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Zoo-Koala Milo stirbt an Viruserkrankung

Koala Milo lebt nicht mehr. Wie schon sein Gefährte Mikey war er von Retroviren befallen.

Philipp Lenherr
Koala-Männchen Milo starb am vergangenen Donnerstag.
Koala-Männchen Milo starb am vergangenen Donnerstag.
PD

Traurige Nachrichten aus dem für das Publikum derzeit geschlossenen Zoo Zürich: Koalamännchen Milo musste am Donnerstag, 19. März, eingeschläfert werden. Wie der Zoo gestern mitteilte, litt der vierjährige Koala an einer Infektion mit einem Virus.

Dabei handelt es nicht etwa um das Coronavirus, sondern um das Koala-Retrovirus, welches in den Populationen der australischen Beuteltiere schon längere Zeit grassiert. Im Dezember 2019 starb bereits Milos Zoo-Gefährte Mikey an den Folgen eines starken Befalls mit Retroviren.

Damit sind nun beide Koalas tot, die das vor rund zwei Jahren eröffnete neue Australienhaus im Zoo von Anfang an bewohnt haben. Die scheuen, meist etwas verschlafen wirkenden Tiere gehörten zweifellos zu den Publikumslieblingen. Im Juli vergangenen Jahres gesellten sich zwei Weibchen zu den beiden Junggesellen. Nachwuchs gab es bislang allerdings keinen.

Das Virus greift das Immunsystem an

«Retroviren sind für Koalas ähnlich wie HIV beim Menschen», sagt Zoodirektor Alex Rübel. Das Virus muss nicht unbedingt zu raschen gesundheitlichen Problemen führen. Oft kommen diese mit zunehmendem Alter, oder wenn das Immunsystem der Tiere aus einem anderen Grund geschwächt ist.

«Die Symptome sind dann ähnlich wie bei Leukämie. Die Tiere können sehr rasch, innert weniger Tage, verenden». Problematisch wird das Virus also ausgerechnet dann, wenn die Tiere sowieso schon gestresst oder gesundheitlich angegriffen sind. Nach den verheerenden Waldbränden und Buschfeuern, in denen viele Koalas umgekommen sind, könnten nun also auch noch etliche geschwächte Artgenossen von Retroviren dahingerafft werden.

Im Zoo leben derzeit noch die beiden Koalaweibchen Maisy und Pippa. Sind auch sie von dem Virus befallen und damit möglicherweise gefährdet? «Wir müssen davon ausgehen, dass auch sie Trägerinnen des Virus sind», sagt Rübel. Das bedeutet allerdings nicht, dass ihnen unmittelbar Gefahr droht. Laut Rübel können die Tiere trotzdem lange gesund bleiben. «Retroviren sind in den Koalapopulationen im Norden der australischen Ostküste weit verbreitet», sagt Rübel.

Milo hat möglicherweise Nachkommen gezeugt

Die Koalaweibchen Maisy und Pippa könnten allerdings auch noch für positive Überraschungen sorgen im Zoo: Vor seinem Tod hat sich Milo offenbar mit beiden gepaart. Ob es Nachwuchs geben wird, ist allerdings noch nicht klar. «Wir wollen die beiden nicht einer belastenden Untersuchung aussetzen, um das schnellstmöglich herauszufinden», sagt Rübel. Man warte einfach ab. Junge Koalas verbringen ihre ersten Lebensmonate verborgen im Beutel der Mutter. Gewissheit über allfällige Nachkommen von Milo wird es also frühestens in einigen Monaten geben.

Alle Koalas im Zoo Zürich stammen aus dem nördlich von Sydney gelegenen Australian Reptile Park. Wann der Zoo weitere Tiere von dort erhalten könnte, ist derzeit nicht absehbar. «Wegen des Coronavirus’ steht auch dort derzeit vieles still, an einen Export von Koalas ist zurzeit nicht zu denken», sagt Rübel. Tatsächlich musste der Australian Reptile Park gerade am Mittwoch seine Tore für die Besucherinnen und Besucher auf Anordnung der Behörden bis auf Weiteres schliessen, wie es auf dessen Internetseite heisst.

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