kursteilnehmerinnen empfehlen, nämlich «Seh- und andere alte Gewohnheiten loszulassen und etwas Neues zu suchen». Deshalb wurde der bisher übliche Rundgang durch die Ateliers durch eine Ausstellung im Kaisersaal ersetzt. Gezeigt wird pro Kursteilnehmer ein einziges Werk. «Das Auswahlverfahren war für viele ein schmerzhafter Prozess», hat Hürlimann beobachtet. Im Nachhinein indes werde es als zusätzliche Erfahrung geschätzt.

Der Kaisersaal im Frauengästehaus des ehemaligen Klosters ist bekannt für seine barocken Wandmalereien. Am Samstag stehen aber nicht sie im Mittelpunkt, sondern das, was die Teilnehmer der Kurse Aktzeichnen und -malen, Holzschnitt, Malerei, Schreiben und Steinhauen in der vergangenen Woche erschaffen haben. Die rund hundert Anwesenden schlendern von Werk zu Werk und geben, amüsiert, anerkennend oder erklärend, Kommentare ab.

Dann kehrt nach ein paar Gongschlägen Stille ein, die Mitglieder der Schreibgruppe geben eine Auswahl ihrer Texte zum Besten. Einige davon kreisen um das diesjährige Thema der Sommerakademie, «Das Endliche und die Ewigkeit». Auffallend häufig kommen Wörter wie Grenzen oder grenzenlos, Wasser, Fluss und Fliessen vor. Die Inspirationsquelle ist unschwer zu erkennen: Die Lage des Kursortes in der Doppelschleife des Rheins, der in Rheinau die Staatsgrenze bildet. Auch bei den Steinskulpturen und Bildern, zu sehen sind abstrakte, figürliche und spontane Werke, überwiegen fliessende Formen, die Gemälde sind häufig in Blau- und Grüntönen gehalten.

Inspirierende Atmosphäre

«Die Atmosphäre hier ist sehr inspirierend«, schwärmt Tamar Majer aus Zürich. Sie hat den Schreibkurs belegt und ist begeistert von der «Écriture automatique». Beim «automatischen Schreiben» werden spontane Einfälle, Gefühle und Gedanken genau so wiedergegeben, wie sie auftauchen. Weshalb die so entstandenen Texte surrealistisch-verspielt daherkommen. Kreative Impulse schöpfte Majer auch aus dem Austausch, der sich nicht auf die eigene Gruppe beschränkte. Eine Aufgabe lautete, mit einer schriftlich festgehaltenen Idee die Mitglieder der Malgruppe zu inspirieren. So entstanden die Text-Bild-Paare, welche die Fensterscheiben zieren. Vertieft man sich darin, sprudeln die Ideen auch beim Betrachten.

Erstellt: 04.08.2019, 15:22 Uhr

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