Dägerlen

Zu viel Nitrat im Trinkwasser

Das Problem ist nicht neu, doch jetzt hat es Konsequenzen: Zwei Wasserfassungen mussten in Dägerlen wegen zu hoher Nitratbelastung des Trinkwassers vom Netz genommen werden.

In zwei Wasserfassungen in Dägerlen wurden erhöhte Nitratwerte von über 40 Milligramm pro Liter gemessen.

In zwei Wasserfassungen in Dägerlen wurden erhöhte Nitratwerte von über 40 Milligramm pro Liter gemessen. Bild: Keystone

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Weil in zwei Wasserfassungen auf dem Gemeindegebiet von Dägerlen über 40 Milligramm Nitrat pro Liter gemessen wurden,mussten sie im März vom Leitungsnetz genommen werden. Der Gemeinderat von Dägerlen bestätigte am Donnerstagabend eine entsprechende Anfrage von fünf Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung.

Dass die Nitratwerte an besagten Stellen erhöht sind, sei der Gemeinde schon seit Jahren bekannt, sagte Gemeinderat Urs Roost. «Wir sind deshalb in einem kantonalen Beobachtungsprogramm und mit dem AWEL ständig in Kontakt.» In den letzten Monaten sei der Nitratwert in den beiden Wasserfassungen dann aber so stark angestiegen, dass er den Grenzwert von 40 Milligramm überschritten habe. «Deshalb haben wir sie abgestellt und beziehen nun Wasser von Hettlingen», sagte Roost. Der Trinkwasser in Dägerlen könne weiterhin bedenkenlos konsumiert werden.

Ursache wird abgeklärt

Woher die hohen Nitratwerte stammen, wird derzeit mit den kantonalen Fachstellen abgeklärt. Vor Ort war am Donnerstagabend auch Samuel Gerber vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL). Erste Effekte können ihm zufolge frühestens in zwei, drei Jahren erwartet werden, die Massnahmen für eine Sanierung seien langwierig und komplex.

Jahr für Jahr sickern in der Schweiz rund 150 000 Tonnen Nitrat aus der Landwirtschaft ins Grundwasser. Viele Schweizer Gemeinden, vorab im Mittelland, kämpfen mit zu hohen Nitratgehalten. Dazu tragen laut Gerber neben landwirtschaftlichen Faktoren, wie dem Einsatz von Düngemitteln und der Bodenbearbeitung, aber auch die Witterung respektive ausserordentliche Temperatur- und Niederschlagsverhältnissen in letzter Zeit bei. Eine wichtige Rolle spielen auch die Bodeneigenschaften sowie die hydrogeologischen Verhältnisse.

Eine Überschreitung des Höchstwertes an sich bedeutet gemäss dem AWEL-Fachmann noch nicht, dass das Trinkwasser toxisch sei und nicht getrunken werden könne. Aber man wolle den Nitratwert langfristig sehr tief halten, weil bei Konsum in zu hohen Mengen Verbindungen entstehen, die krebserregend sein können.

Info-Veranstaltung für Landwirte

Ende Juni werden die betroffenen Landwirte in Dägerlen zu einer Info-Veranstaltung eingeladen. Fachleute vom AWEL und Strickhof wollen die Bauern an diesem Anlass über geeignete Möglichkeiten zur Reduktion des Nitratrisikos informieren. Mit einem Massnahmenplan sollten die Nitratwerte wieder baldmöglichst unter den Höchstwert von 40 Milligramm pro Liter gesenkt werden.

In landwirtschaftlich genutzten Gebieten können gewisse Stoffe wie Nitrat, Phosphor und Pflanzenschutzmittel durch Abschwemmung oder Auswaschung ins Grundwasser oder in Oberflächengewässer gelangen. Überschreitet die Konzentration dieser Stoffe in einem Gewässer die in der Gewässerschutzverordnung festgelegten Werte, muss der Kanton das Ausmass und die Ursachen der Verunreinigung ermitteln, die Wirksamkeit von Massnahmen prüfen und die für eine Sanierung notwendigen Massnahmen ergreifen.

Erstellt: 24.05.2019, 14:37 Uhr

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